Leichtathletik-EM
Hussein holt Gold über 400m Hürden, Kambundji verbessert Schweizer Rekord

Schweizer Tag an der Leichtathletik-EM: Kariem Hussein gewinnt überraschend den 400-Meter-Hürdenlauf und wird Europameister. Bei den Frauen wird Mujinga Kambundji nur fünfte über 200 Meter, verbessert aber einen 26-Jahre alten Schweizer Rekord.

Michael Schenk
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Der vierte EM-Tag im Überblick
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Den Lauf seines Lebens: Hussein holt EM-Gold im 400-Meter-Hürdenlauf.
Hussein überspringt die letzte Hürde.
Hussein läuft ins Ziel.
Hussein kann es kaum fassen: Er ist neuer 400-Meter-Hürden-Europameister!
Hussein holt sich den Titel in der Zeit von 48,96, erstmals läuft er unter 49 Sekunden.
Hussein kurz nach dem Zieldurchlauf.
Mujinga Kambundji sprintet im 200-Meter-Lauf auf den fünften Rang.
Leichtathletik-EM-CEO Patrick Magyar gratuliert Kambundji zu ihrer Leistung.
Kambundji unterbietet mit ihrem 200-Lauf den 26 Jahre alten Rekord von Regula Anliker-Aebi.
Hat guten Grund zum Feiern: Kambundji holt sich den Schweizer Rekord über 200 Meter.
Die Holländerin Dafne Schnippers wird nach den 100-Meter- auch 200-Meter-Europameisterin.
Die 1500 Meter zu gewinnen, waren anscheinend für die Holländerin Sifan Hassan kein Zuckerschlecken.
Die neue Europameisterin über 1500 Meter: die Holländerin Sifan Hassan.
Die Spanierin Indira Terrero gewinnt die Bronzemedaille über 400 Meter.
Die Italienerin Libania Grenot macht die Krallen nach dem Gewinn der 400 Meter.
Die Britin Laura Weightman feiert die Bronzemedaille.
Der 25-jährige Jan Hochstrasser läuft die 1500 Meter in 3:43,89
Der Student ist enttäuscht und spricht von der «grössten sportlichen Enttäuschung seines Lebens»
Mahiedine Mekhissi-Benabbad nach dem Vorlauf über 1500m. Der Franzose, der am Donnerstag noch mit einem «Nacktskandal» Schlagzeilen machte, schafft den Finaleinzug.
Der Franzose Yohann Diniz holt im 50km-Gehen in 3:32:33 Gold - Weltrekord
Fabienne Schlumpf läuft vorne weg. Die Spitzenposition kann sie aber nicht verteidigen.
Schlumpf wird Fünfte und qualifiziert sich fürs Finale.
Die Athletinnen über einem Hindernis. Fabienne Schlumpf ist mitten drin.
Astrid Leutert läufts nicht gut. Die Bernerin stürzt und wird Letzte.
Die Türkin Burcu Yueksel bei der Qualifikation fürs Hochsprung-Finale
Die Geher beim Hafenkran
Die Anlagen werden für den Wettkampf der Diskuswerferinnen vorbereitet
Die Deutsche Julia Fischer beim Diskuswerfen

Der vierte EM-Tag im Überblick

Keystone

Die Europameisterschaften in Zürich haben ihren ersten Woow-Effekt. Das nahezu ausverkaufte Stadion Letzigrund bebte, als der Thurgauer Kariem Hussein zum EM-Gold über 400 m Hürden lief. Er hat an den Europameisterschaften in Zürich Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Der 25-jährige Thurgauer gewann über 400 m Hürden in 48,98 Sekunden die Goldmedaille. Silber ging an Rasmus Mägi (Est), Bronze an Denis Kudrjawzew (Russ).

Eine halbe Stunde zuvor hatte Mujinga Kambundji ein weiteres Mal für ein Highlight gesorgt. Die 22-jährige Bernerin lief in der Schweizer Rekordzeit von 22,83 Sekunden auf Platz 5 im Final über 200 m. In diesem Endlauf setzte Dafne Schippers auch ein Glanzlicht aus internationaler Sicht. Die Holländerin gewann in der Jahresweltbestzeit von 22,03 Sekunden.

Der Hochspringer Bogdan Bondarenko sorgte am Freitagabend im Letzigrund neben Dafne Schippers und Adam Gemili für das internationale Highlight. Der 24-jährige Weltmeister gewann mit 2,35 m das ukrainische Duell gegen Andrej Prozenko.

Bondarenko reichten zwei gültige Versuche über 2,30 m und 2,35 m, um sich erstmals dieEM-Krone aufzusetzen. Ihm am nächsten kam Landsmann Prozenko, der 2,33 m im dritten Versuch übersprang und sich damit im Freien erstmals eine Medaille an internationalen Meisterschaften sicherte. Prozenko hatte Anfang Juli in Lausanne als erst sechster Athlet 2,40 m übersprungen. Nur Bronze blieb dem russischen Olympiasieger Iwan Uchow, der in diesem Jahr auch schon 2,41 m überquert hatte.

Die Bedingungen im Zürcher Letzigrund waren alles andere als ideal für die Hochspringer. Auf der nassen Bahn probierte sich Bondarenko nach seinem Sieg trotzdem einmal auf der Europarekordhöhe von 2,43 m, scheiterte aber deutlich. Der Ukrainer hatte in dieser Saison bereits viermal 2,40 und mehr gemeistert.

Eine internationale Topleistung zeigte über 200 m der Brite Adam Gemili. Der 20-Jährige aus London blieb erstmals in seiner Karriere und als erster Europäer in diesem Jahr unter 20 Sekunden. Mit 19,98 Sekunden hielt er Christophe Lemaitre (20,15) sicher in Schach. DemFranzosen, der vor vier Jahren in Barcelona das Triple gewonnen hatte, blieb damit zum zweiten Mal in Zürich das Nachsehen, nachdem er bereits über 100 m nur Silber gewonnen hatte. Gemili ist einer der jungen, starken britischen Sprintgarde und ein Versprechen für die Zukunft. Der Sohn eines Marokkaners und einer Iranerin, der in seiner Jugend ein talentierter Fussballer gewesen war und unter anderen bei Chelsea spielte, gewann vor zwei Jahren an den U20-Weltmeisterschaften in Barcelona den Titel über 100 m.

Die sportlich wertvollste Marke erzielte die polnische Hammerwerferin Anita Wlodarczyk, die ihren Titel von Helsinki verteidigte. Die 29-jährige Olympia-Zweite von London warf den Hammer im fünften Versuch 78,76 m weit und verpasste damit den Weltrekord von Betty Heidler (De) nur um 66 Zentimeter. Heidler und das deutsche Team gingen überraschend leer aus.

Der 800-m-Läufer Pierre Amboise Bosse ist ein aussergewöhnliches Talent. Dies bewies der 22-jährige Franzose Mitte Juli in Monaco, als er mit 1:42,53 Minuten eine Zeit lief, die vor ihm erst drei Europäer unterboten hatten. Selbst der Schweizer André Bucher, der einstige Dominator über die zwei Bahnrunden, weist mit 1:42,55 eine schlechtere Bestzeit aus. Von daher ging Bosse, der nicht den Ruf eines topseriösen Sportlers geniesst, in Zürich als klarer Favorit in den Final. Seinem Status entsprechend übernahm er die Initiative, was sich als falsche Taktik erwies. Auf den letzten 200 m brach er komplett ein, sodass er Achter und Letzter wurde. So realisierten die Polen einen Doppelsieg: Adam Kszczot (1:44,15) siegte vor Artur Kuciapski (1:44,89).

Bei den Frauen kam es über 1500 m zum erwarteten Duell zwischen den "Äthiopierinnen" Sifan Hassan (Ho) und Abeba Aregawi (Sd), den die holländische Jahresschnellste in 4:04,18 Minuten souverän für sich entschied. Dies war insofern keine Überraschung, als Aregawi heuer nicht mehr so unwiderstehlich ist wie im vergangenen Jahr. 2013 war die Schwedin Weltmeisterin geworden und hatte bei sämtlichen sechs Starts in der Diamond League triumphiert.

Im 400-m-Rennen der Männer feierten die Briten durch Martin Rooney und Matthew Hudson-Smith einen Doppelsieg. Rooney, der EM-Dritte von 2010, lief mit 44,71 Sekunden so schnell wie noch kein Europäer in diesem Jahr und distanzierte seinen 19-jährigen Landsmann um vier Hundertstel. Der drittplatzierte Donald Sanford gewann als zweiter Israeli nach demStabhochspringer Alex Averbukh (Gold 2002 und 2006) eine EM-Medaille in der Leichtathletik.

Bei den Frauen setzte sich Topfavoritin Libania Grenot durch. Die gebürtige Kubanerin, die seit sechs Jahren für Italien startberechtigt ist, setzte sich in 51,10 Sekunden souverän vor der Ukrainerin Olga Semljak (51,36) durch. Auch Bronze ging an "Kuba": Die eingebürgerte Spanierin Indira Terrero (51,38) verdrängte die zeitgleiche Britin Christine Ohuruogu, die Olympiasiegerin von 2008 und Weltmeisterin von 2007 und 2013, hauchdünn vom Podest.

Die Resultate

Zürich. Europameisterschaften. Finals. Männer. 200 m (GW 1,6 m/s): 1. Adam Gemili (Gb) 19,98. 2. Christophe Lemaitre (Fr) 20,15. 3. Sergej Smelyk (Ukr) 20,30. 4. Churandy Martina (Ho) 20,37. 5. Diego Marani (It) 20,43. 6. Ramil Guliyev (Tür) 20,48.

400 m: 1. Martin Rooney (Gb) 44,71. 2. Matthew Hudson-Smith (Gb) 44,75. 3. Donald Sanford (Isr) 45,27. 4. Jakub Krzewina (Pol) 45,52. 5. Conrad Williams (Gb) 45,53. 6. Kamghe Gaba (De) 45,83.

800 m: 1. Adam Kszczot (Pol) 1:44,15. 2. Artur Kuciapski (Pol) 1:44,89. 3. Mark English (Irl) 1:45,03. 4. Andreas Bube (Dä) 1:45,21. 5. Marcin Lewandowski (Pol) 1:45,78. 6. Amel Tuka (Bos) 1:46,12.

400 m Hürden: 1. Kariem Hussein (Sz) 48,96. 2. Rasmus Mägi (Est) 49,06. 3. Denis Kudrjawzew (Russ) 49,16. 4. Timofej Tschali (Russ) 49,56. 5. Felix Franz (De) 49,83. 6. Emir Bekric (Ser) 49,90. 7. Varg Königsmark (De) 49,91. 8. Oskari Mörö (Fi) 50,14.

Hoch: 1. Bogdan Bondarenko (Ukr) 2,35. 2. Andrej Prozenko (Ukr) 2,33. 3. Iwan Uchow (Russ) 2,30. 4. Jaroslav Baba (Tsch) 2,30. 5. Danijil Zyplakow (Russ) 2,26. 6. Juri Krymarenko (Ukr) 2,26.

50 km Gehen: 1. Yohann Diniz (Fr) 3:32:33 (WR, bisher Denis Nischegorodow/Russ 3:34:14/11. Mai 2008). 2. Matej Toth (Slk) 3:36:21. 3. Iwan Noskow (Russ) 3:37:41. 4. Michail Ryschow (Russ) 3:39:07. 5. Iwan Banseruk (Ukr) 3:44:49. 6. Igor Hlawan (Ukr) 3:45:08.

Frauen.

200 m (GW 0,5 m/s): 1. Dafne Schippers (Ho) 22,03 (JWB). 2. Jodie Williams (Gb) 22,46. 3. Myriam Soumaré (Fr) 22,58. 4. Bianca Williams (Gb) 22,68. 5. Mujinga Kambundji (Sz) 22,83 (SR/bisher 22,88 von Regula Anliker-Aebi/14. August 1988). 6. Jamile Samuel (Ho) 23,31. 7. Hanna-Maari Latvala (Fi) 23,48. Ausgeschieden: Dina Asher-Smith (Gb).

400 m: 1. Libania Grenot (It) 51,10. 2. Olga Semljak (Ukr) 51,36. 3. Indira Terrero (Sp) 51,38. 4. Christine Ohuruogu (Gb) 51,38. 5. Malgorzata Holub (Pol) 51,84. 6. Bianca Razor (Rum) 51,95.

1500 m: 1. Sifan Hassan (Ho) 4:04,18. 2. Abeba Aregawi (Sd) 4:05,08. 3. Laura Weightman (Gb) 4:06,32. 4. Renata Plis (Pol) 4:06,65. 5. Federica del Buono (It) 4:07,49. 6. Hannah England (Gb) 4:07,80.

Hammer: 1. Anita Wlodarczyk (Pol) 78,86 (JWB). 2. Martina Hrasnova (Slk) 74,66. 3. Joanna Fiodorow (Pol) 73,67. 4. Kathrin Klaas (De) 72,89. 5. Betty Heidler (De) 72,39. 6. Alexandra Tavernier (Fr) 70,32.

Siebenkampf: 1. Antoinette Nana Djimou (Fr) 6551 Punkte (100 m Hürden 13,05/Hoch 1,76/Kugel 14,35/200 m 24,52/Weit 6,25/Speer 54,18/800 m 2:15,22). 2. Nadine Boersen (Ho) 6498 (13,48/1,94/13,35/25,08/6,16/52,18/2:17,66). 3. Nafissatou Thiam (Be) 6423 (14,05/1,97/14,29/25,19/6,18/49,69/2:20,79). 4. Carolin Schäfer (De) 6395. 5. Lili Schwarzkopf (De) 6332. 6. Laura Ikauniece-Admidina (Lett) 6310. Ferner: 12. Valérie Reggel (Sz) 6091 (13,79/1,70/13,70/25,05/6,14/44,46/2:12,68). 13. Ellen Sprunger (Sz) 6082 (13,65/1,73/13,42/24,17/5,95/41,06/2:12,93). Aufgegeben: Linda Züblin (Sz) 4997 (13,60/1,67/13,17/26,02/5,97/45,28/-).

Vorläufe und Qualifikationen

Männer. 1500 m. Vorlauf. 1. Serie: 1. Henrik Ingebrigtsen (No) 3:39,32. - 2. Serie: 1. Chris O'Hare (Gb) 3:39,24. 11. Jan Hochstrasser (Sz) 3:43,89. - Hochstrasser als Gesamt-22. ausgeschieden.

Weit. Qualifikation. 1. Gruppe: 1. Louis Tsatoumas (Grie) 8,19. Ferner: 10. Yves Zellweger (Sz) 7,64. - 2. Gruppe: 1. Christian Reif (De) 8,02. - Zellweger als Gesamt-18. ausgeschieden.

Frauen. 3000 m Steeple. Vorlauf. 1. Serie: 1. Swiatlana Kudselitsch (WRuss) 9:46,89. Ferner: 5. Fabienne Schlumpf (Sz) 09:51,45. - 2. Serie: 1. Silvia Danekova (Bul) 9:51,67. Ferner: 11. Astrid Leutert (Sz) 10:15,29. - Schlumpf als Gesamt-5. im Final, Leutert als Gesamt-20. ausgeschieden.

Hoch. Qualifikation. 1. Gruppe: 1. Ruth Beitia (Sp) 1,89. - 2. Gruppe: 1. Marie-Laurence Jungfleisch (De) 1,89.

Kugel. Qualifikation: 1. Christina Schwanitz (De) 19,35.

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