EM-Qualifikation

Italien vor der EM-Qualifikation: Und wer schiesst die Tore?

Führt Trainer Roberto Mancini Italien an die EM?

Nach dem Verpassen der WM-Endrunde in Russland steht Italiens Nationalelf vor einem Neuanfang. Mit dem Start in die EM-Qualifikation am Samstag um 20.45 Uhr gegen Finnland stellt sich vor allem eine Frage: Wer beendet Italiens Torflaute?

Die Fussballwelt rieb sich im November 2017 überrascht die Augen. Italien, einstige Fussballgrossmacht und viermaliger Weltmeister scheitert in der Barrage der WM-Qualifikation an Schweden und verpasst erstmals seit 1958 eine WM-Endrunde.

Die Gründe für die Schmach waren schnell gefunden: Die Mannschaft sei zu alt, taktisch unflexibel und offensiv zu harmlos. Zeit, um Wunden zu lecken, blieb den Italienern – WM-freier Sommer sei Dank -  genug. Zum Start der EM-Qualifikation am Samstag gegen Finnland gilt es wieder ernst. Eine Nicht-Qualifikation käme angesichts der erleichterten Umstände einer noch epochaleren Schmach als Ende 2017 gleich.

Machbare Gruppengegner

Das Losglück war für einmal auf der Seite von Italien. Mit dem aktuell 35. Platzierten der Fifa-Weltrangliste Bosnien-Herzegowina aus dem zweiten Lostopf sind die Italiener gut bedient. wenn man bedenkt, dass auch Hochkaräter wie Deutschland oder WM-Schocker Schweden möglich gewesen wären.

Die weiteren Quali-Gegner Griechenland (45), Finnland (59), Armenien (101) und Liechtenstein (181) sollten im Normalfall durchaus in Reichweite liegen. Einzig Europameister  Griechenland kann auf einige EM-Teilnahmen zurückblicken, verpasste das Turnier 2016 in Frankreich aber. Nicht erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Aufstockung auf 24 Teams die Qualifikation nicht gerade erschwert hat. Bereits ein zweiter Rang in der Sechsergruppe berechtigt zur direkten Teilnahme an der EM-Endrunde.

Offensive Impotenz

Ist die Qualifikation also nur noch Formsache? Die Länderspielbilanz Italiens 2018 verheisst nichts Gutes. In der Nations League konnte man im Gegensatz zu Erzrivale Deutschland zwar die Klasse halten, überzeugend waren die Auftritte aber keineswegs. In der Gruppe mit Polen und Europameister Portugal belegte man mit 4 Punkten aus 4 Spielen den zweiten Platz.

Besonders ins Auge sticht dabei die offensive Impotenz der Azzurri. Gerade einmal zwei Tore, eines davon per Elfmeter, gelangen den italienischer Offensive in vier Partien. Zum Vergleich: Die Schweizer Nationalmannschaft traf in ebenso vielen Spielen 14 mal.

Auch wenn die Italiener noch nie für begeisternden Offensiv-Fussball standen, lässt die miese Bilanz aufhorchen. Zumal es in den restlichen Länderspielen, den Umständen geschuldet Freundschaftsspiele, nicht wirklich besser aussieht. Obwohl Ergebnisse von Freundschaftsspielen mit Vorsicht zu geniessen sind, und die meisten Testgegner mitten in der WM-Vorbereitung steckten, fällt auch hier eines auf:

Italien schiesst praktisch keine Tore. In 7 Freundschaftsspielen kommen die Italiener auf ebenso viele Tore und nur gegen das bescheidene Saudi-Arabien gelang der Squadra Azzurra mehr als ein Treffer. Trainer Roberto Mancini, der seit Mai 2018 im Amt ist, ist es bisher nicht gelungen, das Hauptproblem zu lösen.

Roberto Mancini zeigt seiner Mannschaft, wo das Tor steht.

Roberto Mancini zeigt seiner Mannschaft, wo das Tor steht.

Ein Oldie soll's richten

Das aktuelle Aufgebot für die ersten zwei Quali-Partien gegen Finnland (23.3.) und Liechtenstein (26.3.) lässt zumindest erahnen, dass ihm jedes Mittel recht ist, dies zu ändern. Mit dem 36-jährigen Fabio Quagliarella, der zuletzt 2015 aufgeboten und das letzte Mal 2010 für die Nationalmannschaft auflief, steht der aktuelle Topskorer der Serie A im Kader.

Der Oldie erlebt zurzeit bei Sampdoria seinen goldenen Karriereherbst und traf in 27 Spielen bereits 21 mal. Eine langfristige Lösung für Italiens Torimpotenz ist dies selbstverständlich nicht, kurzfristig ist dem 26-fachen Nationalspieler aber durchaus zuzutrauen, die Heilung voranzutreiben.

Fabio Quagliarella trifft in der Serie A wie am Laufmeter.

Fabio Quagliarella trifft in der Serie A wie am Laufmeter.

Prominenter Abwesender

Auf der aktuellen Kaderliste befinden sich aber auch prominente Abwesende: Ausgerechnet zwei formstarke Stürmer wurden von Trainer Mancini nicht aufgeboten. Andrea Belotti, Stürmer beim FC Turin, der mit aktuell 10 Saisontoren zu Buche steht und in der verpatzten WM-Qualifikation immerhin zweitbester Skorer der Mannschaft, wurde von Mancini nicht berücksichtigt.

Der zweite prominente Abwesende sorgte zuletzt für einmal wieder mit Toren für Schlagzeilen. Mario Balotelli, zurzeit bei Olympique Marseille unter Vertrag, hat offenbar wieder Lust auf Fussball und traf in den letzten 6 Liga-Spielen 4-mal. Für ein Aufgebot reichte es dennoch nicht. Balotelli war 2018 zwischenzeitlich ins Nationalteam zurückgekehrt, nachdem er vier Jahre lang kein Aufgebot mehr erhielt.

In die Fussstapfen Balotellis könnte der erst 19-jährige Moise Kean treten. Der Mittelstürmer hat seinen Stammplatz bei Juventus Turin zwar meist auf der Bank, bei seinem Startelf-Debüt anfangs März bewies er aber mit zwei Toren und einem Assist eindrücklich, warum er als Riesentalent gehandelt wird.

Genug Qualität, die Misere in der Offensive zu beenden, scheint in Italiens Kader also durchaus vorhanden zu sein. Der Auftakt zur EM-Qualifikation wird zeigen, ob diese Qualität endlich wieder auch in Tore umgemünzt werden kann. 1992 verpasste Italien zuletzt eine EM-Endrunde. Dass Italien 2020 wieder fehlt scheint trotz suboptimalen Vorzeichen undenkbar.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1