Gschobe #17
Ich wäre gerne Roger Federer

Unsere Jass- und Boule-Runde verabschiedet sich mit dieser Kolumne in die Ferien. François, Pius, David, Tobias und Flavio wünschen Ihnen schöne Festtage und gute Erholung. Das nächste «Gschobe» erscheint am 13. Januar.

François Schmid-Bechtel
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Gschobe mit François Schmid-Bechtel

Gschobe mit François Schmid-Bechtel

Aargauer Zeitung

Flavio: Wünscht euch was. Oder: Mit wem würdet ihr für einen Tag lang tauschen?

David: Verbunden mit einem Ereignis?

Flavio: Muss nicht sein.

François: Wer macht den Anfang?

Tobias: Ich wäre gern Roger Federer.

David: Wie einfallsreich! Und darf man den Grund wissen?

Tobias: Diese Frage ist wie Dick und Doof ohne Dick – sinnlos.

David: Warum, das verstehe ich jetzt nicht.

Tobias: Ich bitte dich! Federer ist der beste, erfolgreichste, talentierteste, begehrenswerteste, smarteste, gütigste, reichste, freundlichste, bekannteste, intelligenteste Sportler, den dieses Land je gesehen hat. Wer will nicht mit ihm tauschen?

Flavio: Ich. Der Federer ist mir zu proper, zu glatt, zu wenig kantig. Da ziehe ich Mirka vor.

François: Echt jetzt? Du willst mit Mirka tauschen?

Flavio: Warum nicht? Es gibt schlechtere Tage als jene von Mirka Federer. Ein toller Mann an der Seite, Nannys, die sich um die Kinder kümmern, auf der ganzen Welt willkommen und ein Konto so prall gefüllt wie früher unser Auto, wenn wir vom Italien-Urlaub in die Schweiz zurückgekehrt sind. Die Arbeit besteht einzig darin, dem Mann zuzusehen, wie er die Arbeit erledigt. Ich glaube, Mirkas Leben fühlt sich an wie jeden Tag Geburtstag haben.

David: Ich glaube, da täuschst du dich gewaltig. Ganz so locker flockig und unbeschwert sind Mirka Federers Tage nicht. Egal. Aber ich frage mich schon: Wo sind Mirkas Ecken und Kanten?

Flavio: Cry Baby, capisce!

David: Ja, armer Wawrinka. Ich wäre gerne Christian Constantin.

Flavio: Da hast du dir aber einen besonders sympathischen Typen ausgesucht.

David: Darum gehts nicht.

Pius: Worum dann?

David: Es geht um menschliche Schwächen. Alles so glatt gebügelt und auf Hochglanz poliert. Nein. Da ist mir der Rock’n’ Roller aus dem Wallis lieber.

Flavio: Einen Tag lang König vom Wallis – was würdest du tun, ausser den Trainer nicht zu wechseln, mit dem Velo statt mit dem Ferrari zur Arbeit zu fahren und eine Defizitgarantie für die Olympischen Spiele in Sion zu sprechen?

David: Ich würde gerne wissen, ob Rolf Fringer Spass versteht. Er müsste 24 Stunden lang das Debakel von Baku ansehen, wo die Schweiz unter ihm 0:1 verlor.

Pius: Ich will Matthias Hüppi sein. Und zwar an dem Tag, an dem der FC St. Gallen Schweizer Meister wird.

Tobias: Warum nicht Christian Stucki, der Olympia-Gold im Kunstturnen gewinnt? Oder Jean-Claude Juncker, der den Schweizer Pass beantragt? Absurd, dein Gedankengang. Egal, ist ja Weihnachten. Aber was ist mit dir?

François: Ich würde gerne der Mann sein, der eure Wünsche erfüllt.

David: Du willst der Weihnachtsmann sein? Du willst der sein, den es gar nicht gibt? Du willst der Typ sein, der den Leuten einschärft, die Welt in Ordnung zu bringen?

François: Ja, so in etwa.

David: Sag doch gleich, du willst Gianni Infantino sein.