Spengler Cup
Historischer Sieg für die Schweiz beim Spengler-Cup-Auftakt: 6:1 gegen Dinamo Riga

Patrick Fischer rockt mit der Nationalmannschaft den Spengler Cup. 6:1 (mit 33:15 Torschüssen) gegen Dinamo Riga aus der grossrussischen KHL! Die erste Hockey-Party für «Party-Patrick». Was als Kompliment und ohne Ironie gemeint ist.

Klaus Zaugg
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Patrick Fischer gewinnt mit der Nationalmannschaft das Auftaktspiel des Spengler Cups gegen Dinamo Riga. Keystone

Patrick Fischer gewinnt mit der Nationalmannschaft das Auftaktspiel des Spengler Cups gegen Dinamo Riga. Keystone

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Die emmentalische Hardrockband Shakra hatte auf dem Eis die Stimmung bei der kurzen Eröffnungsfeier angeheizt. Kaum sind die Instrumente vom Eis geschoben, stürmen die Schweizer herein und anschliessend fegen sie den Gegner im besten Wortsinne vom Eis. Bereits nach 3:39 Minuten steht es 2:0 und der lettische Coach wechselt den Torhüter. Spengler-Cup-Hockey in Reinkultur. Das Spektakel ist entschieden, bevor es richtig begonnen hat, und es gibt nie die geringsten Zweifel, wer diese Partie gewinnen wird.

Die Schweizer zelebrieren jenes offensive, dynamische Hockey, das Nationaltrainer Patrick Fischer fordert und, wenn es denn umgesetzt werden kann wie gestern, zum offensiven Party-Hockey wird. Nie mehr seit der WM 2009 in Bern und Zürich hat die Nationalmannschaft in der Schweiz vor einer so stimmungsvollen Kulisse gespielt. Und noch selten in der Neuzeit gab es so wenig defensiven Widerstand.

Es ist ein historischer Sieg

Die Schweiz hatte an diesem Turnier seit 1964 erst 5 von 38 Partien gewonnen. Den höchsten Sieg gab es 1976 zum Auftakt bei einem 6:3 gegen Japan. Aber welchen sportlichen Wert können wir diesem Spektakelsieg zumessen? Captain Raphael Diaz sagt, diese Partie gegen ein Klubteam sei anders gewesen als ein normales Länderspiel. «Bei einem Länderspiel wird defensiver gespielt und wir haben weniger Platz.» Es ist dies eben der Unterschied zwischen Spengler-Cup-Hockey und «richtigem», internationalen Hockey.

Die Schweiz gewinnt das Start-Spiel des Spengler Cup. epa06406150 Players of Team Suisse celebrate after Eric Blum scored 1-0, during the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 26, 2017. EPA/GIAN EHRENZELLER

Die Schweiz gewinnt das Start-Spiel des Spengler Cup. epa06406150 Players of Team Suisse celebrate after Eric Blum scored 1-0, during the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 26, 2017. EPA/GIAN EHRENZELLER

GIAN EHRENZELLER

Holen wir zu dieser Frage des Stellenwertes noch eine neutrale Meinung ein. Interessierter Beobachter auf der Tribüne war Dave King. Der 70-jährige Kanadier kennt die internationale Hockeywelt, coachte Team Kanada schon in den 1980er-Jahren, war Cheftrainer in der NHL und in der KHL. Er gehört in seinem Land zu den meistrespektierten Hockeypersönlichkeiten und gehört jetzt wieder zum Coaching-Team der Kanadier.

Unangenehmer Gegner

Er macht einen interessanten Vergleich. «Die Schweizer waren schon vor 30 Jahren ein unangenehmer Gegner. Aber immer schien es, als wüssten sie tief im Herzen, dass es am Ende gegen uns oder einen anderen Grossen nicht reichen wird. Das ist heute ganz anders. Die Schweizer sind nicht nur viel besser geworden. Sie haben jetzt eine Generation, die keine Angst mehr vor den Grossen hat und weiss, dass sie alles erreichen kann.

Drei SCB-Kanadier beim olympischen Turnier?

Die Kanadier stecken nach wie vor in der «Findungsphase» fürs olympische Turnier. Dave King, der Erfahrenste im Coaching-Team (er führte Kanada 1992 zu Olympia-Silber) wird wohl in den Selektions-Diskussionen das letzte Wort haben. Er sagt: «Wir haben immer noch rund 40 Kandidaten. Aus dem Team beim Spengler Cup werden wohl sechs bis acht Spieler ins Olympiateam kommen.» Die Kanadier werden ihre Olympia-Mannschaft bereits Mitte Januar nominieren, also vor dem vom internationalen Verband festgesetzten Termin vom 21. Januar. Gemäss Dave King haben vier bis sieben Kanadier aus der NLA eine Chance auf das Olympiaturnier. Es ist nicht ausgeschlossen, dass alle drei SCB-Kanadier (Maxim Noreau, Andrew Ebbett, Mason Raymond), die hier im Einsatz sind, fürs olympische Turnier aufgeboten werden.

Mir gefällt dieses offensive, dynamische Hockey der Schweizer und mir gefällt der Stil von Coach Patrick Fischer. Er verkörpert diese neue Generation.» Und er macht den Schweizern olympischen Mut: «Diese Mannschaft kann beim olympischen Turnier sehr weit kommen, ja die Schweizer können eine Medaille holen.» Er relativiert lediglich die Höhe des Sieges: «Nur die besten KHL-Teams könnten tempomässig in der Schweizer Liga mithalten. Das untere Drittel der KHL-Teams ist vom Tempo der Schweizer überfordert.» Dino Riga gehört zu den schwächsten KHL-Teams – und war hoffnungslos überfordert.

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