Die Europa-Kampagne des HC Davos wird mit allergrösster Wahrscheinlichkeit am kommenden Dienstag in Göteborg zu Ende gehen. Nur noch ein Wunder kann den Schweizer Meister nach der 0:5-Heimniederlage im Hinspiel vor dem Ausscheiden retten.

Trotzdem: Sportlich war die Champions Hockey League für den HCD eine Erfolgsgeschichte. Die Mannschaft von Trainer Arno Del Curto vermochte auf europäischem Level immer wieder einen Gang nach oben zu schalten und profitierte damit auch im Hinblick auf das nationale Championat – der aktuellen Durststrecke zum Trotz.

Magere Kost für die Klubkassen

Doch wie sieht es auf finanzieller Ebene aus? Erreicht man im Fussball auf europäischer Ebene die Runde der letzten vier Mannschaften, dann wirkt sich das in der Regel überaus positiv für die Vereinskasse aus. In der Champions League dürfte man deutlich über 40 Millionen Franken verdienen, in der Europa League immer noch gegen 10 Millionen.

Im Eishockey bewegt man sich da in ganz anderen Dimensionen. Die Siegprämie in der Champions Hockey League betrug heuer 1,5 Millionen Euro – für den gesamten Wettbewerb.

Der Cashflow allein zählt nicht

Kein Wunder, muss auch der HCD ungeachtet der sportlichen Erfolgsgeschichte im finanziellen Bereich beide Augen zudrücken. Oder anders ausgedrückt: Die Davoser müssen sich ihre Erfolgsrechnung quasi zurechtzimmern, will man den europäischen Ausflug mit einem positiven finanziellen Resultat abschliessen.

Präsident Gaudenz Domenig erklärt: «Es gibt zwei Betrachtungsweisen: Wenn man eine Vollkostenrechnung macht, ist dieser Wettbewerb ein Verlustgeschäft – selbst wenn wir den Titel holen sollten. Wir haben einen oder zwei Spieler zusätzlich verpflichtet, wenn auch nicht nur wegen der Champions Hockey League. Daneben gibt es auch auf der Geschäftsstelle in verschiedenen Bereichen Zusatzaufwand, den wir nicht weiterverrechnen können. Wenn man das Ganze rein mit dem Cashflow betrachtet, dann werden wir den Wettbewerb im besten Fall mit einem Plus im tiefen sechsstelligen Bereich abschliessen. Aber eben, im Vergleich zum Aufwand ist das zu wenig.»

Kritik an den Verantwortlichen

Der HCD-Präsident macht klar, dass die Macher der CHL über die Bücher gehen müssen, soll der zweifellos gut organisierte und präsentierte Wettbewerb eine Zukunft haben: «Die Champions Hockey League ist in dieser Form ein teures Format», so Domenig, der zu bedenken gibt, dass vor allem die Reisen, welche in der Regel mit Charterflügen bestritten werden müssen, ein grosses Loch in die Kasse reissen. Deshalb sagt er: «Die Kosten müssen sich senken, wenn der Wettbewerb wirtschaftlich mittelfristig auf eine gesunde Basis gestellt werden soll.»

Eine etwas andere Sicht der Dinge hat da der CEO der CHL, der Schweizer Martin Baumann. Er appelliert an den Sportsgeist der Teilnehmer: «Spielt es am Ende für einen Klub wirklich eine Rolle, ob man 150'000, 180'000 oder 250'000 Euro Preisgeld in der Kasse hat? Aus Sicht des Präsidenten: klar – ich muss ja meine Kosten decken. Aber ich lobe mir diesbezüglich eben auch die Skandinavier, denen es primär um den Titelgewinn geht, die unbedingt diese Trophäe holen wollen. Es geht auch um die Ehre und den Stolz.» Eine Aussage, die Domenig ein gequältes Lächeln ins Gesicht zaubert.