EM-Qualifikation

Jogi Löw und die Kritik um seinen «Angsthasenfussball»

Nach der Niederlage vom Freitag gegen Holland, muss Jogi Löw heute Abend gegen Nordirland gewinnen.

Nach der Niederlage vom Freitag gegen Holland, muss Jogi Löw heute Abend gegen Nordirland gewinnen.

Der deutsche Bundestrainer hat heute Abend gegen Nordirland die Chance, seine Mannschaft auf Platz eins in der Qualifikationsgruppe C zu führen. Das Wohlwollen der Fans ihm gegenüber würde deswegen aber nicht frappant ansteigen.

Seit 37 Jahren hat Deutschland nicht mehr gegen Nordirland verloren. Es war in der Qualifikation zur EM 1984 in Frankreich. Damals verlor Deutschland beide Partien gegen Nordirland mit 0:1. Doch das ist lange vorbei. Das Team von Bundestrainer Jogi Löw ist heute Abend absoluter Favorit im fünften Qualifikationsspiel.

Deutschland und die Schwierigkeit, sich dem Gegner anzupassen

Im deutschen Lager herrscht vor dem Spiel heute Abend dennoch Unruhe. Das Wort «Druck» hat Hochkonjunktur. Druck verspüre vor allem Bundestrainer Jogi Löw, schreiben verschiedenste Portale. Seine Mannschaft, vor allem aber auch er selbst, ist nach der 2:4-Niederlage gegen die Niederlande am Freitag heftig kritisiert worden. Fünf Verteidiger aufzustellen, um dann doch vier Gegentore zu erhalten und zeitgleich offensiv keine Stricke zu zerreissen. Das goutierten die deutschen Medien und die Fans überhaupt nicht. «Angsthasenfussball» hätten die Deutschen gespielt. Das Spiel habe an den EM-Halbfinal 2012 gegen Italien erinnert, als sich Deutschland dem Gegner anpassen wollte und jämmerlich unterging.

Nordirland will die Überraschung perfekt machen

Druck hat Deutschland aber nicht nur der letzten Niederlage wegen. Nordirland führt die Gruppe C mit zwölf Punkten aus vier Spielen an, Deutschland folgt dahinter mit neun. Bei einer zweiten Niederlage würden die Deutschen weiter zurückgebunden. Allerdings muss gesagt sein, dass sich die Nordiren erst je zweimal mit Estland und Weissrussland gemessen hat. Beide Nationen gelten nicht als Fussballschwergewichte. Nordirland hat dabei aber seine Pflicht erfüllt und will sich in einer schwierigen Gruppe zum zweiten Mal in der Verbandsgeschichte für eine Europameisterschaft qualifizieren. Dafür braucht es aber in den verbleibenden vier Partien eine echte Parforce-Leistung gegen die favorisierten Nationen Holland und Deutschland.

Jonathan Tah (links) verschuldete gegen die Niederlande ein Eigentor. Diese Tatsache ist mit ein Grund für die neuerliche Kritik an Jogi Löw.

Jonathan Tah (links) verschuldete gegen die Niederlande ein Eigentor. Diese Tatsache ist mit ein Grund für die neuerliche Kritik an Jogi Löw.

Im Windsor Park in Belfast wollen die Nordiren mit den eigenen Fans im Rücken aber weitaus mehr als nur ein Sparringpartner für die beiden Favoriten sein. Trainer Michael O’Neill verwies darauf, dass allenfalls auch zwei Siege aus den nächsten vier Spielen für die neuerliche EM-Qualifikation reichen. Die grössten Chancen hätte seine Mannschaft dabei in den beiden Heimspielen.

Fest im Sattel - auch bei neuerlicher Niederlage

Jogi Löw wird heute eine Viererkette auflaufen und seine Mannschaft offensiver agieren lassen als noch am Freitag in Hamburg. Kein Angsthasenfussball also. Kritik wird es aber ohnehin hageln. Zurzeit kann es der Bundestrainer niemandem recht machen, weder Medien noch Fans. Da hilft auch ein allfälliger Sieg heute Abend nicht viel. Deutschland müsste schon Europameister werden, damit Löw wieder Wohlwollen widerfährt. Aller Kritik zum Trotz, die Verbandsspitze des DFB wird nicht im Traum darüber nachdenken, dem Bundestrainer den Laufpass zu geben. Mindestens bis nach der EM 2020 wird Löw das Team betreuen – sofern es sich denn auch für das Turnier qualifiziert.

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