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Hürdenläufer Dr. med. Kariem Hussein im Corona-Interview: Er spricht über Olympia, Fitness – und zögert bei Pandemie-Fragen

Gesund zuhause bleiben: die Tipps von Hürdenläufer Kariem Hussein

Gesund zuhause bleiben: die Tipps von Hürdenläufer Kariem Hussein

Kariem Hussein ist Europameister über 400 Meter Hürden und hat ein abgeschlossenes Studium als Mediziner. Im Gespräch verrät er, was das Coronavirus mit seinem Alltag macht und weshalb er froh ist, wenn er sich auch mal langweilen kann.

Kariem Hussein trainiert zurzeit alleine. Sein Trainer ist in Deutschland, besuchen darf ihn Hussein wegen der Coronakrise nicht. Draussen auf der Bahn dreht der Thurgauer seine Runden, sonst gibt es Kraftübungen zu Hause. Als einer der Athleten, die an den Olympischen Spielen an den Start gegangen wären, ist Hussein in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner.

Hand aufs Herz: Wie viele Videoanrufe hatten Sie in den letzten zwei Wochen?

Kariem Hussein: Mehr als je zuvor, auf jeden Fall. Ich schätze, so um die zehn. Es hält sich zum Glück noch in Grenzen.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Olympischen Spiele verschoben werden. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Zu sagen, ich hätte gewusst, dass dieser Schritt kommen wird, wäre wahrscheinlich gelogen. Aber es war absehbar. Von dem her habe ich es gelassen entgegengenommen.

Wie nehmen Sie die Gefühlslage bei den anderen Leichtathleten wahr?

Einen grossen Austausch gibt es nicht. Wenn, dann sehe ich etwas in den sozialen Medien. Ich muss auch sagen, dass ich es leid bin, mit anderen darüber zu reden. Es ist, wie es ist, man kann es nicht beeinflussen. Jeder versucht, sich zu arrangieren und irgendwie haben alle eine erträgliche Lösung gefunden.

Hat die Verschiebung Ihren Trainingsplan über den Haufen geworfen?

Nein, bei mir läuft alles normal weiter. Ich habe jetzt noch mehr Zeit für die Vorbereitung. Ich rechne nach wie vor damit, dass es eine Sommersaison geben wird. Sie wird einfach kürzer sein als sonst.

Was hatten Sie sich sportlich für die Olympischen Spiele vorgenommen?

Mein Ziel ist die Finalteilnahme. Daran ändert sich auch für 2021 nichts. Im Gegenteil, es ist sogar noch realistischer, das im nächsten Jahr zu schaffen, weil ich gerade aus einer Verletzung herauskomme.

Sein bislang grösster Moment: 2014 wird Hussein im Letzigrund Europameister über 400 Meter Hürden.

Sein bislang grösster Moment: 2014 wird Hussein im Letzigrund Europameister über 400 Meter Hürden.

Sie sind nicht nur Sportler, sondern auch Arzt. Da will doch bestimmt jeder von Ihnen eine Einschätzung zum Verlauf der Corona-Pandemie haben.

Ja, das kommt vor. Mir ist klar, dass die Menschen aufgrund meines Backgrounds auf mich zukommen, mehr als vielleicht auf andere Athleten. Meine Antwort ist immer: Schaut, ich bin kein Experte. Ich bin kein Immunologe, kein Epidemiologe. Auch wenn ich Medizin studiert habe, will ich mich in Gesprächen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, weil ich schlichtweg zu wenig über das Virus weiss.

Wurden Sie von Spitälern angefragt, um als medizinische Assistenz auszuhelfen?

Nein, noch nicht. Im Moment gibt es genügend Freiwillige. Wenn Not am Mann ist, würde ich sicher einspringen und dort helfen, wo ich kann.

Seine 17000 Follower auf Instagram bedient Kariem Hussein regelmässig mit Videos aus seinem Trainingsprogramm. Auf seiner Website «My Home Workout» können registrierte Benutzer Übungen mitmachen und ihren Körper stählen wie der Europameister über 400 Meter Hürden.

Sportlerkollegen wie Nino Schurter zeigen auf SRF Turnübungen vor. Sie gehen einen anderen Weg und haben gleich eine eigene Website aufgeschaltet. Wie kam es dazu?

In den sozialen Medien haben mich viele gefragt, ob ich ihnen Übungen zeigen kann. Da habe ich entschieden: Wenn sich 1000 Leute registrieren, mache ich eine Homepage und lade Videos hoch. Der Aufwand war riesig. Aber es ist cool zu sehen, dass die Menschen Freude daran haben. Hoffentlich motiviert es einige dazu, sich mehr zu bewegen.

Stichwort Bewegung: Wie hält man sich denn in den eigenen vier Wänden fit?

Am besten nutzt du alles, was zu Hause rumliegt. Wenn du keine schweren Gewichte hast, kannst du auch Bücher in einen Rucksack packen und den anziehen. Wichtig ist, die Beine zu bewegen. Mein Trick ist, dass ich mir alle 30 Minuten einen Wecker stelle und dann einfach im Haus herumlaufe.

Viele wollen die Zeit auch dazu nutzen, sich endlich einmal gesund zu ernähren. Wie schafft man das?

Indem man beim Einfachen anfängt: Viel Wasser trinken, Zuckergehalt reduzieren, weniger Getreide und weniger Milchprodukte essen. Jetzt hat man die Chance, sich fürs Kochen Zeit zu nehmen und Sachen auszuprobieren. Den Alkohol kann man auch mal weglassen.

Was soll man aus Ihrer Sicht auf keinen Fall zu sich nehmen?


Ich masse mir nicht an, zu sagen, was man soll und was nicht. Das ist jedem selbst überlassen. Was ich schade finde, ist, dass bei den Hamsterkäufen in den Supermärkten Pasta als erstes vergriffen war. Wenn jetzt Haferflocken ausgegangen wären oder Linsen, hätte ich das persönlich schöner gefunden.

Ihr Alltag wirkt noch immer ziemlich durchgetaktet. Gibt es Phasen, in denen Ihnen auch mal langweilig ist?

Bei mir war tatsächlich viel los in letzter Zeit. Aber diese langweiligen Momente gibt es schon auch. Ich versuche, sie anzunehmen und zu geniessen.

Ist Netflix auch ein Thema bei Ihnen?

Gerade nicht. Die Serien, die mich interessieren, habe ich alle durch. Ist wahrscheinlich auch besser so.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie Fan von Manchester United sind.

Genau, das darf ich momentan aber nicht zu laut sagen.

Nun wäre doch die perfekte Gelegenheit, wieder einmal in Erinnerungen zu schwelgen und sich alte glorreiche Spiele anzuschauen, oder?

Nein, das ist gar nichts für mich. Das wäre pure Zeitverschwendung, mir ein Spiel anzusehen, von dem ich das Resultat schon kenne.

Dann sind Sie also kein Nostalgiker?

Wenn ich mir die schönsten Szenen in zwei Minuten zusammengefasst anschauen kann, dann schon.

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