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Jetzt spricht «dä Sauhund»: Ex-Velorennfahrer Godi Schmutz blickt auf seine legendäre Rivalität mit Beat Breu zurück

Godi Schmutz (links) im Trikot des Schweizer Meisters und sein Teamkollege Beat Breu, Leader der Tour de Suisse.

Godi Schmutz (links) im Trikot des Schweizer Meisters und sein Teamkollege Beat Breu, Leader der Tour de Suisse.

Vor bald 40 Jahren gerieten sich Beat Breu und Gottfried Schmutz an der Tour de Suisse in die Haare. Der Herausforderer Schmutz fühlte sich vom Team benachteiligt und wollte seine eigene Chance wahrnehmen.

Es war ein epochaler Schlagabtausch. Bis heute unvergessen. Godi, eigentlich Gottfried, Schmutz griff 1981 an der Tour de Suisse an und entriss seinem Teamkollegen Beat Breu das Leadertrikot. Breu war höchst verärgert ob der Attacke aus dem eigenen Rennstall und sagte: «De Godi isch en Sauhund.»

Zirkus und Ruhestand

Seither ist der Bergfloh in aller Mund. Er gewann die Tour de Suisse 1981 trotzdem, Schmutz blieb nur der vierte Gesamtrang.

Breu macht mittlerweile Zirkus. Der bald 66-jährige Schmutz geniesst den Ruhestand – nach einer ansehnlichen Karriere in der Versicherungsbranche. Er ist ein friedliebender Zeitgenosse und wohnt auf dem Land, in Hagenbuch, wo er aufgewachsen ist, in der Nähe von Frauenfeld.

Godi Schmutz geniesst in seinem Garten den Ruhestand.

Godi Schmutz geniesst in seinem Garten den Ruhestand.

Er ist mit sich im Reinen. Es wäre ihm eigentlich lieber, nicht mehr auf die Vorfälle im Juni 1981 angesprochen zu werden.

Als «Hausi» Godi unter die Arme greifen musste

Schmutz war ein Rennfahrer gehobener Klasse und beendete etwa 1979 den ersten Giro d’Italia, den er bestritt, auf dem neunten Rang. Das schafften noch nicht viele Schweizer.

Er wurde zu einer Zeit Profi, als es im Land nur noch eine Handvoll Berufsfahrer gab. Erfolge auf internationaler Ebene waren höchst selten. Sepp Fuchs, der stärkste Schweizer jener Epoche, fuhr als Edelhelfer in italienischen Mannschaften.

Schmutz ist dreimal Schweizer Meister

«Das Schwierigste war es, ein Profiteam zu finden», sagt Schmutz. Er begann 1977 bei «Känel Teppiche». Diesem Rennstall ging aber mitten in der Saison das Geld aus. Dank der Unterstützung des Thurgauer Unternehmers Hans Leutenegger konnte der gelernte Landmaschinenmechaniker trotzdem weiterfahren.

Erste Erfolge stellten sich rasch ein. 1978 bestritt Schmutz zum ersten Mal Lüttich–Bastogne–Lüttich und beendete das bedeutende Eintagesrennen im Belgien als Elfter. Als er nach Hause kam, sagten sie zu ihm: «Endlich sahen wir im Fernseher wieder einmal einen Schweizer.» Schmutz wurde auch dreimal Schweizer Meister. Auch das erreichten noch nicht viele Rennfahrer im Land.

Einer von drei Captains im Schweizer Team

Schmutz brachte alles mit, um die Tour de Suisse zu gewinnen. Als am 10. Juni 1981 in Wohlen die 45. Landesrundfahrt begann, war er einer der drei Captains im Rennstall «Cilo-Aufina» neben Breu und Fuchs, der mittlerweile in die Schweizer gewechselt hatte. Schmutz entschied in Uster die zweite Etappe für sich und übernahm die Führung im Gesamtklassement.

Die Enttäuschung nach dem Sieg

Nur kurz nach der Stunde des Triumphes musste er aber ein erstes Mal leer schlucken. In der Mannschaftssitzung wurde ihm beschieden, man werde das Leadertrikot nicht verteidigen. Schmutz musste zur Kenntnis nehmen, dass man teamintern doch nicht auf ihn setzt.

«Das hatte auch kaufmännische Gründe», sagt Schmutz, «Cilo wollte schon im Giro verlängern, ich aber erst später.» Ein Tour-de-Suisse-Sieger wäre Cilo wesentlich teurer zu stehen gekommen.

In der vierten Etappe eroberte Breu im Zeitfahren auf den Balmberg die Vormachtstellung. Zwei Tage später griff Schmutz im Wallis an und entthronte Breu. Schmutz sagt im Rückblick:

Und weiter: «Ob es fair oder unfair war, spielt heute keine Rolle mehr.»

Der Besuch im Zirkus seines einstigen Rivalen

Heute ist Schmutz ein guter Verlierer. «Beat war im entscheidenden Zeitfahren auf den Monte Brè eine Klasse für sich und hat die Tour de Suisse verdient gewonnen.»

Breu sagte 1981 auch noch, dass der Gottfried für ihn gestorben sei. Aber die beiden sahen sich nach dem Walliser Schlagabtausch immer wieder. Schmutz besuchte vor gut einem Jahr in Winterthur sogar eine Zirkusvorstellung seines einstigen Rivalen.

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