Beat Feuz und seine Kumpels von Swiss Ski zotteln gleich nach der Zieldurchfahrt von Dario Cologna aus dem Langlauf-Stadion. Die doppelte Gold-Party ist vorerst abgesagt. Der Champagner im Schweizer Haus wandert zurück in den Kühlschrank, die Tischbomben bleiben im Schrank.

Feuz wird vom Wind gestoppt, die Abfahrt auf Donnerstag verschoben. Cologna wird von bärenstarken und cleveren Norwegern ausgebremst, die eigenen Ambitionen auf Freitag vertröstet.

Die kühnsten Träume der Sportfans erfüllen sich also nicht. Die Schweizer Delegation steigt nicht mit zwei Olympiasiegern ins Fest der fünf Ringe. Die Fans am Montagmorgen höchstens mit zwei Ringen unter den Augen in die Arbeitswoche.

Wie eine Initialzündung fühlt sich das nicht an. Die Kohlen müssen jetzt vorerst andere aus dem Feuer holen. Oder man wartet auf die zweite Chance der beiden Galionsfiguren des Schweizer Wintersports. Sie bleiben nach dem gestrigen Eindruck bei Dario Cologna skeptisch?

Cologna-Fans: "Dario wird sicher enttäuscht sein."

Cologna-Fans: «Dario wird sicher enttäuscht sein.»

Die Norweger wie das Team Sky im Radsport

Kennen Sie Fabian Cancellara? In den grossen Frühlingsklassikern im Radsport war er eine sichere Bank. Doch je stärker der Schweizer fuhr, desto mehr äugten die anderen Fahrer auf ihn. Der Sieg führte in der Folge immer öfter über die Taktik, den Schweizer aus dem Spiel zu nehmen.

Diese Taktik wandten am Sonntag im Skiathlon erfolgreich auch die norwegischen Langläufer bei Cologna an. Man liess ihn auf den ersten 15 Kilometern in der klassischen Technik im Wind, man attackierte im Skatingteil wechselweise und perfid mehrmals im Augenblick, als sich Cologna gerade verpflegte. Offensichtlich war der dreifache Olympiasieger bei den Skandinaviern als Gegenspieler Nummer 1 deklariert worden.

Die norwegische Teamleistung erinnert – um beim Vergleich mit dem Radsport zu bleiben – an die grossen Auftritte von «Sky» an der Tour de France. Dort dominierte diese Equipe die Gegner ebenfalls nach Belieben. Ein letzter Vergleich: Wie bei Sky-Leader Chris Froome gibt es auch bei den norwegischen Langläufer nimmer wieder Diskussionen über den Einsatz des Asthmamittels Salbutamol an der Grenze der zumindest ethischen Toleranz.

Braucht keine Bestätigung mehr

Was muss sich Dario Cologna vorwerfen? Er hat schlecht gepokert beziehungsweise in einem Fall gar nicht. Sein grandioser Sieg beim letzten Wettkampf vor Olympia in Seefeld brachte den Konkurrenten mindestens ebenso viele Erkenntnisse wie ihm selber.

Beim ersten Olympia-Einsatz in Pyeongchang ohne Medaille: Dario Cologna

Beim ersten Olympia-Einsatz in Pyeongchang ohne Medaille: Dario Cologna

Nach dem Erfolg an der Tour de Ski brauchte Cologna eigentlich keine Bestätigung mehr, dass er bereit ist. Sein unwiderstehlicher Antritt im Aufstieg vor dem Ziel lieferte letztlich den Steilpass zur norwegischen Taktik für das Olympiarennen.

Dario Cologna beklagte am Sonntag am Ziel, dass er sich in der Schlussphase müde gefühlt habe. Vor allem im Oberkörper, in der Regel keine Problemzone beim 31-Jährigen, schwand die Kraft. Seine vordergründige Ratlosigkeit über die fehlende Energie wird sich legen, sobald er das Rennen analysiert hat. Cologna lief bei den vorherrschenden Bedingungen schlicht zu aktiv und kräfteraubend, während sich die Norweger in seinem Windschatten ausruhten.

Vielleicht setzte der Schweizer taktisch deshalb aufs falsche Pferd, weil ein schweres Rennen die grösste Chance bot, dem bisherigen Saisondominator Johannes Hösflot Klaebo die überragende Endschnelligkeit aus dem Körper zu jagen. Dies gelang zwar – Klaebo wurde nur 10. –, kostete aber einen zu hohen Preis.

Am Freitag ist alles anders. Über 15 Kilometer Skating gibt es keine norwegische Teamtaktik. Beim Einzelstart läuft jeder alleine. Da zählt, wer über die gesamte Distanz ein möglichst hohes und gleichmässiges Tempo anschlagen kann. «Und das kann Dario», sagt sein Trainer Ivan Hudac.

Darüber, dass sein wertvollstes Pferd im Stall doch nicht in Topform sein könnte, verliert der Slowake keinen Gedanken. Dario Cologna wird am Freitag bereit sein. Setzen Sie also wieder auf ihn! Ein letztes Argument? Fabian Cancellara gewann sein letztes grosses Rennen ebenfalls dank Einzelstart – bei Olympia notabene.