Hinter den Kulissen
Ihm vertrauen die Tennisstars – Misel Milovanovic bespannt an den Swiss Indoors die Rackets

In der Rubrik «Hinter den Kulissen» stellen wir jeden Tag Personen vor, die an den Swiss Indoors Grosses leisten.

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Misel Milovanovic: Racketbespanner.

Misel Milovanovic: Racketbespanner.

Zur Verfügung gestellt

Sein Arbeitsplatz ist nicht irgendwo in den Katakomben, sondern da, wo Unternehmen ihre Ware an den Mann bringen und Imbissstände für das leibliche Wohl der Zuschauer sorgen: Im «Speckgürtel» der neuen St. Jakobs-Halle. Er fällt hier nicht auf und er wirkt auch nicht wie einer, der mehr zu diesem Turnier gehört als ein Getränkestand. Denn Misel Milovanovic ist auf Du und Du mit den Spielern. Ihm vertrauen sie ihr wichtigstes Instrument an: das Racket.

Mit flinken Händen erledigt er seine Akkordarbeit. Bis zu zwanzig Rackets bespannt er pro Tag neu. Rund 12 Minuten braucht er pro Exemplar. Jeder Handgriff sitzt. Daneben referiert der Baselbieter über Schlägerhärten, Kunst- und Darmsaiten, Muster. Misel Milovanovic ist schon lange im Geschäft, seit 18 Jahren. Er kennt die Vorlieben der Stars. Unkompliziert sei es mit Rafael Nadal gewesen. «Er lässt sich vor dem Spiel vier Schläger präparieren, während dem Match dann noch drei bis vier dazu.»

Vier Kilometer Saiten

Etwas komplizierter war es mit Roger Federer. «Früher wollte er jede einzelne Saite mit anderem Gewicht bespannt haben. Innen hart, nach aussen immer weicher, Darm- und Kunstsaiten gemischt», erklärt der Allschwiler. Heute habe sich Federer aber auf 26 bis 27 Kilo eingependelt. Das klingt alles ziemlich kompliziert, «ist es aber nicht», versichert Misel Milovanovic, «es ist ein Handwerk.» Seine Hände haben von der Arbeit Schwielen und Hornhaut. Kein Wunder: Sein Team bespannt während der Swiss Indoors etwa 350 Rackets, für jedes einzelne werden elf Meter Saiten benötigt, oder vier Kilometer.

Milovanovic ist ein Reisender im Zeichen des Filzballs. Auch in Wimbledon bespannte er schon Rackets, von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend, für einen Tageslohn von 115 Pfund. In Basel aber arbeitet Misel Milovanovic auf eigene Rechnung. Seit zehn Jahren betreibt er im Tenniscenter Paradies in Allschwil seinen eigenen Tennisshop.