Das Goalie-Duell im Playoff-Halbfinal
Jakub Stepanek: Eigentlich zu normal, um Goalie zu sein

Jakub Stepanek ähnelt einem sanften Riesen, der durch den Hintereingang kam. Erst im Dezember verpflichtet ihn der SCB - als Notlösung für den verletzten Marco Bührer.

Klaus Zaugg
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Jakub Stepanek sucht noch einen Arbeitgeber für nächste Saison.

Jakub Stepanek sucht noch einen Arbeitgeber für nächste Saison.

Urs Lindt/freshfocus

Jakub Stepanek (29) ist erst der vierte ausländische Goalie in einem Playoff-Halbfinal. Nach dem Franzosen Cristobal Huet (1999 Meister mit Lugano, inzwischen eingebürgert), dem Schweden Tomas Östlund (Gottéron) und, natürlich, dem finnischen ZSC-Meistergoalie Ari Sulander. Aber der Tscheche kommt nicht durch die Vordertüre. Er kommt im Dezember als «Notnagel» durch den Hintereingang, um den verletzten Marco Bührer bis Saisonende zu ersetzen. Er ist von seinem russischen Klub freigegeben worden, hat Spielpraxis und scheint die perfekte Lösung zu sein.

Der SCB hat zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Goalieproblem, taumelt durch die Saison und droht die Playoffs zu verpassen. Aber die Hoffnungen, der tschechische Nationalgoalie möge die Defensive stabilisieren, erfüllen sich vorerst nicht. Er hat sogar bald einmal den Ruf, ein Lotter-Goalie zu sein. Was mit seinem Stil zu tun hat: er ist fast unschlagbar beim ersten Schuss, aber er hat Mühe, die Abpraller zu kontrollieren und kassiert zu viele Treffer mit dem zweiten oder dritten Schuss.

Stepanek wusste im Playoff-Viertelfinal gegen die ZSC Lions zu überzeugen.

Stepanek wusste im Playoff-Viertelfinal gegen die ZSC Lions zu überzeugen.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Die verunsicherte SCB-Verteidigung hat in der Qualifikation noch nicht zum einfachen, geradlinigen Spiel gefunden, das später die Sensation gegen die ZSC Lions ermöglichen wird. Die Verteidiger schirmen ihren neuen Goalie zu wenig gut ab.

Erst in der Schlussphase der Qualifikation kommt er in Form, haben sich seine Vorderleute besser auf ihn eingestellt und er ermöglicht mit starken Leistungen die Siegen gegen Servette und Lausanne, die dem SCB erst die Playoffs ermöglichen. Aber die Fangquote ist mit 90 Prozent nur durchschnittlich. Erst jetzt, in den Playoffs, ist er nicht nur körperlich ein grosser Goalie. Er hat gegen die ZSC Lions 94,70 Prozent der Schüsse gehalten. Gegen den HC Davos ist er der wichtigste Einzelspieler.

Bleiben kann er nicht

Jakub Stepanek: Der sanfte Riese, der durch den Hintereingang kam.

Jakub Stepanek: Der sanfte Riese, der durch den Hintereingang kam.

KEYSTONE

Der sanfte Riese (189 cm) ist kein typischer Goalie. Weil er untypisch normal ist. «Er sagt in der Garderobe wenig bis nichts; er redet meistens nur, wenn er etwas gefragt wird», sagt einer der Mitspieler. Der Tscheche fühlt sich indes durchaus wohl. Kürzlich schwärmte er geradezu: «Das Team hat einen guten Charakter. Ich habe in meiner Karriere bisher nie erlebt, dass sich die Spieler so gut verstehen und auch neben dem Eis regelmässig Sachen unternehmen. Wir gehen zusammen essen oder bowlen.»

Jakub Stepanek wohnt mit seiner Frau und seiner achtmonatigen Tochter im Breitenrain und die Freizeit verbringt er meistens mit der Familie. Mit seiner ruhigen Art geht leicht vergessen, dass er ein «Desperado» ist: einer, der um seine letzte Chance, um einen guten Vertrag kämpft. In Bern kann er nicht bleiben. Für die nächsten drei Jahre kommt Leonardo Genoni. Die herausragenden Leistungen gegen die ZSC Lions haben ihn wieder auf die Radarschirme der Sportmanager gebracht – aber nicht in der NLA. Selbst wenn er den SCB zum Titel hexen sollte, wird er künftig wohl in der KHL oder in Skandinavien spielen.