Olympische Spiele und Hussein, das ist bislang keine Liebesbeziehung. Vor vier Jahren in London musste der 27-jährige Thurgauer wegen einer knöchernen Überbelastung im linken Mittelfuss auf den Vorlauf verzichten, diesmal machte ihm erneut ein Fussverletzung zu schaffen. 49,80 Sekunden läuft er normalerweise im Schlaf. In dieser Saison war er in den ersten sechs Rennen nie langsamer als 49,47 Sekunden gewesen, eine Zeit, die in Rio de Janeiro locker für die nächste Runde gereicht hätte. Um in seinem Lauf sicher in die Top 3 zu kommen, hätte er 49,76 Sekunden erzielen müssen.

Stattdessen humpelte Hussein nach dem Rennen in die Mixed Zone, um den Journalisten das unerwartete Scheitern zu erklären. Allerdings wusste er selber nicht, wie er das Ganze einordnen sollte, er wirkte ratlos, die Aussagen waren widersprüchlich. Einerseits sagte er, sich gut gefühlt zu haben, anderseits gab er zu Protokoll, dass er wohl nicht angetreten wäre, wenn es sich um eine WM oder EM gehandelt hätte. Klar ist, dass der Lauf alles andere als gut war. Schon die erste Hürde berührte er, die dritte touchierte er dann "voll", sodass es ihn "kurz aus der Bahn warf. Vielleicht fehlte das Selbstvertrauen, um wirklich anzugreifen", so Hussein. Zudem kann er wegen der Schmerzen bei den ersten zehn Schritten den Fuss nicht wirklich belasten, hinten heraus geht es dann allerdings.

Erstmal schauen, wie die nächsten Tage verlaufen

Die gleiche Verletzung hatte Hussein schon beim 3. Platz an der EM in Amsterdam behindert. Danach absolvierte er nochmals eine gute Trainingsphase, ehe sich das Ganze Anfang August akut verschlimmerte. "Bis vor zehn Tagen hatte ich das Gefühl, auf dem aufsteigenden Ast zu sein, dann reagierte der Fuss extrem, war es nicht mehr auszuhalten. Ich war im Kopf schon kurz davor, Ferien zu buchen." In der Folge wurde es wieder besser, war die Zuversicht grösser als die Hoffnung. "Es ist schade, aber es ist eine Erfahrung mehr. An der EM hatte ich auch Schmerzen, aber die Vorbereitung war anders", sagte Hussein. Von einem vorzeitigen Saisonende will er noch nichts wissen, er schaut nun erstmals, wie die nächsten Tage verlaufen.

Im Gegensatz zu 2012, als er vor den Olympischen Spiele zu viel trainiert hatte, hatte er diesmal nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. "Du kannst Umknicken, das passiert mal", so Hussein. Geht es nach ihm, hat er noch genügend Gelegenheiten, um den Olympia-Fluch zu beenden. Sein Plan ist es, noch an zwei weiteren Olympischen Spielen teilzunehmen, wenn er weiterhin Spass hat und vor allem ... gesund bleibt.

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Grafik: Elia Diehl

Cartodb: Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

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