Tennis
Hoffnungsträger Taylor Fritz soll die serbelnde US-Tennisnation in eine bessere Zukunft führen

Der ehrgeizige Teenager will sich einst zur Nummer 1 der Welt krönen lassen. In Amerika wird er bereits mit Tennisgrössen wie John McEnroe verglichen. Fritz lässt dies jedoch kalt.

Marcel Kuchta
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Entschlossen: Taylor Fritz will ganz nach oben.

Entschlossen: Taylor Fritz will ganz nach oben.

Keystone

Wer noch keine 19 Jahre alt und bereits unter der Haube ist, der macht automatisch neugierig. «Weshalb ich schon verheiratet bin? Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht mehr hören», bemerkt Taylor Fritz leicht genervt.

Im Sommer hat er seine ebenfalls erst 18-jährige Freundin Raquel Pedraza, auch sie ist Tennisprofi, geehelicht. «Man kann uns beide nicht mit normalen Teenagern vergleichen. Wir haben seit Jahren einen ganz anderen Lebensstil», verriet er kürzlich in einem anderen Interview.

Taylor Fritz ist wahrlich kein normaler Teenager. Als er zwölf Jahre alt war, da deutete nicht viel auf eine grosse Tenniskarriere hin. «Damals wollte ich einfach Sportprofi werden. Und dachte, dass ich es durch irgendeinen Zauber auch irgendwie schaffe», blickt er lächelnd zurück.

Karrierestart mit 15

Nicht mal sein Vater traute ihm zu, dass er dereinst auf der Profitour spielen kann. «Ich war auch wirklich nicht besonders gut», sagt Fritz, der damals in seiner Heimat in der Nähe von San Diego nicht nur Tennis spielte, sondern auch noch Basketball, American Football, Baseball, Fussball – «so ziemlich jede Sportart, die man bei uns betreiben konnte.»

Auf dem Tennisplatz fühlt Fritz sich zuhause.

Auf dem Tennisplatz fühlt Fritz sich zuhause.

Keystone

Erst als er 15 Jahre alt war und das Aufgebot für ein zweimonatiges Talent-Trainingslager des US-Tennisverbands erhielt («Ich war vermutlich derjenige der 16 Spieler, den sie an letzter Stelle genommen haben»), ging es mit seiner Karriere steil bergauf. «Ich trainierte erstmals voll und konnte plötzlich mit Gegnern mithalten, gegen die ich vorher chancenlos gewesen war», erinnert sich Taylor Fritz an die wohl entscheidende Phase seiner bisherigen Tennis-Laufbahn.

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. 2014 stand er im Final des Juniorenturniers der US-Open, 2015 gewann er es. Und 2016 folgte dann auch gleich der Durchbruch auf der Profitour. In Memphis, wo er dank einer Wild Card antreten durfte, erreichte er im Februar den Final, wo er gegen Kei Nishikori unterlag. In der Weltrangliste folgte der Aufstieg auf Platz 63.

Stillstand seit dem Exploit

Seit dem Exploit in Memphis kam Taylor Fritz nicht mehr wirklich vom Fleck und schied bei jedem Turnier in der ersten oder zweiten Runde aus. «Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich jetzt auf Platz 73 der Weltrangliste stehe, wäre ich glücklich gewesen. So, wie die Saison jetzt gelaufen ist, kann ich aber nicht zufrieden sein», sagt er unverblümt.

Da blitzt er auf, der Ehrgeiz des Teenagers, der sich vorgenommen hat, dereinst die Weltnummer eins zu werden. «Ich setze mir immer hohe Ziele», unterstreicht Fritz, dessen Mutter Kathy (May) in den 1970er-Jahren selbst Tennisprofi gewesen war.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.
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6 offizielle Schiedsrichter 6 Hauptschiedsrichter sind auf den beiden Plätzen während des gesamten Turniers im Einsatz. Sie werden von 70 Linienrichtern, sogenannten Linesmen, unterstützt. Um alle Linien im Blick zu haben, sind immer neun Linesmen gleichzeitig auf dem Court, die wie auch die Ballkinder nach einer Stunde abgelöst werden.
2 151 985 Euro Preisgeld 2 151 985 Euro Preisgeld werden an den Swiss Indoors ausgeschüttet. Der Sieger bekommt alleine 387 100 Euro und damit mehr als die gesamte Doppelkonkurrenz (330 800 Euro). Zusätzlich gibt es für den Sieger auch 500 ATP-Weltranglistenpunkte.
9200 Zuschauer 9200 Zuschauer finden auf dem Centre-Court Platz. An neun Turniertagen strömten im letzten Jahr insgesamt 71 600 Tennisfans in die St.-Jakobshalle. Der Rekord aus dem Jahr 2012 liegt bei 72 300 Zuschauern. Man darf gespannt sein, wie sich das Fehlen von Roger Federer in diesem Jahr auf die Besucherzahl auswirkt.
10 000 Cüpli Tennis wird nach wie vor vom Flair der Reichen und Schönen geprägt. Champagner und Sekt stehen an der Tagesordnung. Schätzungen zu Folge werde im Laufe der Woche 10 000 Cüpli geleert.
Centre Court aus 275 Holzplatten Der Centre-Court ist ein riesiges Puzzle aus 275 Holzplatten. Die Platten werden zwischen den Turnieren gelagert und können zwei bis drei Mal wiederverwendet werden. Der blaue Farbbelag wird jährlich erneuert.
1300 VIP-Besucher 1300 VIP-Besucher werden pro Tag erwartet. Diese geniessen aus den Logen und dem Bereich direkt hinter den Grundlinien den besten Blick aufs Spielfeld und haben unter anderem Zugang zum Tennisdorf und zum kleinen Village, wo schon so manches Geschäft abgewickelt wurde.
60 Ballkinder 60 Ballkinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren, die jedoch nicht grösser als 1,65 Meter sein dürfen, sind an den Swiss Indoors im Einsatz. Im Laufe des Turniers werden die besten ausgewählt, die dann im Final auf dem Platz stehen dürfen. Ob Roger Federer in diesem Jahr trotz sportlicher Abstinenz nach dem Final die traditionelle Pizza mit den Ballkindern verspeist?
4500 Tennisbälle 4500 Tennisbälle der Marke Head wurden vom Veranstalter bestellt. Diese wiegen zwischen 56 und 59,4 Gramm und kommen in 43 Einzelpartien, 16 Doppelpartien und im Training zum Einsatz. Während der Partien sind für die ersten sieben Games und dann immer für neun Games jeweils dieselben sechs Bälle im Spiel, ehe sie ausgetauscht werden.
8000 Logiernächte 8000 zusätzliche Logiernächte bringen die Swiss Indoors der Stadt Basel. Während der Turnierwoche ist rund jeder vierte Basler Hotelgast ein Besucher des Tennisspektakels in der St.-Jakobshalle. In der Nacht vor dem Final wurden in den letzten Jahren jeweils mit Abstand die meisten Logiernächte im Oktober registriert. Dennoch ist die Hotellerie in Basel während des Turniers nur zu 72% ausgelastet. Dieser Wert liegt aber immerhin 3% über dem Oktoberschnitt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.

Getty Images/iStockphoto

In seiner Heimat wäre man noch so froh, wenn sich nach über einem Jahrzehnt voller Mittelmass tatsächlich mal wieder ein US-Profi ganz an der Spitze der Weltrangliste platzieren würde. Seit Andy Roddick im Februar 2004 auf Platz 1 stand, sucht man in der stolzen Tennisnation vergeblich nach einem Nachfolger.

Wenig erstaunlich ist die Tatsache, dass nach Taylor Fritz’ enormen Fortschritten die Hype-Maschinerie unheimlich schnell in die Gänge kam. Er gilt als der nächste Hoffnungsträger einer Tennisnation, die nach den erfolgreichen Jahrzehnten mit Weltklasseleuten wie John McEnroe, Jimmy Connors, Jim Courier, Pete Sampras, Andre Agassi und Andy Roddick in eine eigentliche Identitätskrise geschlittert ist.

Taylor Fritz lässt sich durch die enorme Erwartungshaltung zumindest gegen aussen nicht gross beeindrucken: «Natürlich schaut man vermehrt auf mich. Aber das kümmert mich nicht. Ich spiele für mich und für niemanden sonst.»

Mit dem Idol, gegen Federer

Trotzdem ist klar, dass eines der beiden grossen Vorbilder von Taylor Fritz einer der alten Garde ist. Pete Sampras ist der Mann, der ihn besonders beeindruckt hat. Sein zweites Idol ist Juan Martín del Potro, um den sich auch eine lustige Episode in Fritz’ Leben dreht. Als er in der 5. Klasse im Computerkurs sass, da schaute er sich zusammen mit einem Kollegen heimlich den US-Open-Final zwischen del Potro und Roger Federer an.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.
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Milos Raonic ATP: 4; Alter: 25; Siege 2016: 47; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,880,233; Preisgeld Karriere: $12,712,216.
Kei Nishikori ATP: 5; Alter: 26; Siege 2016: 52; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,715,751; Preisgeld Karriere: $15,043,162.
Marin Cilic ATP: 11; Alter: 28; Siege 2016: 39; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $2,035,943; Preisgeld Karriere: $15,486,053.
David Goffin ATP: 12; Alter: 25; Siege 2016: 45; Niederlagen 2016: 21; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,862,255; Preisgeld Karriere: $4,650,665.
Grigor Dimitrov ATP: 18; Alter: 25; Siege 2016: 36; Niederlagen 2016: 23; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,519,436; Preisgeld Karriere: $7,362,022.
Richard Gasquet ATP: 19; Alter: 30; Siege 2016: 30; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $1,124,945; Preisgeld Karriere: $14,633,471.
Jack Sock ATP: 23; Alter: 24; Siege 2016: 29; Niederlagen 2016: 18; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,034,792; Preisgeld Karriere: $4,501,756.
Marcos Baghdatis ATP: 35; Alter: 31; Siege 2016: 25; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $900,983; Preisgeld Karriere: $7,581,490.
Pablo Carreno Busta ATP: 36; Alter: 25; Siege 2016: 34; Niederlagen 2016: 24; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $810,918; Preisgeld Karriere: $2,550,038.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.

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«Leider hat uns der Lehrer nach ein paar Punkten erwischt, weil er vorne die Bildschirme aller Schüler überwachen konnte», erinnert er sich lachend. Das verrückte an der Geschichte: In diesem Jahr spielte Taylor Fritz beim ATP-Turnier in Stuttgart an der Seite von seinem Idol del Potro Doppel – und traf im selben Turnier im Einzel auf Federer (gegen den er knapp verlor).

«Das war wirklich ein unglaublicher Zufall», erzählt der bald 19-Jährige, der am Freitag Geburtstag hat. Ob er ihn noch in Basel feiern kann? Dazu wären nach der Durststrecke mal wieder ein paar Exploits nötig. Heute trifft er auf den Qualifikanten Mischa Zverev. Und Amerika schaut gespannt zu.