American Football

«Ich will in die NFL»: Aargauer Football-Talent möchte in den USA durchstarten

Bei den Coweta Tigers startete Alessandro Cairati sein Football-Abenteuer in den USA.

Bei den Coweta Tigers startete Alessandro Cairati sein Football-Abenteuer in den USA.

Der 16-jährige, 130 Kilogramm schwere Footballspieler Alessandro Cairati hat sich grosse Ziele gesetzt: Mit guten Leistungen an der High School möchte er sich einen Platz in einem D1-College-Team erkämpfen, um so weiter von der NFL träumen zu dürfen. Dabei erhält er Unterstützung von einem Ex-NFL-Spieler.

Wenn am kommenden Donnerstag die neue NFL-Saison beginnt, dann wird einer ganz bestimmt genau hinschauen: Alessandro Cairati. Nicht nur, weil der Footballspieler aus Suhr ein grosser Fan der Houston Texans ist, die die neue Spielzeit gegen den amtierenden Super-Bowl-Sieger Kansas City Chiefs eröffnen, sondern weil Cairati durchaus das Potenzial hat, um selber irgendwann in einer Kickoff-Partie der NFL auf dem Feld zu stehen. 

Ein Schweizer in der NFL? Was in anderen amerikanischen Profi-Ligen wie NHL oder NBA schon längst der Fall ist, wäre beim American Football ein Novum. Denn in diesem uramerikanischen Sport wartet keiner auf Europäer. Talente gibts in den Staaten genug. Mit dem zunehmenden Hype im deutschsprachigen Raum, scheint es jedoch nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die Schweiz neben Deutschland und Österreich einen Vertreter in der NFL vorweisen kann. 

Alessandro Cairati möchte in den USA eine grosse Football-Karriere anstreben.

Alessandro Cairati möchte in den USA eine grosse Football-Karriere anstreben.

Unterstützung durch Ex-Profi Björn Werner 

Alessandro Cairati gehört dabei aktuell zu den grössten Hoffnungen. Der 16-jährige Lineman ist zwar erst im High-School-Alter, bringt aber bei 190 cm Körpergrösse und 130 Kilogramm bereits die optimalen körperliche Bedingungen mit, um auf seiner Position in der Defensive durchzustarten. Daran glaubt auch die Gridiron Imports Foundation.

Die gemeinnützige Oganisation, die vom deutschen Ex-NFL-Spieler Björn Werner gegründet wurde, hilft europäischen Talenten den Sprung in die USA zu schaffen. «Als Björn bei uns zuhause im vergangenen Juli anrief, da fiel mir gleich beim Morgenessen der Löffel aus der Hand. Für mich ist er nicht nur irgendein Ex-NFL-Spieler, sondern ein echtes Vorbild.»

Dass Cairati überhaupt mit seinem Idol in Kontakt kam, hat er auch seiner Mutter zu verdanken: «Nach dem Abschluss beim Lernpodium in Wettingen ging ich im vergangenen Jahr an eine Exchange School in Oklahoma, um dort Football spielen zu können. Während dieser Zeit nahm meine Mutter Kontakt mit Werners Foundation auf, damit ich ein Stipendium an einer High School bekomme. Kaum war ich wieder zurück in der Schweiz, kam dann der erste Anruf von der Foundation.»

Dass ausgerechnet Werner selber auf den Schweizer setzt, ist ein sehr gutes Zeichen. Denn der 30-jährige Deutsche spielte als Defensive End auf einer Position, auf der auch Cairati eingesetzt wird. Dass Werner dies so gut tat, dass er in der ersten Runde an 24. Stelle gedraftet wurde, bekräftigt sein Einschätzungsvermögen. 

Gewichtheben in der Freizeit

Dank Gridiron Imports ist Cairati fündig geworden. Seit August weilt der junge Lineman im 3000-Einwohner-Dorf Bullard (Bundesstaat Texas) an der Brook Hill High School. Trotz Unruhen und hoher Corona-Fallzahl in den USA: «Es war mir schon bewusst, dass derzeit gerade viel los ist in diesem Land, aber wenn du hier an einer Privatschule bist und auch noch auf dem Areal lebst, dann bist du ziemlich abgeschottet. Hier kann ich mich voll auf den Football konzentrieren.»

Bei den Zurich Renegades machte Cairati seine ersten Football-Schritte.

Bei den Zurich Renegades machte Cairati seine ersten Football-Schritte.

Cairati hätte auch noch andere Angebote gehabt: «Mit der Brook Hill High School hatte ich eine Option in der Nähe meiner Gastfamilie aus dem letzten Jahr, zu der ich ein sehr enges Verhältnis habe. Nebenbei ist die Schule bekannt für gutes Coaching auf meiner Position. Als ich erfahren habe, dass ich an die Schule darf, fühlte sich das schon fast ein bisschen an, als ob ich gerade gedraftet wurde. Ich war überglücklich.»  

Wenn man sich Cairatis Weg genauer anschaut, dann ist es um so beachtlicher, dass er dank Football ein Stipendium erhalten hat. Den Sport übt er nämlich erst seit drei Jahren aus: «Als 13-Jähriger startete ich bei den AFC Zurich Renegades. Ich wog damals knapp 60 Kg und spielte als Passempfänger in der Offensive. Als sie dann merkten, dass ich in den Defensive besser aufgehoben bin, kam die Sache ins Rollen.»

Cairati möchte in dieser Saison noch mehr Muskelmasse zulegen.

Cairati möchte in dieser Saison noch mehr Muskelmasse zulegen.

Mittlerweile ist der Stein, der vor gut drei Jahren ins Rollen kam, bei 130 Kilogramm angelangt. Damit hat er bereits das gleiche Gewicht wie NFL-Star J.J. Watt zu dem Cairati aufschaut. Doch damit ist Cairati noch nicht zufrieden: «Bis zum Ende der Saison möchte ich nochmals sieben Kilo Muskelmasse zulegen.»

J.J. Watt – einer der bekanntesten Defensive Ends der NFL.

Noch mindestens fünf Jahre bis zum Draft

Die Aussage ist sinnbildlich für den unermüdlichen Arbeitswillen des Footballspielers, der seine Freizeit am liebsten im Fitnessraum mit Gewichtheben verbringt. Er wird diesen allerdings in den nächsten zwei Jahren auch dringend brauchen, damit er ein Angebot von einem College mit einem Footballteam aus der höchsten Stufe (Division 1) bekommen wird.

Mit guten Leistungen an der High School will sich Cairati ein Stipendium an einem D1-College ergattern.

Mit guten Leistungen an der High School will sich Cairati ein Stipendium an einem D1-College ergattern.

Denn praktisch nur so kann der Traum weiterleben: «Ich bin eigentlich ein zurückhaltender Typ und lasse den Football für mich sprechen. Aber klar, ich weiss warum ich hier bin, ich will auf jeden Fall in die NFL. Falls es bis dahin noch kein Schweizer geschafft hat, wäre das natürlich eine Riesenehre für mich. Aber es dauert noch mindestens fünf Jahre, bis ich mich für den Draf anmelden könnte. Es liegt noch viel Arbeit vor mir», betont der Aargauer. 

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