Olympia
In Graubünden brennt die Olympia-Flamme wieder

Keine drei Jahre nach dem Volks-Nein zu den Winterspielen 2022 wird ein neues Bündner Olympiaprojekt lanciert. Die Initianten setzen auf Dezentralisierung und Digitalisierung.

Simon Steiner, Chur
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Der Steinbock in den olympischen Farben: Das Symbol der gescheiterten Bündner Olympia-Kandidatur 2022.

Der Steinbock in den olympischen Farben: Das Symbol der gescheiterten Bündner Olympia-Kandidatur 2022.

Keystone

«Ich bin überzeugt, dass es diesmal klappt», sagt Ernst Wyrsch. Der Präsident der Bündner Hoteliers gehört zu den Initianten des Projekts für Olympische Winterspiele 2026, das aus Wirtschaftskreisen lanciert und gestern in Chur vorgestellt wurde. Erst im März 2013 hatte das Bündner Stimmvolk eine Kandidatur für die Winterspiele 2022 knapp abgelehnt. «Seither hat sich die wirtschaftliche Situation im Kanton leider markant verschlechtert», sagt Wyrsch, der sich vom Olympiaprojekt die nötigen Impulse erhofft.

Nachhaltigeres Konzept

Den entscheidenden Unterschied zum gescheiterten Projekt soll eine breitere Verteilung der Wettkämpfe ausmachen. «Wir wollen mehr Regionen einbeziehen», sagt Andreas Wieland, CEO des Medizinaltechnik-Unternehmens Hamilton in Bonaduz und Leiter des neuen Projektteams. «An jedem einzelnen Ort sollen die Events höchstens das Ausmass einer Weltmeisterschaft haben. Neue Wettkampfstätten sollen nur gebaut werden, wenn sie nach den Spielen sinnvoll genutzt werden können.»

Dabei soll die Kandidatur über die Kantonsgrenzen hinaus reichen. Insbesondere für die Eissportarten wollen die Initianten potenzielle Austragungsorte ausserhalb Graubündens mit ins Boot holen – beispielsweise Zürich. Das Projekt knüpft dabei an die «Agenda 2020» des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an, welche den lokalen Veranstaltern grösseren Planungsspielraum lässt als in der Vergangenheit. Sowohl Projektleiter Wieland als auch sein Mitstreiter Reto Gurtner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Weisse Arena in Flims/Laax, hatten zu den Gegnern der letzten Kandidatur gehört. Deren Direktor Gian Gilli wird sein Know-how im sportlichen Teil des neuen Konzepts nun erneut einbringen.

Ziel: «Digitale Hightech-Spiele»

Grosses Innovationspotenzial sieht Wieland im technologischen Bereich. «2026 werden die jungen Fans nicht mehr mit Kuhglocken am Pistenrand stehen», sagt er. «Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren weiter voranschreiten, und wir müssen uns überlegen, wie wir den Sport mit den neuen Möglichkeiten für Zuschauer besser erlebbar machen.» Dem Kandidatur-Chef schweben «digitale Hightech-Spiele» vor – welche das Bild einer modernen, zukunftsorientierten Schweiz in die Welt hinaustragen sollen. «Vielerorts wird unser Land immer noch auf Käse und Uhren reduziert», sagt Wieland.

Das Konzept für die Kandidatur 2026 soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Dabei will sich das Projektteam an den Richtlinien für eine neue Schweizer Olympiakandidatur orientieren, welche Swiss Olympic bis Anfang 2016 vorlegen will. An politischem Support fehlt es nicht: Das Bündner Parlament beschloss am Mittwoch, die Wirtschaftsvertreter bei der Ausarbeitung des Projekts zu unterstützen – gegen den Widerstand von linker Seite.

Konkurrenz aus dem eigenen Land

Auch im Wallis ist die Durchführung Olympischer Winterspiele ein Thema. Die dortige Kantonsregierung unterstützt das von Christian Constantin, dem Präsidenten des FC Sion, lancierte Projekt einer Kandidatur. Swiss Olympic dürfte im November 2016 entscheiden, ob eine Schweizer Bewerbung für 2026 eingereicht wird. Die Vergabe durch das IOC erfolgt im Juli 2019.

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