In China ist der Fussball-Wahnsinn ausgebrochen. Die Vereine schmeissen mit Millionen um sich, um die Stars aus dem Westen ins Reich der Mitte zu locken. Dem Ruf des Geldes sind in den letzten Tagen und Wochen zahlreiche grosse Namen erlegen: So soll Carlos Tevez (32) nach seinem Wechsel von den Boca Juniors zu Shanghai Shenhua rund 40 Millionen Euro pro Jahr kassieren.

Der 25-jährige Brasilianer Oscar wechselte für über 70 Millionen Euro von Chelsea zu Shanghai SIPG. Er soll jährlich mehr als 20 Millionen Euro verdienen. Aber auch Trainer wie Felix Magath (Shandong Luneng), Fabio Cannavaro (Tianjin Quanjian) oder Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari (Guangzhou Evergrande) konnten der Verlockung nicht widerstehen.

Verantwortlich für den Irrsinn ist mitunter Chinas Präsident Xi Jinping. Er ist bekennender Fussball-Fan, sagte kurz nach seinem Amtsantritt 2013: «Ich hoffe, dass Chinas Fussballklubs einmal zu den weltbesten gehören.» Seine Worte stiessen auf offene Ohren bei den Klubbossen. Lu Zhiyuan, Gründer des Chinese Football Research Institute in Peking, sagt: «Xis Bemerkungen haben die Investoren zu hohen Ausgaben animiert.» Allein im Jahr 2016 haben die chinesischen Klubs 540 Millionen Euro ausgegeben, um 95 ausländische Spieler zu ködern, wie Chinas «Volkszeitung» berichtet.

Der Irrsinn hat in den vergangenen Tagen ein solches Ausmass angenommen, dass sich Chinas Sportbehörde gezwungen sah, zu intervenieren. Die Klubs würden nur «Geld verbrennen, wird sie von «Spiegel Online» zitiert.

Die Millionen aber sind längst in Europa angekommen und haben den Markt nach den englischen TV-Millionen zusätzlich angeheizt. Doch davon hat die Schweiz bisher reichlich wenig zu spüren bekommen. Hierzulande ist es derzeit schon fast verdächtig still (siehe Tabelle). Die meisten Vereine sind eher am Abbauen, denn am Aufrüsten.

Das abstiegsgefährdete Lugano bildet die grosse Ausnahme. Auffällig ist insbesondere, dass bei den finanziell stärksten Klubs aus Basel und Bern bisher noch gar keine Transfers verzeichnet sind. FCB-Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Es ist derzeit tatsächlich sehr, sehr ruhig in der Schweiz.» Diesen Eindruck teilt YB-Sportchef Christoph Spycher: «Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass es in der Super League im Winter weniger Transfers gibt als früher. Sicher hängt dies damit zusammen, dass die meisten Klubs sparen müssen.»

Der Domino-Effekt

Allerdings könnte es gut sein, dass dies die berühmte Ruhe vor dem Sturm ist. Georg Heitz sagt: «Bis jetzt haben sich die Millionen aus China kaum auf den europäischen Markt ausgewirkt. Aber das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten mit Sicherheit ändern. Dann wird auch Dynamik in die kleineren Ligen kommen.»

Christoph Spycher zieht es sogar in Betracht, dass chinesische Klubs Spieler aus der Super League weglocken könnten. Selbst wenn dem nicht so sein sollte, könnte der hiesige Markt in den kommenden Tagen und Wochen Schwung aufnehmen. Denn kommt mal Bewegung rein, kann es ganz schnell gehen. Eine Art Domino-Effekt. So läuft es oft im Fussball.

Auf dem falschen Fuss würde der FCB selbst dann nicht erwischt. Rund um Chefscout Ruedi Zbinden beschäftigt der FCB rund ein halbes Dutzend Scouts, die den nationalen und internationalen Markt beobachten. «Wir müssen jederzeit mit einem Abgang rechnen und haben auf jeder Position schon einen Spieler im Auge, den wir bei Bedarf versuchen würden zu uns zu holen», sagt Georg Heitz.

Auch er selbst ist ständig in Kontakt mit verschiedensten Beratern. Gerade hier in Marbella. Selten sieht man ihn ohne Handy am Ohr. Er pflegt Kontakte, führt informelle Gespräche. Denn selten ist Fussball-Europa so nah beieinander. Im Umkreis von 50 Kilometern trainieren rund 20 Spitzenteams. Die Agenten sind in Scharen hier. Das Geld lockt sie an. Und davon ist im europäischen Fussball derzeit jede Menge vorhanden. Gerade auch dank China. Der Wahnsinn wird auch uns ergreifen.