David: Ich versichere euch: Das ist die Wende!

Pius: Wende? Das Auto steht in der Garage, du brauchst nicht zu wenden? Oder wendest du dich von uns ab? Oder hast du vor, dich an eine höhere Macht zu wenden?

David: Nein. Ich meine die Schweizer Fussballmeisterschaft.

Flavio: Sprichst du vom Abstiegskampf und vom Steigerungslauf des FC Sion?

David: Nein, ich rede vom anderen Pol der Tabelle. Ein Punkt in Lausanne – das ist die Wende.

Tobias: Gewiss. Erst recht, wenn die Basler erst kurz vor Schluss das 1:1 kassieren. Von wegen Wende: so etwas Abenteuerliches habe ich noch selten gehört.

François: Willst du uns veräppeln?

David: Nein. Aber endlich haben sie sich in Basel wieder lieb. Und das, obwohl der FCB die grösste Krise der letzten – was weiss ich – 17 Jahre erlebt. Die Lokalzeitung polemisiert nicht. Die Fans revoltieren nicht. Im Unternehmen schiebt man sich nicht gegenseitig die Verantwortung für die Misere zu. Es werden keine Köpfe gefordert.

Heckenschützen, falls es sie überhaupt gibt, haben keine Plattform. Nein, man steht zusammen. Sucht gemeinsam den Weg aus dem Tal der Tränen. Das ist wahre Grösse. Und deshalb glaube ich an die Wende. Vielleicht erleben wir die Wende nicht mehr in dieser Saison, aber sicher irgendwann in der Zukunft.

Flavio: Wann auch immer diese Zukunft beginnt. Dass kaum Kritik laut wird, hat verschiedene Gründe. Einerseits war es clever von der neuen Führung, vor der Saison immer wieder das Wort Umbruch zu bemühen, was im Krisenfall eine mildernde Wirkung hat.

Aber, wenn wir ehrlich sind, lassen Transferaktivitäten wie die Rückholaktionen von Stocker und Frei nicht auf einen Umbruch schliessen. Ausserdem glaube ich, dass die aktuelle Krise plausibler ist als Phasen in der Vergangenheit, in denen es harzte.

Pius: Wie meinst du das?

Flavio: Egal ob der Trainer Fischer, Sousa oder Yakin hiess: Ständig wurde rumgemäkelt. Warum? Weil Basel nicht besonders attraktiv spielte, aber erfolgreich war. Die Kombination unattraktiv und erfolgreich ist widersprüchlich, irgendwie suspekt und kann offenbar irritieren. Die aktuelle Situation indes ist einfacher, fassbarer, logischer: unattraktiv und erfolglos.

David: Aber du glaubst doch wohl nicht, dass eine Kombination der Widersprüche die Basler intellektuell überfordert?

Flavio: Nein, das gilt nicht pauschal.

David: Aber?

François: Nichts aber. Reden wir doch nicht um den heissen Brei: Urs Fischer muss bei seiner Präsentation als FCB-Trainer lesen, dass er bei Teilen der Fans unerwünscht ist. Er wird zweimal souverän Meister, aber man wirft ihm Beamtenfussball vor. Mit Murat Yakin erlebt der FCB die erfolgreichste Zeit im Europacup, trotzdem wird er öffentlich fast permanent kritisiert.

Und heute? Kein Wort gegen den Trainer. Versteht mich nicht falsch. Ich finde nicht, man sollte Wicky entlassen. Aber der Support von heute steht in einem krassen Missverhältnis zur Ablehnung von gestern.

David: Das meine ich. Sie haben in Basel aus den Fehlern gelernt. Ein gut aussehender, eloquenter Sympathieträger aus dem Wallis, dazu bekannt aus dem Fernsehen, hat mehr Kredit als ein Ur-Zürcher, der nicht mal Teleclub-Experte sein darf.