Apropos
In einer anderen Sphäre: Die Landung auf dem beeindruckenden Planeten Tennis

Sebastian Wendel
Sebastian Wendel
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Liegt das Geheimnis vom Tennis in der Schönheit des Spiels?

Liegt das Geheimnis vom Tennis in der Schönheit des Spiels?

Keystone

Zugegeben: Gestern war mein erstes Mal. Nicht bei den Swiss Indoors. Nein, gestern war ich das erste Mal überhaupt in meinem Leben an einem Tennisturnier. Um es vorwegzunehmen: Ich gehe heute wieder hin. Und zwar gerne.

Doch zurück zu gestern: In den Tagen zuvor und noch während der Fahrt nach Basel warnen mich die Kollegen: Das Tennis ist eine andere Welt, die Tenniswelt hat ihre eigenen Gesetze. Was das wohl heisst? Immerhin: Vorausschauend habe ich mir bereits am Morgen vor dem Kleiderschrank Gedanken gemacht und statt T-Shirt ein Hemd angezogen. Dass Tennis der Sport der Elite sei, habe ich irgendwann mal gehört.

Die ersten Minuten nach der Ankunft in der St. Jakobshalle bestätigen denn auch dieses Klischee: Bis meine Akkreditierung endlich um den Hals hängt, tausche ich zweimal ein Dokument gegen das nächste. Und laufe dafür dreimal quer durch die Katakomben. Ich frage mich: Wo noch ist der Weg zur Akkreditierung so aufwendig? Im Weissen Haus vielleicht? Ich war doch schon in vielen Stadien – meist reicht das Zücken des Ausweises und schon sitzt man auf der Tribüne.

Marco Chiudinelli blickt in eine andere Welt - die Tennis-Welt.

Marco Chiudinelli blickt in eine andere Welt - die Tennis-Welt.

Keystone

Im Mediencenter staune ich über das Interieur: Roter Teppich. Blaue und weisse Vorhänge. Schneeweisse Möbel. An jeder Ecke eine schön frisierte Palme. Momoll! Mir wird gesagt, das liege an einem der Leitsätze der Swiss-Indoors-Macher – Liebe bis ins Detail. Zumindest bis zur WC-Türe: Denn dahinter prangen Sätze und Flüche an den Wänden, die ich hier beim besten Willen nicht wiedergeben kann.

Beim Gang durchs Foyer fällt auf: Auch die Zuschauer haben sich herausgeputzt. Verwaschene T-Shirts, zerrissene Jeans, löchrige Schuhe? Im Fussballstadion: ja! Beim Tennis: Todsünde! Also muss nochmals der Konfirmationsanzug herhalten, wenn seither kein neuer dazukam. Schön schräg.

Warum das alles? Ganz einfach: Es muss an der Schönheit des Spiels liegen. Tennis live im Stadion zu erleben, ist noch faszinierender, noch spannender als auf dem Sofa vor dem TV. Auf der Heimfahrt lehne ich zurück und frage mich: Warum nur habe ich so lange gewartet mit dem ersten Besuch auf dem Planeten Tennis?