«Jeder freut sich auf seine Art»

Carlo Janka gewann als erster Schweizer seit Max Julen 1984 Olympia-Gold im Riesenslalom. «Natürlich freue ich mich. Aber Abfahrtsgold wäre mir fast lieber gewesen», sagt er im Interview.

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Gold-Janka

Gold-Janka

Keystone

Felix Bingesser, Whistler
Carlo Janka, sind Sie aufgestanden und haben gewusst: Das wird mein Tag heute?

Carlo Janka: Überhaupt nicht. Ich habe aus dem Fenster geschaut und habe gesehen, dass das Wetter schlecht ist. Und ich habe mich müde und ausgelaugt gefühlt. Ich bin eigentlich ohne grosse Erwartungen an den Start gegangen.
Und dann haben Sie nach dem ersten Durchgang geführt.

Janka: Ich war überrascht. Und die Pause zwischen den Läufen war sehr lang, da bin ich sogar etwas nervös geworden. Ich wusste ja, dass dies die letzte Chance ist, um eine Medaille zu gewinnen.
Sie waren 11. in der Abfahrt, 8. im Super G und 4. in der Kombination. Ein richtiger Steigerungslauf ?

Janka: Ja. Nach der Kombination war ich schon ziemlich am Boden, der vierte Platz war hart für mich, das hat tat weh. Aber jetzt bin ich ja entschädigt.
Aber Ihr Jubel war wieder sehr diskret. Freuen Sie sich denn?

Janka: Natürlich. Es ist ein grosser Tag für mich. Bei der Siegerehrung habe ich so richtig realisiert, was ich erreicht haben und wofür ich jetzt jahrelang hart trainiert habe. Das dauert bei mir immer eine gewisse Zeit bis ich das alles verarbeitet habe. Ich hoffe jetzt einfach, dass es nicht zu viele Feiern gibt.
Wie meinen Sie das?

Janka: Ich bin gestern noch im Schweizer Haus mit den Leuten zusammen gesessen, die mich immer unterstützen. Aber dann ist Schluss mit den Feierlichkeiten. Ich kann da nicht weiter Energie dafür verschwenden. Ich muss jetzt meine Batterien aufladen, denn es geht ja weiter im Weltcup. Da habe ich immer noch Chancen auf den Gesamt-Weltcupsieg und habe mir dafür jetzt die richtige Motivation geholt.
Wird diese Goldmedaille ihr Leben verändern?

Janka: Warum auch? Was sich ändert ist wohl mein Umfeld. Alle wollen jetzt etwas von mir. Aber ich bin immer noch der gleiche Carlo.
Nun reisen Sie schon ab. Sind sie froh?

Janka: Sehr, ja. Ich habe das olympische Dorf jetzt gesehen. Ich war in der ganzen Zeit nur einmal in Whistler. Da muss man mit dem Bus hin und dreimal umsteigen. Das ist mir zu kompliziert. Und das Essen im olympischen Dorf hat man ja dann auch mal gesehen.

Wenn Sie sich vor den Spielen eine Medaille hätten wünschen können, wäre das dann diese gewesen?

Janka: Also Abfahrtsgold wäre mir lieber gewesen. Das ist noch immer die Königsdisziplin. Aber ich brauche ja auch noch Ziele für die Zukunft.