Es ist ein aufregender Nachmittag mit einem dramatischen Ende. Goalie Joël Mall rettet den Grasshoppers in der letzten Sekunde einen Punkt, als er den Penalty von Tomi Juric abwehrt. 1:1 − es ist nach vier Niederlagen der erste Punktgewinn in diesem Jahr. «Haben Sie mit dieser Parade den Job Ihres Trainers gerettet?», wird Mall gefragt.

Der 25-Jährige ist neben Juric eine der Figuren, die in der Swissporarena die Geschichte des Spiels geschrieben haben. Wie der 19-jährige Charles Pickel, der erst ein paar Tage zuvor vom FC Basel zu GC gestossen ist und noch nie ein ganzes Spiel in der Super League bestritten hat. Wie GC-Trainer Pierluigi Tami, der Pickel mutig ins kalte Wasser geworfen hat und von seiner neuen Nummer 6 mit einer starken Leistung belohnt wurde.

«Mall die Mauer»

Wie Jonas Omlin, der für David Zibung im Luzerner Tor stand und die Zentralschweizer Legende David Zibung nun vermutlich abgelöst hat. Wie Schiedsrichter Sandro Schärer, der den Gastebern zwei Foulpenaltys vorenthielt und bei Filip Ugrinics Tor zu Unrecht auf Offside entschied, beim Strafstoss in der 95. Minute dann aber daneben lag, weil Nedim Bajrami klar den Ball gespielt und kein Foul begangen hatte.

Penaltyheld Mall

Doch die klaren Hauptdarsteller des Tages sind Milan Vilotic, Pascal Schürpf und eben Mall. «Diese Frage kann ich nicht beantworten», will Letzterer nicht spekulieren, ob er mit seiner Parade den Trainer im Amt gehalten hat. «Aber sicher habe ich einen Punkt festgehalten und hoffe, dass dies der Startschuss ist, um von unten wegzukommen.» Mall hat es in dieser Saison nicht leicht gehabt, ist nur in den ersten drei Partien zum Einsatz gekommen und nach schwachen Leistungen von Vaso Vasic erst gestern zum Comeback.

«Wir alle müssen uns nun aus dem Sumpf ziehen.»

Joël Mall, Goalie der Grasshoppers

«Wir alle müssen uns nun aus dem Sumpf ziehen.»

«Es geht um GC, nicht um Vaso oder mich», sagt Mall. «GC steht in der Tabelle nicht dort, wo es hingehört. Wir alle müssen uns nun aus dem Sumpf ziehen.» Es sei das erste Mal in seiner Karriere gewesen, dass er mit dem Schlusspfiff einen Penalty abwehren konnte, sagt Mall, zwar habe er die Luzerner Penaltyschützen studiert und eigentlich Marco Schneuwly erwartet, doch schliesslich sei es Intuition gewesen, wie er den Ball abgewehrt habe.

Mit seiner Tat hat er auch dafür gesorgt, dass Vilotics Rückkehr zu GC nach drei Jahren zum Erfolgserlebnis für den Serben geworden ist. Obwohl dieser im August letzten Jahres zum letzten Mal für YB aufgelaufen war, hat der 30-Jährige eine feine, abgeklärte Leistung abgeliefert.

«Mit seiner Erfahrung hat er für viel Stabilität gesorgt», lobt Tami. «Ich habe mich von Anfang an gut gefühlt, obwohl ich nur drei Tage lang mit dem Team trainieren konnte», sagt Vilotic, der in Bern von Adi Hütter aussortiert worden ist. Wer ihn indes gestern gesehen hat, kann nicht begreifen, dass er schlechter als YB-Captain Steve von Bergen sein soll.

Dass Vilotic in Luzern gleich als Chefdirigent auftrat, betrachtet er als Selbstverständlichkeit. «Nach 13 Jahren Profifussball ist das meine Aufgabe.» Vilotic räumte ein, dass Luzern die bessere Mannschaft gewesen sei. «Aber wir waren während 90 Minuten stabil und ich denke, dass wir einen schönen Weg vor uns haben.»

Eine hektische Zeit durchlebt derweil Pascal Schürpf in diesen Tagen. «Das war definitiv ein Traumeinstand», sagte der 27-jährige Basler, «vor allem wenn man bedenkt, welch turbulente Woche das gewesen ist, als es plötzlich zum Wechsel von Vaduz zu Luzern gekommen ist und ich rasch meine Sachen zusammenpacken musste.»

In 15 Spielen war der Stürmer während gesamthaft 669 Minuten für die Liechtensteiner in dieser Saison auf dem Platz gestanden, ein Tor war ihm nicht gelungen. Gestern nun brauchte er nach seiner Einwechslung (64.) gerade einmal acht Minuten, um mit dem Kopf das 0:1 auszugleichen, das Runar Sigurjonsson (8.) erzielt hatte. «So verrückt ist Fussball», hätten Schürpf, Vilotic und Mall gestern im Chor singren können.