Wir erleben rund um den Posten des Schweizer Eishockey-Nationaltrainers ein Theater von höchstem Unterhaltungswert. Am Freitag haben wir erfahren, dass Glen Hanlon entlassen und per sofort durch Felix Hollenstein ersetzt wird. Die Amtsenthebung eines Nationaltrainers im Oktober ist zwar unüblich. Aber nun hätte Ruhe einkehren können. Denn es steht ausser Frage, dass Hanlon nicht mehr tragbar war und Felix Hollenstein alles hat, um unsere Nationalmannschaft zu führen.

Wer im Februar Trainer ist, ist offen

Aber für Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer ist das eine zu einfache Lösung. Als grosser Stratege denkt er weiter – und löst ein Chaos aus. Hollenstein ist nämlich nur für die Länderspiele im November und Dezember als Nationaltrainer vorgesehen. Raffainer sagt: «Wer bei den Februar-Länderspielen und bei der WM unser Nationaltrainer sein wird, ist offen.» Hollenstein sei einfach für das Coaching-Team vorgesehen, vielleicht sei er später bloss Assistent und nicht Chef. «Nationaltrainer können rotieren wie die Spieler. Andere Verbände nominieren den Nationaltrainer erst zwei Wochen vor der WM.»

Diese etwas naiven Vorstellungen eines tüchtigen Verbands-Generals gefährden das Erfolgsmodell Schweiz, das Ralph Krueger zwischen 1998 und 2010 zusammen mit dem ehemaligen Verbandsdirektor Peter Zahner (jetzt Manager ZSC Lions) gegen die Klubs durchgesetzt hat: Die Schweiz profitiert davon, dass zwei Drittel der Spieler während der ganzen Saison dem Nationaltrainer zur Verfügung stehen. So ist unsere Nationalmannschaft taktisch eine der besten der Welt geworden und hat sich immer wieder gegen Mannschaften durchgesetzt, die viel talentierter sind. Aber taktisch weniger gut.

Das Ende des Erfolgsmodells?

Inzwischen spielen zwar mehrere Schweizer in der NHL und wir wissen erst unmittelbar vor der WM, ob sie zur Verfügung stehen. Aber anders als die Schweden, Finnen, Tschechen, Russen, Amerikaner und Kanadier haben wir nicht genug NHL-Profis für ein Team. Unsere NHL-Profis sind Verstärkungen, ähnlich wie die Ausländer in einem Klubteam. Nach wie vor bilden die NLASpieler das Fundament der Nationalmannschaft.
Dieses Erfolgsmodell wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Während der Saison spielt es inzwischen keine Rolle, wer für die Nationalmannschaft aufgeboten wird. Letzte Saison waren es über 60 Spieler. Inzwischen spielen Krethi und Plethi für die Schweiz. Die besten werden erst für die WM nominiert. Sehr zur Freude der Klubs, die dem Nationaltrainer sagen, welche Spieler er im November, Dezember und Februar aufbieten darf und wen nicht.

Dieses «Krethi- und Plethi-Prinzip» wird nun also auch auf den Nationaltrainer übertragen. Da noch nicht klar ist, wer die Schweiz bei der WM coachen wird, bringt der umtriebige Nationalmannschafts-Direktor die Liga durcheinander. Biels Geschäftsführer Daniel Villard ist erbost, dass Raffainer ohne zu fragen, seinem Trainer Kevin Schläpfer den Posten des Nationaltrainers angeboten hat. Immerhin hat Biel mit Schläpfer kürzlich bis 2018 verlängert.
Da der neue Nationaltrainer wohl ein Schweizer sein muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Luganos Patrick Fischer und Gottérons Gerd Zehnhäusern zum Thema werden. Und natürlich werden die Gerüchte nie mehr verstummen, Arno Del Curto werde die Schweiz bei der WM coachen. Ein unhaltbarer Zustand. Und was ist eigentlich mit Christian Weber, Roger Bader, Michel Zeiter, Gil Montandon, Markus Studer, Lars Leuenberger, Dino Stecher oder Bruno Aegerter?