Formel 1

Ist Kaltenborn für Sauber noch tragbar?

© KEYSTONE

Die Chefin des Schweizer Rennstalls hat im Vertragschaos den Überblick verloren. Der Gerichts-Zoff dürfte noch lange nicht ausgestanden sein.

Wie tief kann Sauber eigentlich noch fallen? Nach der Pleitesaison 2014 mit null Punkten droht den Hinwilern kurz vor dem WM-Auftakt in Melbourne der Super-GAU: Drei Piloten, aber nur zwei Autos.

Das Bild, welches das Schweizer Sauber-Team in Down Under abgibt, ist mehr als erbärmlich. Der Rechtsstreit zwischen dem Rennstall und Ex-Testpilot Giedo van der Garde (29) macht nicht nur Sauber, sondern die gesamte Formel 1 zur Lachnummer. Kein Team, kein Pilot, kein Sponsor, kein Investor und kein Fan kann diesen Zirkus noch ernst nehmen.

Das Russen-Märchen

Das Problem hat einen Namen: Monisha Kaltenborn (43). Was die Sauber-Teamchefin seit Amtsantritt im Herbst 2012 abliefert, ist unterste Liga und entspricht eher Go-Kart-Niveau als der höchsten Liga des Automobilrennsports. Mit der gelehrten Juristin begann bei Sauber der wirtschaftliche und sportliche Untergang. Die Folge: Schulden, Betreibungen und sonntäglicher Kreisverkehr, welcher keine Punkte mehr einbrachte.

Mit dem Russenmärchen, wonach Investoren Hunderte von Millionen nach Hinwil bringen würden, verlor Kaltenborn im Sommer 2013 als einzige Teamchefin im männerdominierten PS-Zirkus endgültig ihren Kredit. Denn jede von ihr kommunizierte Geldgeschichte entpuppte sich letztlich als Luftblase.

Exotische Argumente

Als Sauber 2014 in 19 Rennen erstmals in der 22-jährigen Teamgeschichte punktelos blieb und die Saison auf dem vorletzten WM-Rang (Platz 10) abschloss, schien Sauber den Tiefpunkt erreicht zu haben. Doch weit gefehlt. Seit dieser Woche ist nämlich bekannt, dass die ehemalige Chefjuristin der Sauber Motorsport AG offenbar nicht mal die eigenen Fahrerverträge kennt. Nur so ist erklärbar, dass Kaltenborn nun plötzlich drei Piloten für zwei Cockpits unter Vertrag hat. Einfach nur peinlich.

Ex-Sauber-Tester Giedo van der Garde klagte zu Recht. Ihm steht laut Sauber-Vertrag für dieses Jahr ein Stammcockpit zu. Sauber und Kaltenborn blitzten vor dem Gericht in Melbourne auf der ganzen Linie ab. Da half auch die exotische Argumentation der Sauber-Anwälte nichts, wonach van der Garde aufgrund fehlender Wintertests womöglich ein «tödliches Sicherheitsrisiko» darstellen würde, falls er am Sonntag im Sauber sitzen würde.

Im Fahrerlager von Melbourne wurde diese Argumentation mit Kopfschütteln quittiert. Die ehemaligen Sauber-Piloten Felipe Massa und Sergio Pérez finden es «schlicht lächerlich» – und stehen voll und ganz hinter Kollege van der Garde. «Wenn der einen gültigen Vertrag hat, soll er auch fahren», so der allgemeine Tenor.

Peter Sauber schweigt

Wie auch immer: Der Gerichts-Zoff dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Zum einen, weil der Holländer nun auch noch gegen Kaltenborn wegen angeblicher Rufschädigung klagt, zum anderen, weil van der Gardes Anwalt sogar die Inhaftierung der Sauber-Teamchefin ins Spiel brachte, sollte sich der Rennstall dem Gerichtsurteil widersetzen. Die Frage drängt sich auf: Ist Kaltenborn als Sauber-Teamchefin überhaupt noch tragbar? Im Fussball wäre sie längst entlassen – egal, bei welchem Club.

Doch bei Sauber hält sie 33 Prozent der Anteile. Nicht einfach, für Peter Sauber. Doch der ehemalige Chef schweigt. Aber dürfte schwer leiden. Denn sein Lebenswerk ist erneut in Gefahr. Nur steht diesmal der Ruf von Sauber auf dem Spiel. Der Name ist nach all den Skandalen ramponiert.

Kaltenborn hat sowohl kommunikativ als auch operativ versagt. Jetzt auch noch auf juristischer Ebene. Fragt sich nur, wie lange die Formel 1 da noch zuschaut. Allen voran Chefvermarkter Bernie Ecclestone. Die Schlagzeilen, mit denen Sauber derzeit die Königsklasse in Verruf bringt, dürften den 84-Jährigen kaum erfreuen –
im Gegenteil.

Wann kommts zum Knall? Gut möglich, dass es noch vor dem Start am Sonntag früh um 6 Uhr MESZ der Fall ist. Fortsetzung folgt. So oder so. 

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