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Hoarau will YB nicht in die Komfort-Zone geraten lassen

YBs Leader ist bekannt für seine coolen Sprüche und lockere Art. Doch der 31-Jährige kann viel mehr, als nur Leute zum Lachen bringen. Mit YB packt er die neue Saison an und will seit 1987 endlich wieder einen Titel in die Hauptstadt bringen.

Marcel Kuchta, Bern
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Guillaume Hoarau will YB zum ersten Titel seit 1987 führen.

Guillaume Hoarau will YB zum ersten Titel seit 1987 führen.

Keystone

Die Szene spricht Bände: Am offiziellen Medientermin vor dem Saisonstart erwarten die Journalisten die Mannschaft der Berner Young Boys zum Stehlunch. Schliesslich erscheinen die Spieler, angeführt von einem strahlenden Guillaume Hoarau. «Hallo zusammen, die Schweiz ist ein wunderschönes Land», verkündet er lauthals. Hinter ihm ertönt schallendes Gelächter.

Gute-Laune-Onkel Hoarau zaubert ein Lachen auf die Gesichter seiner Mitspieler. Der schlaksige Franzose verströmt eine Mischung aus Gelassenheit, Humor und Selbstvertrauen, die hierzulande selten zu sehen ist. Man spürt: Das ist ein Mann, der seine Kameraden mitzureissen vermag. Fast logisch, wurde er von Trainer Uli Forte zusammen mit Milan Vilotic zum Assistenz-Captain ernannt.

Denn Guillaume Hoarau soll mehr sein als der Gute-Laune-Onkel, der den Clown spielt. Seine primäre Aufgabe und Kernkompetenz ist es, die wichtigen Tore zu schiessen für die Berner Young Boys. Und zwar möglichst viele. In der letzten Spielzeit traf er in 28 Partien 17 Mal ins Schwarze. Der Mann von der Insel La Réunion spielte sich nach seiner Ankunft im September 2014 flugs in die Herzen der Anhänger und sorgte gar für Hochstimmung im beschaulichen Bern, als er im April seine Unterschrift unter einen Dreijahresvertrag setzte.

Den Verlierermief abstreifen

Auf den 1,92 Meter grossen Stürmer vereinen sich nun die Sehnsüchte und Hoffnungen eines Vereins, der seit 1987 keinen Titel mehr gewonnen hat und in dem sich der Verlierermief tief eingenistet hat. Guillaume Hoarau soll der Mann sein, der mit seiner fröhlichen, unbelasteten Art den Weg nach ganz oben weist.

Die Nummer 99 der Young Boys ist sich der Erwartungshaltung bewusst. Er weiss, dass viele Augen auf ihn gerichtet sind. Und doch scheint der Druck von aussen an ihm abzuperlen. «Ich fühle mich in dieser Mannschaft sehr wohl. Darum habe ich einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Ich will dieses Abenteuer miterleben», sagt Hoarau, der in seiner Leaderrolle sichtlich aufgeht.

Er ist sich aber bewusst, dass Gefahren lauern, die auch ihn aus der Bahn werfen könnten: «Das Leben in der Schweiz ist schön und ich kann hier ohne negativen Druck spielen. Aber ich muss als gutes Beispiel vorangehen, darf nicht in die Komfort-Zone geraten. Auch wenn das menschlich ist. Das gilt für jeden Spieler in diesem Team.» Die Komfort-Zone, die im Moment des Scheiterns oft die Wurzel allen Übels ist, wollen die Berner meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das Verlierergespenst soll endgültig aus den Katakomben des Stade de Suisse vertrieben werden.

Auch Hoarau hat die Zeichen der Zeit erkannt: «Alle haben es satt, zu hören, dass man so lange auf einen Titel wartet. Aber dann müssen wir Spieler es auf dem Feld zeigen. Wir wissen alle, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, die etwas erreichen kann.»

Mit Bob Marley zum Erfolg

Der YB-Goalgetter denkt dabei nicht nur an die Meisterschaft, sondern auch an die Champions League, in welcher die Berner in zwei Wochen in der Qualifikation antreten müssen und dabei auf die AS Monaco treffen – eine schwierige Aufgabe. Doch der 31-Jährige sagt: «Gelingt uns eine Überraschung, dann können wir in der Schweiz ein Ausrufezeichen setzen.» So redet einer, der viel Vertrauen in seine Mitspieler und seine eigenen Fähigkeiten hat – und der die Young Boys in neue Höhen führen kann.

Dann also noch eine letzte Frage an Guillaume Hoarau: Wenn er ein Lied von seinem Lieblingsmusiker Bob Marley aussuchen dürfte, welches die Situation der Young Boys am besten beschreibt, welches würde er wählen? Ein kurzer Blick in die komplette Marley-Sammlung auf dem Smartphone genügt. Er sagt lächelnd: «‹Get up, stand up› würde gut passen.»

Übersetzt lautet der Refrain eines der bekanntesten Lieder des jamaikanischen Reggae-Gotts: «Komm hoch, steh auf, kämpfe für dein Recht. Komm hoch, steh auf, gib den Kampf nicht auf.»

Besser könnte man das Streben der Berner nach einem Titelgewinn kaum umschreiben.

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