Super League
Joël Mall hat gelitten, um belohnt zu werden

Der ehemalige Aarau-Goalie Joël Mall ist mit den Grasshoppers noch ungeschlagen – dies soll am Sonntag im Spitzenspiel gegen den FC Basel so bleiben.

Markus Brütsch, Niederhasli
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Volle Konzentration auf Gegner Basel: GC-Keeper Joël Mall.

Volle Konzentration auf Gegner Basel: GC-Keeper Joël Mall.

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Vielleicht wäre Joël Mall schon jetzt Nationalspieler. Hätte er sich nämlich in seiner Jugend für den Handball und gegen den Fussball entschieden. Denn es ist ja anzunehmen, dass ihm Vater Uwe, ein 100-facher Nationalspieler, die entsprechenden Gene vererbt hatte, und dazu wäre Joëls heutige Körpergrösse von 1,93 Metern in dieser Sportart auch kein Nachteil gewesen.

Profitieren von ihr kann Mall aber auch als Fussballgoalie. Wenn es darum geht, einen hohen Flankenball abzufangen oder sich bei einem Hechtsprung lang zu machen. «Ich bin ein einziges Mal in einem Handballtraining gewesen», sagt Mall, «gefallen hat es mir nicht. Auf dem Pausenplatz haben wir auch immer nur Fussball gespielt.»

GC-Fan von klein auf

Der 24-Jährige hat es nie bereuen müssen, sich für den Fussball entschieden zu haben. Er hat sein Hobby zum Beruf machen können. Vor allem aber ist es ihm vergönnt, für seinen Lieblingsverein das Tor zu hüten. «Ich bin von klein auf GC-Fan», sagt Mall. «Zum einen gibt es in Brugg, wo ich aufgewachsen bin, viele Anhänger von diesem Verein. Zum andern hat auch mein Vater für GC gespielt; wenn auch als Handballer.»

So konnte ihm im vergangenen Sommer nichts Besseres passieren, als vom Klub seines Herzens eine Offerte zu erhalten. Nach dem Abstieg mit dem FC Aarau hatte sich ihm eine Chance geboten, die es zu nützen galt. Dass er die ersten fünf Spiele von der Ersatzbank aus verfolgen musste, weil Trainer Pierluigi Tamis Bauchgefühl sich für Vaso Vasic entschieden hatte, machte ihm kein Bauchweh. «Mir war klar gewesen, dass ich möglicherweise etwas Geduld brauchen würde», sagt Mall. Doch nach einem 3:3 in Vaduz schlug dann seine Stunde; zuerst im Cup beim 4:1 in Cham, dann in der Super League in St. Gallen. GC siegte 2:0 und eine Woche später, natürlich wieder mit Mall im Tor, gab es gegen YB einen 3:2-Sieg. Einen besseren Einstand hätte er sich nicht wünschen können.

Fataler Zusammenstoss

Dann aber kam es in Luzern zum Zusammenstoss mit Tomislav Puljic. Mall zog sich eine Nierenverletzung und einen Mittelhandbruch zu – und war out für ein paar Wochen. «Das war zwar ein Rückschlag, doch in eine Depression fiel ich nicht», sagt Mall. «Ich habe sofort zusammen mit meinem Goalietrainer das Ziel formuliert, gestärkt aus dieser Pause zu kommen. Dass er vor ein paar Jahren aufgrund von Knochenödemen sogar während vierzehn Monaten zum Zuschauen verurteilt gewesen war, habe ihm jetzt geholfen. «Ich wusste, wie es ist, draussen zu sein», sagt Mall. «Damals beim FC Aarau war es vor allem die Ungewissheit, die mich verzweifeln liess. Ich ging von Arzt zu Arzt, doch es wurde und wurde nicht besser.» Ja, Mall war nahe dran gewesen, mit seiner Laufbahn abzuschliessen, bevor sie richtig begonnen hatte. «Ich habe sogar schon mit einem Wirtschaftsstudium begonnen», sagt Mall. Sein Glück war der Rheinfelder Arzt Lukas Weisskopf, der ihn wieder fit brachte und den Profitraum des damals 19-Jährigen weiterleben liess.

Dagegen war die in Luzern zugezogene Verletzung ein Klacks. Schon im letzten Vorrundenspiel sass Mall wieder auf der Ersatzbank. Nach der Winterpause trainierte er hart und erhielt beim Rückrundenstart in Bern von Tami den Vorzug vor Vasic. Mall dankte es beim 1:1 mit einer formidablen Leistung.

Den Schweizer Top-Goalies auf den Fersen

«Überrascht war ich nicht», sagt Christoph Born. Der Goalietrainer hatte gesehen, wie ehrgeizig Mall auf sein Comeback hingearbeitet und gelitten hatte, um belohnt zu werden. «Joël ist ein Chrampfer. Er ist aber auch offen und lernwillig», sagt Born. Er traut Mall zu, einmal den Schweizer Spitzentorhütern Benaglio, Sommer, Bürki und Hitz in die Bundesliga zu folgen. «Zuerst müssen wir aber noch die Defizite im Spiel mit den Füssen beseitigen.»

Mall, der mit Sorge den Abstiegskampf des FC Aarau in der Challenge League verfolgt und wenn immer möglich zu den Spielen im Brügglifeld aufkreuzt, weigert sich, von der Champions League zu träumen. Auch wenn GC mit fünf Punkten Vorsprung auf Rang zwei liegt, der am Ende die Qualifikationsspiele zur Königsklasse bescheren würde. Zuerst einmal will der Aargauer morgen Sonntag mit GC gegen den Brocken namens FCB bestehen. Mall ist mit GC in Pflichtspielen noch ungeschlagen. Und das soll noch eine Weile so bleiben.

Der FCB-Präsident bläst den Marsch

Vor uns liegt eine entscheidende Woche.» Um seinen Worten zusätzlich Gewicht zu verleihen, schaute FCB-Präsident Bernhard Heusler gestern persönlich im Training vorbei. Was er sah, gefiel ihm: «Die Spieler sind bereit. Es herrscht nach dem Startsieg gegen Luzern eine gute Stimmung, was sehr wichtig ist für die kommenden Aufgaben.» Im morgigen Spitzenspiel gegen Verfolger GC kann Rot-Blau den Abstand auf 15 Punkte ausbauen. Und am Donnerstag wartet mit dem Hinspiel der Europa-League-Sechzehntelfinals in St. Etienne eine ganz heikle Aufgabe auf den FCB. Heusler: «Die zwei Partien sind wegweisend für den weiteren Verlauf der Rückrunde.» Im Letzigrund hat das Fischer-Team nach der 2:3-Pleite im letzten Spiel gegen GC etwas gutzumachen. «Da ist Brisanz drin», so der FCB-Trainer, «wenn wir an die Leistung anknüpfen können, die wir gegen Luzern gezeigt haben, bin ich guter Dinge.» Trotz der Möglichkeit, auf 15 Punkte davonzuziehen, will Urs Fischer partout nichts von einem entscheidenden Schritt Richtung Meistertitel wissen: «Der Punkteabstand interessiert mich dann, wenn wir rechnerisch nicht mehr einzuholen sind. Bis dahin schauen wir von Spiel zu Spiel.» Nach dem erfolgreichen Rückrundenauftakt will Fischer auf jeden Fall vermeiden, dass der Schlendrian Einzug hält. Die dreitägige Fasnacht zwischen dem GC- und dem St. Etienne-Spiel erklärt er für sich und die Mannschaft zum Tabu: «Nach allem, was ich über die Fasnacht gehört habe, hätte ich Lust auf einen Besuch. Aber ich denke, dass unsere Priorität zurzeit eine andere ist.» Gegen GC fehlen werden die rekonvaleszenten Degen und Hoegh. Neuzugang Sporar wird nach seiner Fussentzündung wohl noch einmal geschont. (wen)

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