Super League

Im Kampf gegen das Ungewisse: GC vor dem Spiel der letzten Hoffnung

Die Grasshoppers blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Es scheint sie zu lähmen, während Xamax von Erfolg zu Erfolg stürmt.

Vor der Saison liebäugelte GC mit den Europacup-Plätzen. Die Realität sieht anders aus. Im heutigen Spiel auswärts gegen Xamax geht es für die Zürcher um alles. Mit einer Niederlage wäre der Abstieg so gut wie sicher.

Eigentlich ist Uli Forte in einer privilegierten Situation. Denn wenigstens weiss er, wie es weitergeht im Sommer. Unabhängig davon, ob GC den Ligaerhalt nun schafft oder nicht, Forte bleibt Trainer. Ganz anders die Situation für viele Spieler: 13 Verträge laufen aus.

Darunter auch jener von Leistungsträger Heinz Lindner oder die der Bundesliga-Söldner Yoric Ravet und Caiuby. Wer bleiben kann, muss mit Lohneinbussen von bis zu 50 Prozent rechnen, wie der «Blick» unter der Woche schrieb.

«Für die Spieler ist es eine Scheiss-Situation», sagt Forte, «jeder Mensch braucht eine gewisse Gewissheit. Aber das Einzige, das uns hilft, sind gute Leistungen, Siege.» Sechs Runden vor Saisonende beträgt der Rückstand von GC auf Xamax – und damit auf den Barrageplatz – neun Punkte.

Spiel der letzten Hoffnung

Am Samstagabend steht für die Hoppers das Spiel der letzten Hoffnung an. In Neuenburg. Zu Gast bei Xamax. «Wir müssen unbedingt gewinnen», sagt Forte. Jedes andere Resultat würde den Abstieg praktisch besiegeln. Das sagt er zwar nicht so, aber er weiss es.

Erst seit zwei Spielen steht Uli Forte beim akut abstiegsbedrohten Rekordmeister an der Linie. Die Situation war prekär, als er von Kurz-Trainer Tomislav Stipic übernahm. Forte hat sich einen langjährigen Vertrag bis 2021 ausbedungen. Seine Situation ist geregelt. Steigen die Hoppers erstmals seit 1957 wieder ab, soll Forte sie postwendend wieder in die höchste Liga zurückführen. So wie er das vor zwei Jahren mit dem FC Zürich gemacht hat.

Das Wunder von Neuenburg

Schon bei seinem ersten GC-Intermezzo hat Forte bewiesen, dass er eine Mannschaft, die am Boden ist, vorzüglich aufzupäppeln weiss. Nur dank dem Xamax-Konkurs und Sions 36-Punkte-Abzug stiegen die Hoppers im Sommer 2012 nicht ab. Eine Saison später stürmten sie unter Forte auf den 2. Platz und zum Cupsieg.

Natürlich fokussiert Forte sich und seine Mannschaft nur auf dieses eine Ziel, den Ligaerhalt. Zugleich wird im Hintergrund die kommende Saison geplant. «Zweigleisig», wie Forte sagt. Wie gross die Chancen auf einen Ligaerhalt sind, darüber will er nicht spekulieren. Klein, da sind sich Experten einig. Das liegt vor allem auch an Xamax.

Seit Ex-Nationalspieler Stéphane Henchoz die Neuenburger Anfang Februar übernahm, sind sie defensiv viel stabiler geworden. Damals lagen sie mit 13 Punkten am Schluss der Tabelle (vier Punkte hinter GC). 19 Punkte haben sie aus den letzten elf Partien geholt. Zwar liegen sie noch auf einem Barrageplatz, zugleich haben sie mehr Vorsprung auf den Letzten (9 Punkte auf GC) als Rückstand auf den Dritten aus Thun.

Ungewissheit bei Xamax

Das ist mehr als erstaunlich. Denn bloss anderthalb Monate, nachdem Henchoz Cheftrainer wurde, gab Xamax bekannt, dass er im Sommer von YB-Nachwuchstrainer Joël Magnin abgelöst werde. Henchoz gesteht, dass er sich kurzfristig überlegt habe, hinzuschmeissen. «Aber die Spieler haben mich mit ihrer Einstellung, ihrem Willen umgestimmt», sagt er. In einem Monat ist seine Zeit bei Xamax vorbei. Wie es weitergeht, weiss er nicht.

Mit dieser Ungewissheit müssen auch etliche Xamax-Spieler leben. Wie viele Verträge auslaufen, will der Klub nicht kommentieren. Laut «transfermarkt.ch» sind es 21 von 27, wobei sechs eine einjährige Verlängerungsoption beinhalten. Henchoz: «Die Situation war kompliziert, als ich übernahm, und wurde noch komplizierter, als man meinen Vertrag terminierte. Aber wir sassen und sitzen alle im gleichen Boot. Wir haben alle das gleiche Ziel, die Saison gut zu beenden.»

Während bei den Hoppers die Erwartungen hoch waren, wussten die Neuenburger, dass sie gegen den Abstieg kämpfen werden. Vielleicht tun sich die Zürcher auch deshalb schwerer mit der momentanen Situation. Und während GC vor dem Abstieg zittert, könnte Xamax gar noch die europäischen Plätze ins Visier nehmen. Bloss fünf Punkte liegt man hinter Platz vier.

Henchoz aber sagt: «Fans und Medien schauen nach oben. Aber uns bringt das nichts. Im Moment haben wir die Barrage, es gibt keinen Grund zur Euphorie.»

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