FIFA-Skandal
"In den USA würde man ein SWAT-Team aufbieten" – das lief im Baur au Lac

Die zwei Journalisten der New York Times, die während des Polizeieinsatzes im Zürcher Hotel Baur au Lac vor Ort waren, schildern ihre Eindrücke aus der Hotellobby.

Raphael Biermayr
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Fifa-Funktionäre werden bei einem Seiteneingang des Nobelhotels Baur au Lac in Zürich abgeführt.

Fifa-Funktionäre werden bei einem Seiteneingang des Nobelhotels Baur au Lac in Zürich abgeführt.

Keystone

Es wird kein Zufall gewesen sein, dass sich zum Zeitpunkt der dramatischen Ereignisse am frühen Mittwochmorgen zwei Journalisten der «Times» in der Lobby des Nobelhotels Baur au Lac aufgehalten haben.

Michael S. Schmidt und Sam Borden schildern in einem fesselnden Artikel auf der Homepage der renommierten Zeitung, was ab kurz vor 6 Uhr vor sich ging. Nachfolgend einige Auszüge daraus.

Der Anruf des Concierges

«Mehr als ein Dutzend Polizeibeamte in Zivilkleidung betraten das Hotel durch den Haupteingang und gingen direkt zur Rezeption. Plötzlich war das ehrwürdige Baur au Lac in einen Tatort verwandelt. Der Concierge machte einen Anruf und sagte: Sir, bitte kommen Sie zur Tür und öffnen Sie, andernfalls müssen wir sie eintreten.»

Die Journalisten ziehen einen Vergleich zu den USA, wo für solche Einsätze die schwerbewaffneten und gepanzerten SWAT-Teams eingesetzt würden.

Sie streichen den «subtilen Ansatz» heraus, den die Schweizer Beamten wählten bei ihrem Vorgehen. Diese warteten vor der Tür und «gaben den Männern die Möglichkeit, sich anzuziehen und ihre Koffer zu packen».

Ein Polizeiauto vor dem Hotel Baur au Lac in Zürich.
17 Bilder
Die Funktionäre wurden am Mittwoch im Hotel Baur au Lac von der Polizei abgeführt.
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Auch sie wurden vor der Aktion der Behörden überrascht: Fifa-Delegierte vor einem Hotel in Zürich.
Journalisten arbeiten wo sie können.
Mitarbeiter des Hotels Baur au Lac versuchen die Fifa-Funktionäre bei der Verhaftung vor neugierigen Augen zu schützen.
Eduardo Li - Präsident des Fussbalverbandes von Costa Rica und Exekutivmitglied der Fifa.
Steht auf der Anklageschrift der US-Behörden: Nicolàs Leoz (rechts) - ehemaliger Präsident des Kontinentalverbands südamerikanischer Fussballverbände (CONMEBOL)
José Maria Marin - Präsident des brasilianischen Fussballverbands
Jeffrey Webb - Der Präsident der Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation (CONCACAF).
Gemäss Bundesamt für Justiz soll es um Zahlungen in der Höhe von über 100 Millionen Dollar gehen.
Steht auf der Anklageschrift der US-Behörden: Jack Warner – ehemaliger Fifa-Vize-Präsident und ehemaliger Präsident Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation (CONCACAF)
Eugenio Figueredo - uruguayiuscher Fussballfunktionär und Mitglied des Exekutivkomitees

Ein Polizeiauto vor dem Hotel Baur au Lac in Zürich.

Keystone

Polizei verstösst gegen das Strassenverkehrsgesetz

Sie beobachten, wie der Costa-Ricaner Eduardo Li durch die Lobby geführt und in ein Auto gebeten wird, das nicht als Polizeiwegen zu identifizieren ist. «Es überfuhr ein Rotlicht, als es den Ort des Geschehens verliess.»

Nachdem die weiteren Verhafteten aus dem Hotel geführt wurden («vorbei an einem grossen Ölgemälde, während die Hotelangestellten Kronleuchter polierten und Staub saugten») kehrte für einem Moment Ruhe ein im Baur au Lac. Später seien private Sicherheitsleute aufgetaucht, um das Hotel vor Neugierigen und Medienleuten abzuschirmen.

Eine Angehörige weint

«Drinnen kamen die Frauen und Freundinnen der Verhafteten zusammen. Sie drängten sich in einer Lounge um einen Fernseher, um die Pressekonferenz der Fifa anzusehen. Als der Pressesprecher von einem ‹guten Tag› für die Fifa sprach, fing eine an zu weinen.»

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