Kurz vor der Sportinvalidität
«Ich habe unglaubliche Schmerzen»: Andy Murray verkündet unter Tränen Rücktritt

Die Australian Open beginnen mit einem emotionalen Paukenschlag. Andy Murray, der fünffache Finalist, tritt spätestens im Sommer zurück. Von einer Hüftoperation im Sommer 2017 hat sich der Brite nie vollständig erholt.

Simon Häring
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Die Australian Open beginnen mit einem emotionalen Paukenschlag. Andy Murray, der fünffache Finalist, tritt spätestens im Sommer zurück.
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Als er am Freitag vor die Medien tritt, bricht ihm bei der ersten Frage, der Frage, wie sich seine Hüfte anfühle, die Stimme.
«Nicht gut», sagt der 31-Jährige. Tränen kullern über die Wangen.
Für mehrere Minuten zieht er sich in einen Nebenraum zurück.
Dann erklärt er sich. «Ich habe seit zwanzig Monaten grosse Schmerzen.»
Er habe alles unternommen, nichts habe geholfen.
Auch die Operation im Sommer 2017 brachte nicht die erhoffte Linderung.
Längst geht es nicht mehr um die Rückkehr an die Weltspitze.
Es geht um sehr viel Basaleres. «Dass ich ohne Schmerzen Socken anziehen kann und die Schuhe binden», sagt Murray.
«Es hilft nichts. Ich habe grosse Schmerzen und ich kann nicht tun, was ich am meisten liebe.»

Die Australian Open beginnen mit einem emotionalen Paukenschlag. Andy Murray, der fünffache Finalist, tritt spätestens im Sommer zurück.

DANIEL POCKETT

Kurz vor den Australian Open liess er seinen Schalk aufblitzen, als er sich mit dem Norman Brookes Challenge Cup fotografieren liess und dazu schrieb: «So nahe komme ich dem Pokal nie mehr.» Andy Murray, der fünffache Finalist, wusste es schon da. Er wusste, das das Ende seiner Karriere nahe ist. Eine Karriere, die ihm drei Grand-Slam-Titel, zwei olympische Goldmedaillen, und 41 Wochen an der Spitze der Weltrangliste gebracht hatte.

Als er am Freitag vor die Medien tritt, bricht ihm bei der ersten Frage, der Frage, wie sich seine Hüfte anfühle, die Stimme. «Nicht gut», sagt der 31-Jährige. Tränen kullern über die Wangen. Für mehrere Minuten zieht er sich in einen Nebenraum zurück. Dann erklärt er sich. «Ich habe seit zwanzig Monaten grosse Schmerzen.» Er habe alles unternommen, nichts habe geholfen. Auch die Operation im Sommer 2017 brachte nicht die erhoffte Linderung.

Ein Leben voller Schmerzen

Längst geht es nicht mehr um die Rückkehr an die Weltspitze. Es geht um sehr viel Basaleres. «Dass ich ohne Schmerzen Socken anziehen kann und die Schuhe binden», sagt Murray. «Ein Leben ohne Schmerzen, mit einer guten Lebensqualität.» Er habe im Dezember seinem Team gesagt, dass er so nicht weitermachen könne. Spätestens in Wimbledon wird er seine Karriere beenden, «doch ich bin nicht sicher, ob ich es mit diesen Schmerzen bis dahin schaffen».

In Australien spielt er, aber weit vom Niveau entfernt, das er sich wünscht. Er brauchte einen Schlusspunkt, es musste Wimbledon sein. «Dort, wo alles begann, soll es auch enden.» Auch eine weitere Operation schliesst er nicht aus, sie soll ihm das bringen, was ihm in Zukunft am meisten über den Verlust des Tennis als Lebensinhalt hinweg helfen soll: Schmerzfreiheit und Mobilität für seine Kinder Edie und Sophia Olivia. «Aber es gibt keine Garantie, dass es hilft.»

Es hilft nichts. Ich habe grosse Schmerzen und ich kann nicht tun, was ich am meisten liebe.

(Quelle: Andy Murray)

In Washington gewann Murray praktisch vor leeren Rängen eine Achtelfinal-Partie, es war bereits weit nach 03.00 Uhr in der Nacht. Danach brach er in Tränen aus, so viel bedeutet ihm der Sport. Vielleicht aber auch, weil der Sieg im Schmerz geboren war. Tags darauf zog er sich aus dem Turnier zurück. Es ist das, was von ihm als Athlet in Erinnerung bleiben wird. Totale Hingabe für den Sport, der ihm auch half, das Trauma seiner Kindheit hinter sich zu lassen.

Ein Massaker als Kindheitstrauma

Es war im März 1996, als er in der Grundschule von Dunblane als 8-Jähriger ein Massaker miterlebte, bei dem ein 43-jähriger Mann 16 Erstklässler und eine Lehrerin erschoss. Murray brauchte Jahre, um sich davon zu erholen. Mit 15 verliess er Schottland in Richtung Barcelona. Er wurde Teil der Big Four, stand aber trotzdem immer im Schatten von Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal. Bis er 2016 doch noch die Nummer eins der Welt wurde.

In Erinnerung bleiben aber auch seine beiden Wimbledon-Siege. 2013 gewann er als erster Brite seit Fred Perry 1936 das traditionsreichste der vier Grand-Slam-Turniere. Zwei Jahre darauf wiederholte er seinen Coup. Nun beginnt sein langer Abschied. Einer, bei dem ihm offenbar niemand helfen kann, auch keine Psychologen. «Es hilft nichts. Ich habe grosse Schmerzen und ich kann nicht tun, was ich am meisten liebe.»

Andy Murrays Meilensteine:

Noch mit wilder Mähne: 2006 gewinnt Murray sein erstes Turnier auf der ATP Tour. In San José schlägt er im Final Lleyton Hewitt
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2010 der erste Grand-Slam-Final: Murray scheitert an den Australian Open erst an Roger Federer. Danach sagt er: «I can cry like Roger - ist's a shame I can't play like him.»
2012 der erste Grand-Slam-Triumph: Murray gewinnt die US-Open,
Er schlägt im Final Novak Djokovic in fünf Sätzen.
Im Sommer 2012 gewinnt er an den Olympischen Spielen in London Gold im Einzel und Silber im Mixed-Doppel.
Murray schlägt im Final Roger Federer....
...und kann es selbst kaum fassen.
2013 die Erlösung für Grossbritannien: Der Schotte Murray gewinnt als erster Brite seit 77 Jahren Wimbledon. 2016 gewinnt Murray dort ein zweites Mal.
2015 ist Andy Murray die grosse Figur Grossbritanniens, das den Davis Cup holt. Im Final gegen Belgein gewinnt er beide Einzel und an der Seite von Bruder Jamie das Doppel.
2016 wird Andy Murray in Rio de Janeiro erneut Einzel-Olympiasieger.
2016: Murrays zweiter Wimbledon-Titel ist Tatsache.
Im Final schlägt er den Kanadier Milos Raonic.
Kampflos auf den Thron: Durch Milos Raonics Forfait für den Halbfinal in Paris wurde Andy Murray am Montag, 11. November 2016 die neue Nummer 1 der Weltrangliste. In London gewinnt er dann auch noch zum ersten Mal die ATP World Tour Finals.
«Es hilft nichts. Ich habe grosse Schmerzen und ich kann nicht tun, was ich am meisten liebe.»

Noch mit wilder Mähne: 2006 gewinnt Murray sein erstes Turnier auf der ATP Tour. In San José schlägt er im Final Lleyton Hewitt

Keystone

Andy Murray erster britischer Wimbledon-Sieger seit 77 Jahren:

Andy Murray am Ziel seiner Traum
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Murray ist der erste Brite seit 1977, der in Wimbledon triumphierte
Da freut sich auch Mama Murray über den Sohnemann
Andy Murray erster britischer Wimbledon-Sieger seit 77 Jahren
Verlier Novak Djokovic erweist sich als Gentlemen
Grenzenlose Freude
Djokovic ist nicht mit der Entscheidung des Schiedsrichters einverstanden
Da nützt alles Schweissabwischen nichts
Verschnaufpause bei Djokovic
Nicht jeder Ball sitzt
Vor dem Spiel
Freundin Kim Sears bangt mit Murray

Andy Murray am Ziel seiner Traum

Keystone

Andy Murray – der Feminist:

Sexistische Frage? Feminist Andy Murray fällt Reporter ins Wort

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