Orientierungslauf
Hubmann und Hauswirth mit starkem Abschluss des OL-Weltcup-Auftakts

Daniel Hubmann und Sabine Hauswirth liefen auf der abschliessenden Langdistanz des Weltcupblocks in Finnland stark. Hubmann wurde undankbarer Vierter, Hauswirth beendete die Minitour auf dem fünften Rang.

Raffael Huber
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Die Schweizer OL-Läufer durften mit sich zufrieden sein.

Die Schweizer OL-Läufer durften mit sich zufrieden sein.

Swiss Orienteering

Bei den Frauen startete Sabine Hauswirth nach ihren starken Leistungen der Vortage als Vierte in sehr aussichtsreicher Position, nur etwas mehr als eine Minute hinter der Gesamtführenden Maja Alm aus Dänemark. Unmittelbar nach Hauswirth startete die Favoritin für den Gesamtsieg, Tove Alexandersson aus Schweden. Nach gutem Start war Hauswirth zusammen mit Natalia Gemperle aus Russland und Alexandersson unterwegs. Dann unterlief ihr bei den Gabelungsposten ein Parallelfehler. „Ich kam an der falschen Stelle in den Hang, wo mein Posten an einem Fels stehen sollte und wusste im ersten Moment nicht genau, ob ich zu weit rechts oder links war", analysiert Hauswirth ihren Fehler. Sie verlor den Kontakt zu Alexandersson, die ihrerseits zu den führenden zwei Frauen aufschloss. Fortan lief Hauswirth ein beherztes Rennen in der Verfolgergruppe, konnte aber die Lücke nach vorne nicht mehr schliessen und kam am Ende als gute Fünfte ins Ziel. An der Spitze war es ein Dreikampf bis zum Schluss mit dem besten Ausgang für Tove Alexandersson, die sich vor ihrer Teamkollegin aus Schweden, Helena Jansson und der Dänin Maja Alm durchsetzte.

Julia Gross lief ebenfalls ein sehr gutes Rennen und verbesserte sich im Gesamtklassement von Rang 20. auf den 12. Schlussrang. „Es war ein sehr hartes Rennen. Im zweiten Teil übernahm ich oft die Initiative in unserer Gruppe und hatte bis zum Schluss alles unter Kontrolle", sagt Gross zu ihrer Aufholjagd. Sie war lange in der gleichen Gruppe wie Elena Roos unterwegs. Roos verfügte am Schluss aber nicht mehr über die selben Kräfte wie Gross und wurde 20., sieben Ränge besser als sie gestartet war. „Ich startete sehr offensiv und büsste am Ende etwas dafür", resümiert Roos.

Im Männerrennen war die Ausgangslage für die Schweizer ebenfalls sehr vielversprechend. Matthias Kyburz startete als Zweiter 29 Sekunden hinter dem Führenden Schweden Martin Regborn, Daniel Hubmann hatte als Siebter zwei Minuten Rückstand auf die Spitze am Start. Kyburz startete sehr schnell und fehlerfrei und schloss dadurch zu Regborn auf.
Bei den Gabelungsposten folgten dann aber einige kleinere Zeitverluste, sodass Kyburz den Kontakt zu Regborn auf dem bald folgenden längsten Postenabschnitt zuerst wieder herstellen musste. Die grosse Umlaufroute, welche die zwei Führenden wählten, erwies sich allerdings als schlecht und ermöglichte es den zwei Schweden Emil Svensk und William Lind vorbei zu ziehen. „Ich wollte die Route ursprünglich im zweiten Teil anders laufen, liess mich aber von Regborn beeinflussen", meint Kyburz dazu. Die beiden landeten in der zweiten Gruppe, zusammen mit Daniel Hubmann und drei weiteren Athleten.
Auf der Schlussrunde versagten die Nerven der Führenden und ein Fehler ermöglichte es den Verfolgern nochmals aufzuschliessen. So kam es zum grossen Schlusskampf zwischen acht Athleten. Die grössten Reserven hatte der Norweger Magne Daehli, der sich mit einem sehr starken Rennen von Position 16 bis an die Spitze kämpfte. Hinter ihm kamen die Schweden William Lind und Emil Svensk ins Ziel. Auf dem undankbaren Vierten Platz überquerte Daniel Hubmann die Zielline. „In den letzten Aufstiegen fühlte ich mich sehr gut und ging in die Offensive. Zum zweitletzten Posten versuchte ich eine andere Linie, setzte sie aber nicht optimal um und vergab so die Chance auf den Podestplatz. Vierter ist ein guter Abschluss, aber ich wäre diese Woche gerne mal auf das Podest gelaufen", berichtet Hubmann.
Seinem Landsmann Matthias Kyburz fehlte am Schluss die Kraft und so musste er sich mit Rang Sieben begnügen. „Auf der Schlussrunde hatte ich nicht mehr viel zu bestellen. Mich plagten Krämpfe und ich versuchte nur noch, irgendwie mit der Gruppe ins Ziel zu kommen", schildert der Sprintzweite. Ein erneut sehr starkes Rennen lief Florian Schneider, der sich vom 33. auf den 18. Rang nach vorne arbeitete. „Am Anfang erwischte ich eine sehr gute Gruppe, arbeitete im Mittelteil dann aber viel alleine. Es war ein spezielles Gefühl immer wieder Topläufer zu sehen und mich am Ende mitten in der Weltspitze wieder zu finden", so der sehr zufriedene Berner.
Text: Raffael Huber, Bilder: Beat Meier

Das sagen die Beteiligten:

Sabine Hauswirth (5. Rang): „Ich bin zufrieden auch wenn es toll gewesen wäre auf das Podest zu laufen. Der Abstand nach vorne war aber am Ende gross. Nebst dem Fehler im Gabelungssystem und einem kurzen Zeitverlust nach dem Kartenwechsel bin ich gut gelaufen. Auf Schlussrunde habe ich mich immer noch frisch gefühlt und konnte Druck ausüben. Es ware eine tolle Langdistanz mit verschiedenen Partien, schön Hügel und hässlichere Gebiete wechselten sich ab und am Schluss forderten einem die steilen Aufstiege alles ab. Anders als in anderen Jahren hatte ich jedoch das Gefühl, physisch sehr gut bereit zu sein."

Julia Gross (12. Rang): „Es war sehr hart. Ich habe versucht mich am Anfant an die vor mir gestarteten Läuferinnen heran zu saugen, wurde dann aber zuerst von hinten aufgeholt. In den Gabelungsposten habe ich gepusht und auch fortan die Initiative übernommen und die Kontrolle bis zum Schluss behalten. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Abschluss."
Elena Roos (20. Rang): „Ich startete sehr offensiv und büsste am Ende etwas dafür. Zum zweitletzten Posten machte ich einen kleinen Fehler."
Daniel Hubmann (4. Rang): „Am Anfang war ich in einer Gruppe unterwegs und es bot sich nie wirklich die Gelegenheit auszubrechen. Auf der Schlussrunde fühlte ich mich sehr gut und ging in die Offensive. Zum zweitletzten Posten versuchte ich eine andere Linie, setzte sie aber nicht optimal um und vergab so die Chance einen Podestplatz. Vierter ist ein guter Abschluss aber ich wäre gerne mal aufs Podest gelaufen diese Woche."
Matthias Kyburz (7. Rang): „Der Anfang war gut und ich konnte Regborn aufholen. Bei der langen Route wollte ich links laufen und dann in der Hälfte der Strecke Richtung Posten ziehen, bin dann aber wegen Regborn weiter links geblieben. Auf Schlussrunde hatte keine Chance und Krämpfe. Ich versuchte nur noch in der Gruppe zu bleiben und schaute kaum mehr auf die Karte. Alles in allem war die Tour zufriedenstellend, ich habe kaum einen Fehler zu beklagen."
Florian Schneider (18. Rang): „Es war super. Zu Beginn erwischte ich eine sehr gute Gruppe und konnte von den anderen Athleten profitieren. Ich sah bald mal Florian Howald, was mich überraschte. In den Gabelungsposten habe ich viel selbst gearbeitet. Ich sah immer wieder Topläufer und war überrascht, mich plötzlich mitten in der Weltspitze wieder zu finden. Ganz am Ende fehlte mir etwas die Kraft."

Resultate:

Frauen: 11.1km, 475m Steigung, 23 Posten
1. Tove Alexandersson; 1:17:27
2. Helena Jansson; +0:27
3. Maja Alm; +0:31
5. Sabine Hauswirth; +5:15

Die weiteren Schweizerinnen:
12. Julia Gross; +6:41
20. Elena Roos; +9:05
28. Sarina Jenzer; +16:48
31. Martina Ruch; +17:15

Männer: 15.3km, 625m Steigung, 29 Posten
1. Magne Daehli (NOR); 1:30:03
2. William Lind (SWE); +0:02
3. Emil Svensk (SWE); +0:05
4. Daniel Hubmann; +0:14

Die weiteren Schweizer:
7. Matthias Kyburz; +0:35
18. Florian Schneider; +6:41
26. Florian Howald; +10:25
27. Jonas Egger; +10:27
36. Martin Hubmann; +13:42
38. Christoph Meier; +13:46

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