Es ist Christoph «Wuschu» Spycher nicht leicht gefallen, die Nachfolge von Fredy Bickel anzutreten, dessen Entlassung gemäss dem Verwaltungsrat schon monatelang beschlossen, aber erst am Dienstag letzter Woche plötzlich überstürzt kommuniziert worden war. Nach der gemeinsamen Zeit bei den Gelb-Schwarzen pflegen Spycher und Bickel einen freundschaftlichen Umgang. Eine erste Anfrage von YB wies Spycher nach eigenen Worten zurück - aus Loyalität zu Bickel.

YB-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger räumte an einer Medienkonferenz zu Spychers Anstellung ein, dass man mit dem SFV-Nachwuchskoordinator Paul Meier schon einen Vertrag für Amt des Sportchefs unterzeichnet habe. Das Ganze habe sich dann aber zerschlagen. Kienberger, in Not geraten, kontaktierte Spycher letzten Samstag noch einmal. Diesmal kam die Zusage. «Schweren Herzens», wie Spycher sagte. Er hofft, mit Bickel weiterhin gut auszukommen. Unter Bickel war Spycher Teamcaptain, danach Talent-Manager.

Spycher nannte vorerst zwei Dinge, die er bei YB abstellen respektive mit YB erreichen will. «Wir müssen wegkommen von dem Zickzack-Kurs der letzten Jahre.» Als Beispiel nannte er seine Anfangszeit als Spieler bei YB, 2010. Er habe sich damals auf die Tätigkeit mit CEO Stefan Niedermaier gefreut. «Kaum war ich zwei Monate da, wurde er entlassen», sagte Spycher. «Es war einfach vieles zu wenig konstant.»

Spychers positives Ziel: Er will, dass der Klub die beste Adresse der Schweiz für junge Spieler wird. Junge Spieler sollen auch verkauft werden, aber erst dann, wenn sie sich die nötige Reife und genug Erfahrung in der Super League angeeignet haben. «Wir werden uns nicht mit Basel vergleichen», sagte Spycher vor den Medien.

«Wir werden uns aber auch nicht mit den anderen Schweizer Klubs vergleichen. Wir suchen unseren eigenen Weg.» Was die Förderung von Talenten angeht, haben die Berner in den letzten Jahren erstklassige Arbeit geleistet. Heute alimentieren sie die Schweizer U21-Auswahl fast zur Hälfte.

Bei den Arbeitsbedingungen hat Spycher, wie er sagte, unter anderem ausgehandelt, dass er die Gesamtverantwortung im Sportbereich tragen wird und dass er - ein weiches Kriterium - in Ruhe arbeiten kann.

Freundlich und kompromisslos

Spycher spielte nie in Basel, dafür als Junior in Gasel, in einem kleinen Dorf der grossen Berner Vorortsgemeinde Köniz. Dort ist der FC Sternenberg daheim, Spychers Stammverein. Wo er später auch spielte - ob bei den Grasshoppers, mit denen er 2003 Meister wurde, oder während fünf Saisons bei Eintracht Frankfurt -, Spycher war überall beliebt. Er war freundlich im Umgang, aber kompromisslos, wenn es um den ehrlichen Einsatz auf dem Platz ging.

Die YB-Spieler bei der Verabschiedung von Christoph «Wuschu» Spycher im Mai 2014.

Die YB-Spieler bei der Verabschiedung von Christoph «Wuschu» Spycher im Mai 2014.

In der Saison nach dem genannten Meistertitel spielten die Grasshoppers miserabel. Sie wurden zuletzt Siebte und hatten nicht mehr allzu viel Reserve auf den Barrage-Platz. Die GC-Fans machten sich lautstark bemerkbar, als sie den Larifari-Fussball der gut bestückten Mannschaft - Lichtsteiner, Cabanas, Nunez, Tararache, Eduardo, Petric und andere waren im Kader - nicht mehr aushielten.

Nach einem der vielen schlechten Spiele streckten sie eine grosse Banderole in die Luft. Darauf stand: «Ausser Wuschu könnt ihr alle gehen!» Was braucht es, damit aufgebrachte Fans einen Spieler ausdrücklich von ihrer kollektiven Entrüstung ausnehmen? Es braucht einen authentischen Spieler. Spychers Ehrlichkeit auf dem Platz ist niemandem verborgen geblieben. Auch nicht in der Bundesliga, in der für Frankfurt 129 Spiele bestritt und es zum Captain brachte. 42 Mal lief er für die Nationalmannschaft auf.

Die Qualitäten, die er mitbringt, garantieren Spycher noch lange nicht den Erfolg als YB-Sportchef. Er wird beispielsweise auch ein Geschick bei den Transfers zeigen müssen. Daran wird jeder Sportchef zuerst gemessen. (sda)

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