Pius: Freunde, der Ski-Winter wird vielleicht doch besser als befürchtet. Offenbar besteht eine Chance, dass Carlo Janka in dieser Saison noch Rennen bestreitet.

Flavio: Carlo wer?

Pius: Janka. Ich bitte dich! Du wirst doch nicht unseren letzten Sieger des Gesamtweltcups der Männer vergessen haben?

Flavio: War das in diesem Jahrtausend?

Pius: Selbstverständlich. Es ist noch gar nicht so lange her. Etwa sieben Jahre, denke ich.

Flavio: Janka? Sorry, sagt mir jetzt nichts. Egal. Was ist denn mit ihm los?

Pius: Er hat im Oktober, also unmittelbar vor dem ersten Rennen, einen Kreuzbandriss erlitten.

David: Aber dann ist die Saison für ihn doch gelaufen. Nach einem Kreuzbandriss muss man in der Regel mindestens ein halbes Jahr pausieren.

Pius: Aber doch nicht unser Iceman!

Flavio: Hä! Wer ist denn jetzt der Iceman? Wieder so ein Gott auf Ski?

Pius: Mann! Auf welchem Planeten lebst du? Iceman ist Janka. Man nennt ihn so, weil ihn
alles um ihn herum kalt lässt.

Flavio: Okay. Mit dem Rücktritt des grossen, unerreichbaren Alberto Tomba habe auch ich mich vom Skisport verabschiedet.

Tobias: Schande über dein italienisches Haupt! Was ist nun mit Janka?

Carlo Janka

Carlo Janka

Pius: Janka ist derzeit in Behandlung bei einem Manual-Therapeuten. Der Mann soll offenbar genial sein, sagt Jankas Konditions-Trainer. So genial, dass der Konditions-Trainer sogar in Aussicht stellt, Janka könnte bereits im Dezember wieder Ski fahren. Und wenn das passiert, ist eine Olympia-Teilnahme wahrscheinlich.

François: Nicht mal vier Monate nach einem Kreuzbandriss an Olympia zu starten würde die Welt auf den Kopf stellen. Man müsste die Liste der Weltwunder um ein achtes erweitern.

David: Die Geschichte tönt unwahrscheinlich. Ich vermute mal, da steckt PR dahinter. Entweder will man dem Manual-Therapeuten zu mehr Bekanntheit verhelfen. Oder Janka selbst sieht sich gezwungen, im Gespräch zu bleiben.

Tobias: Oder Janka ist gar nicht so gravierend verletzt, wie kolportiert wird. Er kommt zurück, holt Olympia-Gold und ist endlich, was er schon längst sein sollte: Ein Held, eine Ikone, der Roger Federer des Skisports.

François: Gemach, Freunde. Wenn PR, dann steckt sicher nicht Janka selbst dahinter. Ausserdem ist der Roger-Federer-Vergleich völlig irr.

Pius: Wieso meinst du?

François: Nun, ich erzähle euch eine Geschichte. 2011 wars, als Jankas Manager die Journalisten ins Grand Hotel Quellenhof in Bad Ragaz lud. Nur das Beste war gut genug. Denn der Manager verkündete, aus Janka eine Marke mit globaler Strahlkraft zu machen. Als Orientierungspunkt diente nicht Didier Cuche, sondern der grosse Roger Federer. Der Manager schwadronierte über die durchgestylte Homepage, das schicke Logo mit den Initialen CJ und die Fanartikel-Kollektion. CJ soll sich wie RF als skandalfreier Vorzeige-Athlet international positionieren. Nur: Janka wirkte bei diesem Ballyhoo wie ein fremdgesteuerter Tanzbär im Zirkus.

David: Und was hat von all dem Logo- und Marken-Zauber bis heute überlebt?

Pius: Es gibt immerhin noch T-Shirts und Schlüsselanhänger zu kaufen.