Schiessen

Heidi Diethelm Gerber: Bronze mit der Hand im Hosensack

Die 47-jährige Heidi Diethelm Gerber gewinnt in Rio die erste Schweizer Olympia-Medaille. Mit der Sportpistole (25 m) holt die Thurgauerin Bronze. Es hätte noch besser, aber auch viel schlechter herauskommen können.

Mit der Hand im Hosensack schoss sich die Märstetterin aufs Podest. Im Duell um die Bronzemedaille gegen die Weltranglistenerste Zhang Jingjing, die Weltmeisterin von 2014, setzte sich Diethelm Gerber mit 8:4 durch. Das Edelmetall hatte sie schon vor ihrem letzten Schuss auf sicher.

Die Freude war riesig, auch wenn sie das im ersten Moment nicht richtig ausdrücken konnte. Mit in die Höhe gestreckten Armen strahlte sie übers Gesicht. Aber im Schiessen ist grenzenloser Jubel keine einfache Sache. Die Schützin steht allein auf weiter Flur. Ihr Trainer und Ehemann, Ernst Gerber, durfte nicht zu ihr vor.

Eine Überraschung, aber keine Sensation

Die erste und einzige Gratulantin in den ersten Minuten nach dem finalen Schuss war die chinesische Gegnerin. Danach galt es, der Prozedur zu folgen. Sachen zusammenpacken, ab zur Nachkontrolle der Waffe und der Schuhe.

Heidi Diethelm Gerbers Bronzemedaille ist eine Überraschung, aber keine Sensation. Vor genau einem Jahr gewann die Thurgauerin Gold an den Europa-Spielen in Baku. Seither erreichte sie an drei von vier Weltcup-Veranstaltungen den Final, klassierte sich dort aber dreimal im 5. Rang.

Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt reichte es zum grossen Wurf: Die Bronzemedaille überreichte ihr der Freiburger René Fasel, IOC-Mitglied und Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF.

Siegerehrung: IIHF-Präsident René Fasel hängt Diethelm-Gerber die Bronze-Medaille um.

Nach der Zeremonie sprudelte es aus der 47-Jährigen nur so heraus. Ein harter Kampf sei es gewesen. Im Halbfinal habe sie sich viel besser und stärker gefühlt als in der Qualifikation, in der sie beinahe ausgeschieden war. Und vor dem Kampf um Bronze habe sie mit "Leder" gerechnet, denn mit der Chinesin Zhang, der besten Sportpistolenschützin der Welt, hatte sie sich schon oft duelliert - und meistens den Kürzeren gezogen.

Das Duell um Bronze begann für Diethelm Gerber schlecht. Sie geriet mit 0:2 in Rückstand, gewann danach aber zwei Duelle à jeweils fünf Schüsse und übernahm so mit 4:2 die Führung. Nach zwei Unentschieden stand es 6:4 für die Schweizerin. Schon in der fünften Passe hätte sich Diethelm Gerber Bronze sichern können, aber beim «Matchschuss» verfehlte sie das Ziel.

Dafür entschied sie die sechste Passe mit 4:2 Treffern überlegen zu ihren Gunsten und sicherte sich so die erste Schweizer Olympiamedaille einer Schützin überhaupt an Sommerspielen. Die vorangegangenen 20 Medaillengewinne bei Olympischen Spielen waren alle auf das Konto von männlichen Schützen gegangen.

Als letzter Schweizer stand der Obwaldner Michel Ansermet von 16 Jahren in Sydney auf dem Podest, auch er mit der Sportpistole.

Olympiasiegerin wurde Anna Korakaki. Die Griechin setzte sich im Final gegen die Deutsche Monika Karsch durch.

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