Kommentar
Hoffen auf Zugs Titel

Welcher Goalie wird an der Heim-WM im kommenden Jahr im Tor stehen? Vielleicht gibt der Playoff-Final die Antwort auf diese für einmal ziemlich schwierige Frage.

Klaus Zaugg
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Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Hockey (seit 1908) hat der Nationaltrainer ein Goalieproblem. Die Debatte brauchen wir ja hier nicht zu führen, wie wichtig ein grosser Torhüter an der Heim-WM im Mai sein wird. Einen grossen letzten Mann für unser WM-Team zu finden, war noch nie ein Problem. Der nationale Trainer konnte seit Anbeginn der Zeiten sogar aus mehreren auswählen. Ob Hans Bänninger oder Jean Ayer, Werner Bassani oder René Kiener, Gérald Rigolet oder Alfio Molina, Renato Tosio oder Reto Pavoni, Jonas Hiller oder Martin Gerber, Leonardo Genoni oder Reto Berra war einerlei. Einer war immer Weltklasse. Aber jetzt?

Nehmen wir an, Patrick Fischer wäre ein Kanadier – Pat Fisher – und hätte keine Kenntnis von unserer Hockey-Historie. Er wäre einfach im Herbst gekommen und müsste sich bei der Reise durch unsere Stadien nun Gedanken machen, wen er für die WM in Zürich ins Tor stellt. Weil er nichts von Leonardo Genonis und Reto Berras ruhmreicher Vergangenheit weiss, denkt er für die WM mit ziemlicher Sicherheit an Rapperswils Melvin Nyffeler und vielleicht, aber nur vielleicht an Reto Berra. Aber ist Reto Berra noch ein charismatischer, grosser Goalie wie damals im WM-Halbfinal von 2013? Eher nicht. Leonardo Genoni, der WM-Finalheld von 2018? Ausser Form. Kein Thema. Kann das sein? Es ist nachgerade eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen, Zugs Torhüter für die WM nicht als gesetzt zu erachten.

Unser WM-Schicksal wird entschieden, bevor nur der erste Puck für diese Titelkämpfe eingeworfen wird. Einer unserer bewährten WM-Helden muss in den nächsten vier Monaten seine Höchstform finden. So gesehen müssen wir uns eigentlich einen Final zwischen Zug und Gottéron wünschen. Im Idealfall, damit das Selbstvertrauen auch die letzten Dämonen des Zweifels vertreibt, hext Leonardo Genoni die Zuger in einem dramatischen Final mit einem 1:0 in der 189 Minute im siebten Spiel zum Meistertitel. Dann wissen wir: Leonardo Genoni und Reto Berra sind in höchster Hochform. Dann kann sich Patrick Fischer nicht mehr irren. Dann schaffen wir mindestens den WM-Halbfinal. Aber es ist noch nicht ganz sicher, dass Zug Meister und Gottéron Finalist wird.

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