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«Ich will auch verdammten Respekt»

LeBron James (Mitte) und seine Teamkameraden sind in Meister-Partylaune.

LeBron James (Mitte) und seine Teamkameraden sind in Meister-Partylaune.

Zum vierten Mal gewinnt LeBron James den NBA-Titel und zum vierten Mal wird er im Final zum wertvollsten Spieler erkoren.

Es ist ein wenig wie im Tennis mit Roger Federer und Rafael Nadal. Wer ist der grösste Spieler der Geschichte? Im Basketball lautet die Glaubensfrage: Michael Jordan oder LeBron James. Während der Strahlemann «Air Jordan» seit Jahrzehnten auf dem Olymp des Sports thront, musste sich James die Anerkennung immer wieder hart erkämpfen. Nun aber tritt er zunehmend aus dem Schatten, auch – aber nicht nur – wegen seiner Leistungen auf dem Parkett.

Die Zahlen sprachen eigentlich schon lange für James als einer der Besten aller Zeiten, wenn nicht der Beste. Dennoch gab es auch immer Kritiker. Nachdem er nun mit den Los Angeles Lakers zum vierten Mal Meister wurde und zum vierten Mal als wichtigster Spieler (MVP) der Finalserie gekürt wurde, werden diese immer leiser. Was ihn gegenüber allen anderen heraushebt: Er schaffte diese Marken mit drei verschiedenen Teams. Und es waren jedes Mal Teams, die vor James’ Ankunft fast am Ende der Tabelle standen.

Für seinen Coach ist er der Grösste

Nach der Feier mit Pokalen und Konfetti auf dem Parkett und Champagnerduschen in der Garderobe gönnte sich der 35-Jährige aus Akron im Bundesstaat Ohio eine Zigarre und setzte ein breites Grinsen auf. Zehn Jahre nach dem bislang letzten Titel der Los Angeles Lakers hatte er das glamouröseste Team der Basketballwelt zum 17.Titel geführt – ausgerechnet gegen die Miami Heat, mit denen er acht Jahre zuvor seine erste Meisterschaft gefeiert hatte. Für seinen Coach Frank Vogel ist klar: «Er ist der grösste Spieler, den das Basketballuniversum jemals gesehen hat.» LeBron James würde ihm da nicht widersprechen.

Michael Jordan hat sechs Meistertitel geholt und die Liga mit den Chicago Bulls in den 90er-Jahren dominiert. James dagegen prägt die NBA bereits über einen viel längeren Zeitraum – mit seinen zehn Teilnahmen an NBA-Finals kann selbst Jordan nicht mithalten. Auch auf 260 Spiele in den Playoffs kommt dieser nicht ansatzweise. James spielt die Bedeutung dieses Vergleichs oft herunter. Das latente Infragestellen seiner eigenen Grösse aber ärgert ihn schon. Nachdem er den Pokal für den «Finals-MVP» in die Hand genommen hatte, sagte er in seiner Rede: «Wir wollen einfach Respekt. Unsere Organisation will Respekt. Und ich will auch verdammten Respekt.»

Lange haftete ihm der Makel an, erst durch einen Wechsel nach Miami zu Titelehren gekommen zu sein. Wie gut James ist, zeigte sich aber jeweils, wenn er nicht mehr da war. Er startete seine NBA-Karriere als 18-Jähriger in seinem Heimatstaat Ohio. Im vierten Jahr erreichte er mit den Cleveland Cavaliers den Playoff-Final. Davor hatte Cleveland in zwölf Saisons keine Playoff-Runde gewonnen und nur viermal überhaupt die Qualifikation überstanden. Doch James hatte genug vom Verliererteam. Unter grossem Tamtam wechselte er nach Miami, wo er mit den weiteren Superstars Dwyane Wade und Chris Bosh in vier Jahren in vier Finals zweimal den Titel holte. Die Kritik blieb. James solle doch selber ein Team zu Siegerehren führen, lautete der Tenor.

Gesagt, getan: 2014 kehrte er unter grossem Jubel zu Cleveland zurück. Die Bilanz in den folgenden vier Jahren: Final, Titel, Final, Final. James führte ein zuvor schwaches Team aus dem Nichts an die Spitze. Die Bilanz der Cleveland Cavaliers in den vier Jahren ohne James: ein 15., zwei 13. und ein 10. Platz im Osten, keine Playoff-Qualifikation.

Der spezielle Weg und sein soziales Engagement

Nun tat er das Gleiche mit den Los Angeles Lakers, die von 2013 bis 2019 die Playoffs verpasst hatten. Die längste Durststrecke in der Geschichte der ruhmreichen Franchise. «Das Gefühl, etwas beweisen zu müssen, hat mich angetrieben. Es gab immer etwas Zweifel», sagte James. Umso grösser ist die Genugtuung. «Frank Sinatra würde sagen: I did it my way», erklärte James schon vor der dem Start der Finals.

Dieser Weg beschränkt sich für James nicht auf sportliche Leistungen. Immer stärker wurde er in den letzten Jahren auch zum Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. So nutzte er seinen Status für Appelle gegen Rassismus und die Aufforderung, wählen zu gehen. «Basketball als Spiel wird mich überleben», erklärte er zuletzt. Es werde neue Spieler geben, neue Stars. Das könne er nicht beeinflussen. «Wie ich mich bewege, wie ich laufe, was ich predige, worüber ich rede und wie ich die nächste Generation inspiriere, das ist das, was mir am meisten bedeutet.» (sda)

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