Was ist Anfang Juli passiert? Die Auflösung folgt. Es ist eine spezielle, eine schöne Geschichte! Nur zwei Tage nach dem ersten Training mit Lausanne wechselte Trainer Fabio Celestini Geissmann im Heimspiel gegen St. Gallen nach 56 Minuten beim Stand von 1:3 ein: 30 Sekunden später erzielte der junge Mann aus Hägglingen mit einem Kopfball den Anschlusstreffer zum 2:3. Am Schluss erkämpften sich die Waadtländer ein 3:3.

Geissmann und Lausanne, das passt! Nach dem schnellen Treffer zum Auftakt, startete der 24-jährige Aargauer so richtig durch. Er zählte in den folgenden elf Spielen zur Startformation, spielte jeweils über die volle Distanz und erzielte am vergangenen Sonntag beim 4:0-Sieg in St. Gallen schon sein viertes Saisontor.

Das in einer für ihn neuen Rolle: Beim FC Wohlen und in Thun kam Geissmann im zentralen Mittelfeld als klassischer Sechser zum Einsatz und hatte vor allem defensive Pflichten zu erfüllen.

Warum Geissmann aktiv wurde

Bei Lausanne ist das anders. Geissmann spielt auf der linken Seite, rückt oft ins Zentrum und kann seine offensiven Qualitäten ausspielen. So wurde der junge Mann innert kürzester Zeit zu einer Teamstütze, ja sogar zu einem Strategen.

Und wie erklärt Geissmann seinen Höhenflug? «Ganz einfach», sagt er. «Fabio Celestini hatte starkes Interesse an mir und setzte von Beginn an voll auf mich. Er lässt mich Fussball spielen und gibt mir im Spiel nach vorne genau die Freiheiten, die ich brauche. Das war für mich die Moralspritze, die ich gebraucht habe.»

Bleibt die Antwort auf die Frage, warum Geissmann kurz vor dem Saisonauftakt von Thun zu Lausanne gewechselt hat.

Ein Blick zurück: Nach dem Wechsel von Wohlen zu Thun auf die Saison 2016/17 hin, lief alles wie am Schnürchen. Nach einer guten Vorbereitungszeit, war Geissmann Stammspieler und bildete zusammen mit Dennis Hediger das zentrale, defensive Mittelfeld. Gegen Ende der Vorrunde verlor Geissmann seinen Platz an den talentierten Sandro Lauper. Auch die Rückrunde verlief nicht optimal. Geissmann musste sich mit Teileinsätzen zufriedengeben. Und als er während der Vorbereitungszeit auf diese Saison hin spürte, dass er unter der Führung von Trainer Marc Schneider nicht zur Stammformation zählen wird, war die Zeit reif für einen Wechsel.

Die Analyse lautet: «Klubwechsel!»

«Mit der Rolle des Reservisten konnte und wollte ich nicht leben», erinnert sich Geissmann. «Ich habe höhere Ansprüche und Ziele. Also musste ich etwas unternehmen.» Kurz vor dem Startschuss in die Meisterschaft sprach er mit Vater Roger und Berater Baykal Kulaksizoglu.

Die Analyse des Trios: Klubwechsel! Und wenn immer möglich in der Super League! Und als Lausanne-Trainer Celestini starkes Interesse zeigte, nahmen die Dinge ihren Lauf. Geissmann liess den FC Thun links liegen und unterschrieb bei den Waadtländern einen Dreijahresvertrag.

Genauso wie bei Thun, hat Geissmann auch bei Lausanne einen langfristigen Vertrag. Aber diesmal macht es den Anschein, als würde er die Abmachung erfüllen. In Lausanne fühlt er sich wohl. Auf und neben dem Spielfeld.

Und an Selbstvertrauen fehlt es Geissmann auch nicht. Wie sagte er so schön: «Die Saison in Thun war gut. Ich habe viel gelernt. In Lausanne ist es für mich noch besser. Hier macht Fussball so richtig Spass. «Und», fügt er energisch hinzu, «an meine Qualitäten als Profi habe ich schon immer geglaubt.»

Gut so! Selbstbewusstes Auftreten kann nicht schaden: Mit Lausanne, das aus den vergangenen sechs Spielen 14 Punkte geholt hat, und GC, das unter der Führung von Trainer Murat Yakin noch ungeschlagen ist, treffen heute die zwei Mannschaften der Stunde aufeinander.

GC gewann zuletzt das Derby in der Meisterschaft gegen den FC Zürich 4:0, Lausanne siegte in St. Gallen mit dem gleichen Resultat. Wer gewinnt im Cup das Duell der aktuellen Überflieger?