Leichtathletik

Hürdenläufer Kariem Hussein nach Trainerwechsel: «Ich wollte einfach zurück in die Schweiz»

Der Wechsel und das Ankommen im neuen Umfeld brauchte Zeit.

Der Wechsel und das Ankommen im neuen Umfeld brauchte Zeit.

Der 31-jährige Hürdenläufer Kariem Hussein verfolgt seinen Weg konsequent. Im vergangenen Herbst kam er deshalb aus den Niederlanden zurück in die Schweiz und wechselte den Trainer. Die Rückkehr war für ihn ein Heimkommen.

Am 15. August 2014 veränderte sich das Leben von Kariem Hussein. Er wurde Europameister über 400 m Hürden. Und plötzlich stand dieser junge Thurgauer, der davor nie an einem Grossanlass startete, im Scheinwerferlicht. Wie er es dorthin geschafft hatte, das sah man nicht während des Rennens im Letzigrund. Man erahnte es jedoch am Tag davor. Monatelang hatten Hussein und sein damaliger Trainer Flavio Zberg die Stunden vor dem EM-Final geplant. Der Hürdenläufer wusste, was er essen würde. Der Termin mit dem Physiotherapeuten war abgemacht. Und es stand fest, dass Hussein sich ins Hotelzimmer zurückziehen würde. Das Handy legte er zudem beiseite. Hussein sagte an jenem Tag:

Hussein war nie zurückhaltend, was seine Ziele betrifft. Er strebt nach Höherem, macht alles dafür. Und wenn er nicht mehr hinter seinem Weg steht, im Job, im Sport, im Leben, dann macht er nicht halbherzig weiter. Er hört auf, beginnt etwas Neues. Da ist er konsequent. So war es auch im Herbst 2017, als er sich von Zberg trennte. Er konnte damals nicht mehr ganz hinter der Zusammenarbeit stehen. «99 Prozent reichen nicht», sagte Hussein damals. «Ich will schliesslich immer 100 Prozent geben.»

«Die anderen kochen auch nur mit Wasser»

Im vergangenen Herbst war Hussein an einem ähnlichen Punkt. Er trainierte zu jener Zeit in den Niederlanden unter Laurent Meuwly. Diese Erfahrung, einmal in seiner Karriere im Ausland zu leben und zu trainieren, war sein Wunsch gewesen. Ein Jahr pendelte er zwischen der Schweiz und dem Trainingszentrum Papendal bei Arnheim. Er will diese Zeit nicht missen, spricht davon, wie bereichernd es war, im Training von Kollegen gefordert zu werden. Und er sah damals, dass auch «die anderen Athleten nur mit Wasser kochen». Für ihn war das eine wichtige Feststellung. «Ich merkte auch, dass ich zu Hause bereits ein Umfeld hatte, das professionell arbeitet und wo die Wege kürzer sind», sagt der 31-jährige Hussein. Im letzten Herbst wurde ihm schliesslich klar, dass er nicht mehr dorthin gehört, dass es für ihn in Papendal keine Zukunft geben wird. Es war kein langer Prozess, kein Gefühl, das immer stärker wurde, kein ewiges Abwägen. Hussein hatte den Gedanken und nach ein, zwei Wochen hatte er sich entschieden. «Ich wollte einfach zurück in die Schweiz», sagt Hussein. So einfach ist es.

Kariem Hussein trainiert so wie früher im Stadion Letzigrund.

Kariem Hussein trainiert so wie früher im Stadion Letzigrund.

Die Rückkehr war für ihn ein Heimkommen. Hussein wohnt wieder in Tägerwilen, wo er aufwuchs und noch immer ein Haus besitzt. Die Trainings absolviert er im Stadion Letzigrund. Und obwohl vieles ist wie früher, brauchte der Wechsel und das Ankommen doch seine Zeit. Weil er nicht nur eine neue Umgebung bedeutete, sondern auch neue Trainer. Bei Meuwly zu bleiben, war für beide keine Option. «Es ist sehr schwierig, weitere Fortschritte zu machen, wenn der Trainer einfach aus der Ferne Trainingspläne macht», sagt Meuwly. Hussein sieht es ebenso: «Der Trainer muss mich sehen, mich spüren.» Also schaffte sich Hussein ein neues Trainingsumfeld. Eines, bei dem er im Mittelpunkt steht. «Ich brauche keine Trainingsgruppe um mich herum», sagt Hussein. «Ich habe es lieber, wenn der Fokus ganz auf mir liegt.»

Noch nicht da, wo er einst war

In Zürich wird Hussein nun von Helen Barnett-Burkart betreut, einer ehemaligen 400-m-Läuferin. Alle zehn Tage reist er zudem nach Stuttgart, wo er bei Sven Rees an der Technik feilt. Die beiden kennen sich schon länger, haben hin und wieder zusammen gearbeitet. Im Training hat sich durch den Wechsel einiges verändert, der Umfang etwa wurde reduziert. In den vergangenen Wochen ist Hussein angekommen in diesem neuen Leben.

Leistungsmässig ist Hussein allerdings noch nicht da, wo er einst war. Das liegt nicht alleine an der Coronapandemie. Die Verletzung, die er sich vor zwei Jahren zuzog und auch die vergangene Saison prägte, ist noch nicht ganz vergessen. Gewebe und Sehnen brauchen Zeit, bis sie ausheilen, funktionieren, wieder aufgebaut sind. «Ich bin heute wieder bei 93, 94 Prozent», sagt Hussein. Was das auf der Bahn bedeutet, wird sich am Freitag zeigen. Dann startet Hussein am Citius Champs in Bern über 400 m flach in die Saison.

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