Alle paar Jahre, wenn eine neue Ausschreibung der Rechte für die Berichterstattung über die Fussball-Bundesliga bevorsteht, erhebt Karl-Heinz Rummenigge die Stimme und fordert mehr Geld. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München will unbedingt langfristig mit den grössten Klubs des Kontinents mithalten, «wir haben mit grosser Mühe einen Status in Europa aufgebaut, diese Rolle werden wir nicht aufgeben», sagt er in einem Interview mit dem «Kicker» und fordert ab 2017, «mehr Seriosität und Gerechtigkeit in den Verteilermechanismus einzuführen.»

Verteilerschlüssel soll umgestaltet werden

Bisher wird das Fernsehgeld alleine nach dem sportlichen Abschneiden während der vergangenen fünf Jahre verteilt, diskutiert wird nun über die Einführung weiterer Faktoren: Einschaltquoten des jeweiligen Klubs im Bezahlfernsehen beispielsweise oder die Auslastung des eigenen Stadions, und mittlerweile finden viele andere Erst- und auch einige Zweitligisten solche Veränderungen ziemlich verlockend.

Wahrscheinlich ist daher, dass am heutigen Mittwoch bei der Mitgliederversammlung der Vereine und Kapitalgesellschaften des Ligaverbands eine Arbeitsgruppe gebildet wird, die mögliche Varianten einer Umgestaltung des Verteilerschlüssels entwickelt. Das ist der einfache Teil der Debatte. Im Hintergrund tobt aber ein weiterer Kampf, der schon lange eher leise geführt wird und den der FC St. Pauli mit seinem provokanten Antrag auf eine grosse Bühne gehoben hat.

Die Hamburger haben vorgeschlagen, in einem neuen Verteilschlüssel die sogenannten Investorenklubs, die aufgrund einer Ausnahmegenehmigung gegen die 50+1-Regel verstossen, von der Verteilung der TV-Gelder auszuschliessen.

Investoren abschrecken

Die Idee besteht darin, mögliche Investoren abzuschrecken, indem Klubs, die von der 50+1-Regel ausgenommen sind, spürbar weniger TV-Geld bekommen. Das schreckt Investoren ab, die natürlich kalkulieren und an die Fleischtöpfe des Fussballs heranwollen, und der dickste Topf ist der mit dem TV-Geld.

Rettig fordert die Erst- und Zweitligisten daher auf, «die Stimme zu erheben und zu sagen: Wir bekennen uns zu 50+1», was in der Konsequenz hiesse, die Investorenklubs im neuen Verteilschlüssel zu benachteiligen. Denn wenn 50+1 tatsächlich vor einem Gericht kippt, dann ist die Verteilung der TV-Gelder die einzige Möglichkeit, Mehrheitsübernahmen von immer mehr Investoren unattraktiv zu machen.

50+1 werde «immer weiter ausgehöhlt» sagt Rettig, und «wenn fremde Dritte immer mehr Einfluss nehmen, dann haben wir keinen guten Weg».

Stecken andere Interessen dahinter?

In der Öffentlichkeit teilen fast alle Bundesligafunktionäre diese Haltung, in Wahrheit jedoch liebäugelt so mancher Klub mit den finanziellen Möglichkeiten, die sich mit dem Verkauf von Anteilsmehrheiten eröffnen würden. «Mit der Hilfe von Investoren bietet sich für viele Vereine die einzige Möglichkeit, die grosse Kluft zu den international spielenden Vereinen zu verringern und national mehr Wettbewerbsfähigkeit im Kräfteverhältnis mit dem FC Bayern zu ermöglichen», spricht der ehemalige Trainer und Manager Felix Magath im «Express» offen aus, was viele denken.

Rettig hält dagegen, dass bei Investoren fast immer «andere Interessen dahinter stecken als der Sport», ein Geldgeber will schliesslich Rendite und der Blick nach England zeige, «wie viele Vereine dort investorengetrieben Verluste machen».

Die Frage, ob Investorenklubs künftig im Verteilerschlüssel schlechter gestellt werden, ist daher viel existenzieller für den deutschen Profifussball als neue Regelungen, welche die zweite Liga künftig nicht mehr an weiteren Einnahmesteigerungen beteiligen oder den Traditionsvereinen aufgrund hoher Einschlagquoten einen grösseren Teil des Kuchens zuteilen.