Tobias: Welch skurrile Woche! Bei den Weltcup-Rennen der Frauen in Crans-Montana können sie die Zeit nicht richtig messen. An der Nordisch-WM wird ein österreichischer Langläufer in flagranti beim Blut-Doping erwischt. Und bei GC sickert durch, dass sich Juniorentrainer von Eltern und vielleicht auch von Spielerberatern bestechen liessen.

David: Überraschen uns all die Geschichten? Am ehesten erstaunt mich, dass die FIS-Leute nicht wissen, was zu tun ist, wenn die digitale Zeitmessung ausfällt, und deshalb ein fürchterliches Chaos verursachen. Wobei: Wenn Gian Franco Kasper, der FIS-Häuptling himself, wegen eines kurzzeitig verschneiten Stockholmer Flughafens den Klimawandel leugnet, muss man sich über die Inkompetenz seiner Leute nicht wundern. Doch die Spritze im Arm eines Langläufers und die hohle Hand eines Fussballfunktionärs – das ist doch längst Normalität.

Pius: Ja, ja, die Geschichte vom Sport als Abbild der Gesellschaft haben wir schon zur Genüge diskutiert. In der Summe sind diese Meldungen für mich doch sehr ernüchternd, wenn nicht sogar erschütternd. Denn wo, wenn nicht im Sport, funktioniert der Glaube an das Gute wie eine Rettungsweste im täglichen Kampf gegen die Wasserstrudel?

François: Folgst du etwa dem Abzweiger Richtung Sinnkrise?

Pius: Ich weiss es nicht. Es ist ja auch die Woche des 3:0-Erfolgs meines FC Barcelona in Madrid gegen Real. Normalerweise ein Grund, meiner Frau nochmals einen Heiratsantrag zu machen. Aber dieses 3:0 hat rein gar nichts bei mir ausgelöst. Das bereitet mir Sorgen.

Flavio: Es muss ja nicht gleich ein Antrag sein. Wiedermal einen Blumenstrauss nach Hause bringen würde es wohl auch tun, oder?

Pius: Wahrscheinlich. Aber das 3:0 hat mich nicht mal dafür in Stimmung versetzt.

Tobias: Warum?

Pius: Da ist nichts Mythisches mehr im Spiel von Barcelona. Der romantische Ansatz, die nie erlahmende Suche nach dem perfekten Spiel – alles wie ausradiert. Früher standen die Spieler von Barcelona nicht nur in der Pflicht zu siegen, sondern auch schön zu siegen. Von diesem Ehrgefühl ist kaum noch etwas übrig. Nein, Barcelona ist zu einer austauschbaren Massenware verkommen, weil man sich mit opportunistischem Resultatfussball zufriedengibt.

David: Oh je! Und nach Uriellas Tod ist nicht einmal mehr ein Beitritt zu Fiat Lux eine Option für dich, um den Weg aus der Dunkelheit zu finden.

François: Wenigstens kann deine Frau jetzt getrost königliches Weiss tragen, ohne einen Eklat befürchten zu müssen.

Tobias: Und das Geld, das du sonst für Reisen nach Barcelona ausgibst, kannst du nun ohne schlechtes Gewissen den Trainern und Lehrern deiner Kinder zustecken.

Pius: Ihr könnt mich alle mal mit euren saublöden Sprüchen! Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

François: Ach komm schon, nimm es nicht so schwer. War doch nur Spass.

Pius: Nein! Jetzt seid ihr definitiv zu weit gegangen. Ich geh nach Hause.

Tobias: Hat irgendeiner von euch eine Ahnung, welche Auswirkungen Blut-Doping auf die Psyche hat?