Gschobe #37
Herr Petkovic, das wäre doch mal eine Aufstellung

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 45 und 49, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell, David, Lehrer, Speicher AR, Tobias, Consultant, Zürich, Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG und François, Journalist, Windisch.

François Schmid-Bechtel
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Tobias: Wenn die Schweiz doch nur einen treffsicheren Stürmer hätte. Dann wäre ich sehr zuversichtlich betreffend erstmaligem Einzug in den WM-Viertelfinal.

Pius: Was hast du gegen den Mann aus Sursee?

David: Arnold von Winkelried?

Pius: Nein, Haris Seferovic. Gewissermassen die moderne Ausgabe des Helden der Schlacht bei Sempach. Jedenfalls erkenne ich bei Seferovic eine ähnliche Opferbereitschaft.

David: Vielleicht würde es helfen, wenn Sascha Ruefer Seferovic nicht mehr als Mann von Sursee, sondern als Mann vom Sempachersee bezeichnen würde. Allein, um mehr Nähe zwischen Seferovic und dem eidgenössischen Helden aus dem 14. Jahrhundert herzustellen. Das würde ihn wohl auch vor Pfiffen bewahren. Denn welcher vaterländische Fan würde sich getrauen, einen Mann auszupfeifen, der auf Arnold von Winkelrieds Pfaden wandelt?

Tobias: Können wir den Geschichtsunterricht an dieser Stelle beenden?

Pius: Einverstanden. Aber ich begreife immer noch nicht, was du an Seferovic auszusetzen hast.

Tobias: Ganz einfach: Ihm fehlt die Kaltblütigkeit, vielleicht auch die Klasse. Und jetzt, kommt erschwerend dazu, fehlt ihm die Spielpraxis und damit auch das Selbstvertrauen.

François: Das sehe ich anders. Egal ob in San Sebastian, Frankfurt oder zuletzt in Lissabon: Seferovic hat sich sofort positiv in Szene gesetzt.

Tobias: Aber nicht immer für sehr lange.

François: Einverstanden. Allein, dass er überall, wo er hinkommt, seine Tore macht, ein wichtiger Spieler wird, lässt auf Qualität und spielerische Klasse schliessen. Unbestritten ist aber, dass es ihm selten gelingt, sein Level konstant hochzuhalten.

Flavio: Und wer oder was garantiert, dass Seferovic ausgerechnet jetzt an der WM sein bestes Niveau erreicht?

François: Niemand und nichts. Wie gesagt: Ich bin überzeugt von Seferovics fussballerischen Qualitäten. Seine Leistungsschwankungen sind reine Kopfsache. Ein Stürmer trägt mittlerweile sehr viel Verantwortung. Viele Spielzüge sind so ausgerichtet, dass er das letzte Glied der Angriffskette bildet. Er muss finalisieren. Mental ist das eine grosse Herausforderung. Erst recht, wenn man nur noch mit einem Stürmer spielt. Ich glaube, Seferovic wäre sehr geholfen, wenn er einen Sturmpartner hätte. Wenn er sich die Last des Toreschiessens teilen könnte.

Tobias: Gut möglich. Also Breel Embolo neben Seferovic laufen lassen. Das hätte den erfolgsverspechenden Nebeneffekt der Täuschung. Denn keiner unserer Gegner rechnet mit einer Schweizer Doppelspitze.

Pius: Aber dann bleibt kein Platz mehr für Blerim Dzemaili.

Tobias: Für mich ist das nicht weiter schlimm.

David: Aber wer bedient die Stürmer?

François: Shaqiri natürlich. Nicht so weit auf der rechten Seite draussen, sondern aus einer zentraleren Position.

Tobias: Tönt super. Und dahinter bilden Behrami, Xhaka und Zakaria ein Dreiermittelfeld.

Pius: Grossartig, das gefällt mir. So fegen wir sogar die Deutschen im Achtelfinal weg.

Flavio: Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Hilfreich wäre auf jeden Fall, wenn Erdogan vor dem Achtelfinal der deutschen Elf einen Besuch abstattet.