WM-Qualifikation

«Ich muss meiner Mannschaft jetzt keinen Heiratsantrag machen»

Die gelbe Schrift leuchtet unverkennbar. «Brasilien 2014 wir kommen!», steht auf dem Schweizer Teambus nach der vollbrachten WM-Qualifikation. Heute Abend im letzten Spiel will Hitzfeld einen weiteren Sieg, damit die Nati in den ersten Topf kommt.

 Nach dem entscheidenden Schritt in Albanien folgt heute Abend um 20 Uhr (SRF 2) im Stade de Suisse gegen Slowenien die Kür. Das letzte WM-Qualifikationsspiel ist ein Spiel der Chancen. Es lauert aber auch eine Gefahr.

Am 7. Oktober 2011 gastierte England in seinem letzten EM-Qualifikationsspiel in Montenegro. Wayne Rooney beging eine Tätlichkeit und flog vom Platz. Wegen der roten Karte war er danach in den ersten beiden EM-Spielen Englands gesperrt. Die Regel in der WM-Qualifikation ist dieselbe. Sollte ein Schweizer heute die (gelb-)rote Karte erhalten, würde er den WM-Auftakt verpassen. Der Rooney-Gate taugt nicht zum Vorbild. Nicht gesperrt wäre indes, wer die zweite Verwarnung innerhalb der ganzen Qualifikation einstecken muss. Die gelben Karten werden nach der Qualifikation gelöscht.

Zu den Chancen. Trainer Ottmar Hitzfeld hätte natürlich die Möglichkeit, das Spiel etwas entspannter als sonst zu geniessen. «Sehr gering», sei die Wahrscheinlichkeit dafür, sagt er. Er sagt: «Ich will immer den maximalen Erfolg. Das verlange ich von mir und von der Mannschaft.»

Die Schweiz kann heute Meilensteine in ihrer Fussball-Geschichte setzen. Sollte sie auch zum 14. Mal in Folge ungeschlagen bleiben, würde sie den Rekord von Köbi Kuhns Equipe (18.8.2004–12.11.2005) egalisieren. Und zudem als erstes Schweizer Nationalteam seit 1949 eine WM-Qualifikation ohne Niederlage abschliessen – damals reichten dazu zwei Siege gegen Luxemburg.

Auch Blerim Dzemaili gefällt diese Aussicht. «Manchmal darf man ruhig an die schöne Statistik denken», sagt er. Dzemaili erhält heute wieder eine Chance, zu zeigen, dass er mehr als nur eine Alternative zum Schweizer Herz mit Inler und Behrami ist.

Vor allem aber geht es in diesem Spiel um die seltene Chance für eine Schweizer Auswahl, bei einer Endrunden-Auslosung im ersten Topf gesetzt zu sein. «Wenn wir es tatsächlich dorthin schaffen, dann gibt es sicher berechtigte Gründe dafür», sagt Dzemaili. «Dieser Erfolg würde uns Anerkennung auf der ganzen Fussball-Welt einbringen.»

Natürlich hat auch Hitzfeld dieses Szenario im Hinterkopf. «Wenn wir gesetzt werden, könnten wir den ganz grossen Favoriten aus dem Weg gehen.» Später ergänzt er: «Das wäre für mich ein fantastischer Moment. Alleine schon die Möglichkeit dazu ist eine Auszeichnung für den Schweizer Fussball.»

Verteidiger Johan Djourou sagt: «Die Schweiz, das ist nicht mehr nur ein Team mit elf Spielern und daneben lauter Nieten. Es können mindestens 23 Spieler auf demselben Niveau spielen – das macht uns gefährlich.» Dzemaili sagt: «Selbst wenn wir es nicht in den Topf 1 schaffen, ich glaube eher, die grossen Gegner haben Angst vor der Schweiz als umgekehrt.»

Kasami für immer für die Schweiz?

Ein anhaltendes Thema ist derzeit die Frage nach Hitzfelds Zukunft. Der Trainer will erst nach dem letzten Spiel Überlegungen dazu anstellen.

Der Puls wird trotzdem eifrig gefühlt. So wird Hitzfeld immer wieder zur Beziehung von ihm zu seinem Team gefragt. «Die ist gut», antwortet er knapp und lächelnd. Und fügt an: «Ich muss meiner Mannschaft jetzt keinen Heiratsantrag machen.»

Eine Art Hochzeit bahnt sich heute indes zwischen der Schweiz und Pajtim Kasami an. Der 21-Jährige, der auch für Albanien spielen könnte, würde bei einem Einsatz definitiv an die Schweiz gebunden.

Bemerkenswert ist, mit welch grossem öffentlichen Misstrauen sich Kasami derzeit abfinden muss. Der Fall Hajrovic (entschied sich trotz einstiger Treueschwüre gegenüber der Schweiz am Ende für Bosnien) ist nicht an allen spurlos vorbeigegangen.

Natürlich gibt es keinen Grund, auf einen (Teil-)Einsatz von Kasami zu verzichten. Aber es ist zumindest fragwürdig, aufgrund von Fehlern der Vergangenheit am Charakter eines jungen Mannes zu zweifeln.

Schweiz - Slowenien. - Stade de Suisse, Bern. - Dienstag, 20.00 Uhr (TV/SRF2). - SR Kuipers (Ho).

Mögliche Aufstellungen:

Schweiz: Sommer (Basel); Lang (Grasshoppers), Senderos (Fulham), Djourou (Hamburger SV), Ziegler (Sassuolo); Dzemaili (Napoli), Inler (Napoli); Mehmedi (Freiburg), Xhaka (Mönchengladbach), Barnetta (Eintracht Frankfurt); Seferovic (San Sebastian). - Abwesend: Von Bergen (Young Boys/gesperrt), Lichtsteiner (Juventus Turin), Shaqiri (Bayern München/beide verletzt).

Slowenien: Handanovic (Inter Mailand); Brecko (1. FC Köln), Ilic (Hapoel Tel Aviv), Cesar (Chievo Verona), Andraz Struna (Giannina/Grie); Mertelj (Maribor); Ljubijankic (Omiya Arija/Jap), Kampl (Salzburg), Kurtic (Sassuolo), Kirm (Groningen); Novakovic (Omiya Ardija/Jap). - Abwesend: Birsa (Milan), Jokic (Villarreal), Matavz (PSV Eindhoven), Ilicic (Fiorentina/alle verletzt).

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