Interview

«Ich habe Maradonas Leibchen verloren»: Martin Rueda erinnert sich an das Napoli-Gastspiel in Wettingen

Hoher Besuch: Diego Armando Maradona spielte am 17. Oktober 1989 im Letzigrund mit Napoli gegen Wettingen.

Hoher Besuch: Diego Armando Maradona spielte am 17. Oktober 1989 im Letzigrund mit Napoli gegen Wettingen.

Am 17. Oktober 1989 spielte der FC Wettingen in der zweiten Runde des Uefa-Cups gegen die SSC Napoli mit ihrem Superstar Diego Armando Maradona. Im ausverkauften Zürcher Letzigrund sahen 22'000 Zuschauer ein 0:0, im Rückspiel siegten die Italiener dann, ohne Maradona, glückhaft 2:1. Nach dem Hinspiel hatte Wettingens Captain Martin Rueda das Privileg, mit dem Argentinier das Leibchen zu tauschen. Einige Erinnerungen an das Spiel gegen den Superstar, der am Freitag 60 Jahre alt wird.

Martin Rueda, 1989 Captain des FC Wettingen, heute Technischer Leiter der Xamax-Akademie.

Martin Rueda, 1989 Captain des FC Wettingen, heute Technischer Leiter der Xamax-Akademie.

Normalerweise wird ein von Maradona getragenes Trikot in einem Tresor aufbewahrt. Sie aber haben in einem Interview einmal behauptet, sie wüssten nicht, wo es geblieben sei.

Martin Rueda: Das stimmt leider. Ich vermute, dass das Leibchen irgendwann einmal beim Zügeln verloren gegangen ist. Das ärgert mich sehr.

Maradona in der Schweiz – dieses Spiel und das Drumherum muss ein gewaltiges Ereignis gewesen sein.

Es war ein Riesenhype. Ich denke, so etwas hatte die Schweiz zuvor im Fussball noch selten gesehen. Verrückt, was dieser «kleine» FC Wettingen auslösen konnte. Es war gar nicht möglich, für alle Angehörigen, Freunde und Bekannte Tickets zu besorgen.

Konnten Sie Ihre Spanischkenntnisse während des Spiels im Smalltalk mit Maradona anwenden?

Nein, aber vor der Partie hatte ich auf dem Weg zum Stadion die Gelegenheit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln.

Hatten Sie und ihre Teamkollegen eigentlich die Hosen voll wegen des Superstars?

Nein, unser Trainer Udo Klug hat das auch gut gemanagt und keine grosse Geschichte daraus gemacht. Er verzichtete darauf, uns immer und immer wieder auf Maradona hinzuweisen. Er liess einfach Jan Svensson als Manndecker gegen Maradona spielen. Das war der richtige Schachzug, Svensson prädestiniert für die Bewachung des Superstars. Er hat ihn aus dem Spiel genommen, Maradona kam zu keiner Torchance. Wenn er Svensson dann doch mal entwischte, war immer noch ich als Libero da. Es gab auch für mich das eine oder andere Duell mit ihm.

War Maradona entnervt? Zeitungen schrieben, er sei lustlos gewesen.

Ja, das war schon zu sehen, dass sich Maradona darüber aufregte, dass ihn ein Gegenspieler auf Schritt und Tritt verfolgte. Svensson ging überdies recht aggressiv zur Sache. Maradona kam überhaupt nicht zum Zug.

Er war damals 29 Jahre alt und schon etwas auf dem absteigenden Ast.

Es war die Zeit, als diese Drogengeschichten bekannt wurden. Im Rückspiel war er dann ja nicht einmal dabei, weil er intern gesperrt war.

Waren Sie enttäuscht oder froh, dass er nicht spielte?

Als wir erfuhren, dass er nicht spielt, waren wir schon etwas enttäuscht. Obwohl wir wussten, dass er in Neapel vor eigenem Publikum eine andere Nummer war als auswärts. Es wäre ein anderer Maradona aufgetreten als beim Hinspiel in Zürich.

Aber auch ohne Maradona gewann Napoli 2:1.

Wir machten einen sehr guten Match, verloren aber leider wegen eines ungerechtfertigten Penaltys. Zu sehr jammern durften wir am Ende aber nicht, sondern mussten uns an der eigenen Nase nehmen. Wir hatten Riesenchancen, liefen vier Mal allein auf den Goalie zu.

Wie haben Sie Maradonas weitere Entwicklung verfolgt?

Das hat mich schon interessiert. Ich finde es traurig, welchen Weg er gegangen ist und dass er nur noch für negative Schlagzeilen sorgte. Mit Drogen- und Frauengeschichten und politischen Statements. Wenn man sein Leben mit jenem von Pelé vergleicht, so ist das schon ein ganz anderer Verlauf.

Wer war der bessere Fussballer?

Für mich eher Maradona. Aber ich kannte Pelé halt auch nicht so gut. Heute würde ich aber Messi über Maradona stellen.

Die Mannschaft des FC Wettingen von 1989, welche im Europacup gegen die SSC Napoli spielte, traf sich 25 Jahre später zu einem Legendenspiel in der Altenburg. (Martin Rueda zweiter von links)

Die Mannschaft des FC Wettingen von 1989, welche im Europacup gegen die SSC Napoli spielte, traf sich 25 Jahre später zu einem Legendenspiel in der Altenburg. (Martin Rueda zweiter von links)

Autor

Markus Brütsch

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