Die Major League Soccer is back. Gut zweieinhalb Monate nach dem erstmaligen Triumph von Atlanta United in der nordamerikanischen Profiliga startet diese heute Samstag mit der Partie Philadelphia gegen den FC Toronto in ihre 24. Saison.

Diese Zahl passt zur Anzahl Mannschaften, welche mittlerweile dabei sind. Das 24. Team stellt der FC Cincinnati mit dem Schweizer Leonardo Bertone. Drei Klubs der Liga kommen aus Kanada, der Rest ist in den USA beheimatet. Die namhaftesten Spieler sind weiterhin Zlatan Ibrahimovic (Los Angeles Galaxy), Wayne Rooney (DC United, Washington) sowie Bastian Schweinsteiger (Chicago Fire).

In Europa wird die MLS noch immer belächelt und als Auffangstation für alternde Stars wahrgenommen. «Total zu Unrecht!», sagt Jérôme Thiesson, der die vergangenen zwei Jahre bei Minnesota United verbracht hat.

Der 31-Jährige sagt dies nicht allein deshalb, weil ihm und seiner Frau das Leben in Minneapolis ausnehmend gut gefallen hat. Thiesson, in der Schweiz ein etablierter Super-League-Spieler, hatte nach seinem Wechsel zünftig Gas geben müssen, um sich in der MLS zu behaupten.

Jérôme Thiesson spielte vor seinem Abstecher in die MLS beim FC Luzern.

Jérôme Thiesson spielte vor seinem Abstecher in die MLS beim FC Luzern.

«Ich war mehr als nur gefordert», sagt der Rechtsverteidiger, der nach seiner Rückkehr in die Heimat nun für den FC Rapperswil-Jona in der Challenge League spielt, ehe er sich im Sommer dem FC Aarau anschliessen wird. Ihn beeindruckte in Amerika vor allem die physische Topverfassung der Spieler. «Die gehen alle ab wie ein Töff», sagt Thiesson.

Auch er hatte gelesen, dass Blerim Dzemaili als damaliger Spieler von Montreal in einem Interview gesagt hatte, der FC Basel wäre der einzige Schweizer Klub, der in der MLS mithalten könnte. Thiesson denkt, Dzemaili habe nicht besonders stark übertrieben.

Er sagt: «Vier oder fünf Teams könnten den besten zwei Schweizer Klubs Paroli bieten.» In taktischer Hinsicht seien die Nordamerikaner allerdings nicht so gut ausgebildet. Thiesson weiss auch warum: «Die Nachwuchsförderung steckt noch in den Kinderschuhen.» Diese findet weiterhin in den Colleges statt. Erst ganz sachte machen sich die Klubs daran, eigene Akademien aufzubauen.

Zugpferde wie Ibrahimovic

Die Philosophie, europäische Stars wie Ibrahimovic als Zugpferde nach Nordamerika zu locken, gefällt Thiesson. «Ich sehe da nichts Negatives. Im Gegenteil: Solche Ausnahmespieler sind für die Klubs ein Sechser im Lotto und füllen die Stadien.»

In Minnesota kamen im Schnitt 23 000 Fans. Er selber hat erlebt, was für eine Rakete der Spanier David Villa vom FC New York City trotz fortgeschrittenen Alters noch ist. «Diese Stars haben eine Topmentalität», sagt Thiesson. Die Idee, man könne in der MLS locker noch etwas weiterkicken und dabei eine Menge Geld verdienen, verweist er ins Reich der Fabeln.

Zlatan Ibrahimović gehört zu den Zugpferden der MLS.

Zlatan Ibrahimović gehört zu den Zugpferden der MLS.

«Löhne waren selten ein Thema»

Apropos Geld. Wie in den anderen Topsportarten in Amerika werden auch im Fussball die Löhne offengelegt. Für Schweizer eine äusserst gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Thiesson aber sagt: «Damit hatte ich kein Problem.» Er habe sich immer darüber gefreut, wenn wieder eine neue Gehaltsliste veröffentlicht worden sei.

Er sagt indes auch: «Natürlich, wenn man sich zuunterst auf dieser Liste wiederfindet, ist es vielleicht nicht so lustig.» Er selber stand diesbezüglich mit einem Lohn von 219 166.67 Dollar im Mittelfeld seines Teams.

Er habe nie beobachtet, dass die offen gelegten Saläre zu Neid oder gar Zwietracht innerhalb der Mannschaft geführt hätten. «In der Kabine waren die Löhne nur selten ein Thema», sagt Thiesson. «Vielleicht gab es im Training mal einen lockeren Spruch, wenn ein fürstlich bezahlter Spieler hoch über das Tor schoss.»

Man könnte dem Zürcher noch stundenlang zuhören, wenn er voller Begeisterung über die «zwei besten Jahre seines Lebens» spricht. Nicht bloss, weil er in dieser Zeit erstmals Vater wurde. Er genoss die langen Reisen wie nach Vancouver, New York, Los Angeles und Chicago. Weil diese manchmal vier Tage dauerten, bekam er einiges zu sehen.

Er schwärmt davon, wie gut die Vermarktung der MLS sei, wie friedlich die Fankultur und wie gross die Begeisterung. Thiesson ist sich sicher: «Wenn die Nachwuchsförderung nun energisch angepackt und umgesetzt wird, dann werden die USA in 15 Jahren eine Top-Fussballnation sein.»