Ski alpin
Jansrud startet nicht zum Slalom: Eine vierte grosse Kugel für Hirscher

Am Samstag um 18 Uhr war es fix: Marcel Hirscher gewinnt als erster Skirennfahrer zum vierten Mal in Serie den Gesamtweltcup. Kjetil Jansrud liess sich für den Slalom vom Sonntag nicht einschreiben.

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Wird schon bald die grosse Kristalkugel in den Händen halten: Marcel Hirscher.

Wird schon bald die grosse Kristalkugel in den Händen halten: Marcel Hirscher.

Keystone

Kjetil Jansrud hatte zwar beim Weltcup-Finale in Méribel einen erstaunlich starken Riesenslalom gezeigt. Im Final-Durchgang konnte er sich aus idealer Startposition um zehn Ränge verbessern.

Als Elfter realisierte er sein bestes Saison-Resultat in dieser Sparte. Dies reichte aber nicht, um Marcel Hirscher ernsthaft gefährlich werden zu können. Der Österreicher hatte seine Hausaufgaben ebenfalls erledigt. Als Vierter baute er seinen Vorsprung auf 60 Punkte aus. Die Entscheidung war gefallen.

Namenstafel wurde entfernt

Ein paar Stunden später wurden die letzten Zweifel ausgeräumt. Kurz vor Beginn des Team-Captains-Meetings entfernte ein norwegischer Coach Jansruds Namenstafel vom Slalom-Board (für die Reporter musste er dieses Prozedere mehrmals wiederholen). Jansruds Entourage hatte eingesehen, dass ein Start am Sonntag keinen Sinn macht.

Es war schlicht unvorstellbar, dass Jansrud in seiner schwächsten Disziplin aufs Podest steigt. Die Zeiten, als er ordentliche Slalom-Leistungen abgeliefert hat, sind längst passé. Von einem Exploit, wie ihn Hirscher am Donnerstag als Vierter des Super-G gelandet hatte, konnte nicht ausgegangen werden.

Erleichterung extrem spürbar

Hirscher wurde die frohe Kunde des Gesamtweltcup-Siegs von seinem Medienbetreuer Stefan Illek überbracht, als er auf dem Massage-Tisch lag. Hirscher meinte in einer ersten Reaktion: "Die Erleichterung ist extrem spürbar. Was für ein tolles Gefühl. Ich danke Kjetil für diesen harten Fight. Er ist menschlich einer der feinsten Athleten, die ich bis jetzt kennen gelernt habe." Hirscher kann nun befreit noch die kleine Kugel für den Slalom-Weltcup jagen. In dieser Wertung muss er 55 Punkte auf den deutschen Leader Felix Neureuther wettmachen.

Hirscher gab zu, dass ihn Jansruds Aufholjagd im Riesenslalom nochmals ein bisschen nervös gemacht habe. "Es wäre nicht lustig gewesen, wenn ich ausgeschieden wäre und er mich im Gesamtweltcup sogar noch überholt hätte. Im Slalom weiss man ja nie, was passieren kann", sagte der 26-jährige Salzburger. Hirscher war schon im ersten Lauf, den sein Privat-Coach Mike Pircher ausgeflaggt hatte, eher zurückhaltend und nicht mit gewohnter Souveränität aufgetreten.

Kein Riesen-Podest zum Abschluss

Bei Halbzeit fand er sich im Klassement an sechster Stelle wieder. Im Final-Durchgang konnte er immerhin noch zwei Ränge gutmachen. Von Hirscher ist man aber anderes gewohnt. Erstmals in dieser Weltcup-Saison verpasste er im Riesenslalom das Podest. Nicht entgegen gekommen sind ihm sicher die Bedingungen. Hirscher mag harte Pisten lieber als frühlingshaften Schnee. Unter dem Strich konnte ihm das aber egal sein, denn der "depperte Glasbecher", wie er die grosse Kristallkugel auch schon genannt hatte, war im Trockenen.

Hirscher hat sich auf die gleiche Stufe wie Pirmin Zurbriggen, Hermann Maier und Gustavo Thöni gehievt, welche den Gesamtweltcup ebenfalls viermal gewonnen haben. Alleiniger Rekordhalter in dieser Statistik ist der Luxemburger Marc Girardelli mit fünf Overall-Titeln. Bei den Männern ist Hirscher aber der erste, der viermal in Folge triumphiert hat. Bei den Frauen hatte Annemarie Moser-Pröll eine Serie mit fünf Gesamtsiegen hingelegt (1971 - 1975).

Kristoffersens "Riesen"-Premiere

Aus norwegischer Sicht gab es trotz allem Grund zum Jubeln. Der erst 20-jährige Henrik Kristoffersen raste nach drei Weltcup-Siegen im Slalom zu seinem ersten Triumph im Riesenslalom. Er setzte sich 79 Hundertstel vor dem Deutschen Fritz Dopfer durch, welcher zum sechsten Mal im Weltcup Zweiter wurde, aber immer noch auf seine Sieg-Premiere wartet.

Kristoffersen hat bei seinen letzten fünf Renn-Einsätzen viermal den Sieg davongetragen. Vor einer Woche war er im Slalom von Kranjska Gora unschlagbar gewesen und davor hatte er an den Junioren-Weltmeisterschaften in seiner Heimat Gold in beiden technischen Disziplinen geholt. Kristoffersen könnte dereinst auch zu einem Kandidaten für die grosse Kristallkugel werden. Es wird spekuliert, dass er sich bald öfter auf Speed-Strecken wagt. Kristoffersen sagt, dass er den Fokus noch eine Weile auf den technischen Rennen behalte und für die schnellen Disziplinen noch ein paar Kilogramm Körpermasse zulegen müsse.

Schweizer solide

Die beiden Schweizer konnten im "Riesen" nicht an der Spitze mitmischen, am Schluss aber immerhin Punkte gewinnen. Gino Caviezel wurde Zwölfter, Carlo Janka Fünfzehnter. Caviezel hatte ein besseres Abschneiden im ersten Lauf vergeben, den er praktisch auf der ganzen Länge mit einem Stock bestreiten musste.

Janka kam auch bei seinem dritten Einsatz in Méribel nicht auf Touren. Er konstatierte im Hinblick auf die Zukunft schonungslos: "Für mich wird es in allen Belangen viel zu tun geben." Auf die Frage, welche "Baustellen" er konkret meine, antwortete Janka: "Es sind zu viele, um alle aufzuzählen." Immerhin gebe ihm dieses brachliegende Potenzial einen Motivationsschub.