Langlauf
Hightech-Gerät: So bereiten sich die Schweizer Langläufer auf Olympia vor

Wie die Schweizer Langläufer diesen Sommer im ultramodernen Trainingszentrum in Davos die Olympischen Winterspiele vorbereiten. Sie vertrauen dabei auf ein Hightech-Laufband.

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Der Schrei kommt aus dem Nebenraum. Was, um Himmels Willen, geschieht hier? Hier im neu erstellten Langlaufzentrum in Davos. In diesem wunderbaren Holzbau direkt beim Golfplatz. Wo die frischen Balken nach morgendlichem Wald riechen. Wo die dunklen Schifferböden danach schreien, mit sauberen Schuhen betreten zu werden. Wo das Verbotsschild neben dem Haupteingang – «Bitte keine Langlaufskis im Langlaufzentrum!» – beinahe kafkaesk wirkt.

Dario Cologna (vorne) und Roman Furger (hinten) im letzten Winter. Im Sommer trainieren sie nun auf Hightech-Maschinen.

Dario Cologna (vorne) und Roman Furger (hinten) im letzten Winter. Im Sommer trainieren sie nun auf Hightech-Maschinen.

KEYSTONE/EPA KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Drinnen im zweiten Stock feilt die WM-Entdeckung Roman Furger auf dem exklusiven Laufband an seiner Technik und quält sich Sprinter Gianluca Cologna an unbestechlich programmierten Hightech-Kraftmaschinen für das Comeback. Viel Schweiss zwar, aber alles im grünen Bereich. Bis auf diesen Schrei. Was ist nebenan? Der Dark Room der Langläufer?

Des Rätsels Lösung präsentiert sich in Form von zwei grossen blauen Behältern, gefüllt mit Wasser. Es ist der Kernpunkt des Regenerationsraums. Dort wo auch die Massagen stattfinden und mehrmals pro Woche ein Physiotherapeut aus dem Spital Davos dafür besorgt ist, dass Dario Colognas Wade und andere Langläufer-Muskeln immer schön geschmeidig bleiben.

Auch bei Schneemangel könnte man wohl im Langlaufzentrum trainieren.

Auch bei Schneemangel könnte man wohl im Langlaufzentrum trainieren.

Keystone

Von 38 auf 8 Grad

Der Schrei kommt von einem Athleten. Er hat soeben das erste von insgesamt 14-mal das Becken gewechselt – sieben Mal eine Minute links, sieben Mal rechts. Das Problem an der Sache: nach wohlig warmen 38 Grad links taucht man rechts bis zur Brust ins acht Grad kalte Nass. Wechselbäder sind der neuste Hit der Regeneration und für einige Langläufer offensichtlich der härteste Teil des Trainings. Mehrmals pro Woche machen es die Sportler, nach dem Motto: Was im Sommer kühl lagert, ist im Winter heiss auf Erfolg.

Zurück ins Epizentrum des Trainingszentrums. Dort steht Sprinttrainer Philip Furrer neben dem drei Meter breiten Laufband, dem Herzstück des Betriebs. Furrer bedient die Anlage, die bis zu 50 Kilometer Geschwindigkeit und 25 Prozent Steigung simulieren kann, er filmt die Athleten mit der Kamera und korrigiert deren technischen Abläufe, soweit sie die Unsauberkeiten im überdimensionalen Spiegel an der Wand nicht selber erkennen.

Das Gerät ist quasi der Ferrari in der guten Stube. 140 000 Franken hat das kolossale Ding gekostet. Es kann dank wissenschaftlicher Hilfe aus Magglingen die Topografie der nächstjährigen Olympiastrecken exakt simulieren. Nur schneien tut es hier mit Garantie nicht. Und auch das Wachs spielt selbst bei zehn Grad Steigungswinkel keine Rolle.

Alter Trainingsort: «Garage»

Bisher absolvierten die Langläufer ihre Krafteinheiten im Stützpunkt Davos eingemietet in einem umfunktionierten Gewerberaum des lokalen Skiclubs, den Dario Cologna wenig schmeichelhaft als «Garage» bezeichnete. Die Infrastruktur glich im Vergleich zum neuen Ferrari einem alten VW Diesel. 350 000 Franken kostet allein die Einrichtung am neuen Ort, den Zentrumsleiter Christian Flury eine «Heimat für die Athleten» nennt.

Dario Cologna nannte den alten Trainingsort eine «Garage».

Dario Cologna nannte den alten Trainingsort eine «Garage».

Keystone

Wie in einer guten Stube trifft man sich nun täglich an einem zentralen Ort. «Die Interaktion ist viel grösser als bisher», stellt Flury fest. «Die anderen auch im Sommer öfters zu sehen, macht mich für den Winter noch nicht schneller», relativiert Roman Furger mit einem Grinsen. Schliesslich litten die Schweizer Kaderathleten auch bisher nicht unbedingt an Kontaktarmut.

Intervalltrainings und Feinschliff

Doch was erhofft man sich vom Laufband konkret? Bisher kamen die Athleten höchstens zwei- bis dreimal pro Jahr in Magglingen mit einem solchen Gerät in Berührung. Es diente primär der Leistungsdiagnostik. Nun stehen Dario Cologna und Co. im Schnitt wöchentlich zweimal auf dem Band – einerseits für den Feinschliff der Technik, andererseits für Intervalltrainings im intensiven Bereich. Auch hier wird der Bewegungsablauf unter höchster Belastung analysiert, das Bewusstsein für die richtige Körperspannung im Wettkampf auch in ermüdetem Zustand gefördert. Ein Detail, auf welchem die Überlegenheit der norwegischen Langläufer basiert.

Doch das will man jetzt ändern, schliesslich sollen die Schweizer Athleten im Februar in Pyeongchang primär auf dem Podest jauchzen und uns damit Hühnerhaut bescheren.