Langlauf
Fünf Aspekte zur neuen Weltcupsaison und ein Traumstart für Sprinter Jovian Hediger

Das Schweizer Team glänzt mit zwei Top-10-Plätzen im ersten Rennen des Winters. Und am Samstag will es Dario Cologna Sprinter Jovian Hediger gleich tun.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Teilen
Bärenstarker Auftritte von Sprinter Jovian Hediger beim Weltcupauftakt im finnischen Ruka.

Bärenstarker Auftritte von Sprinter Jovian Hediger beim Weltcupauftakt im finnischen Ruka.

Kimmo Brandt / EPA

Das Schweizer Langlaufteam unterstreicht beim Weltcup-Auftakt im finnischen Ruka, dass es nicht nur aus Dario Cologna besteht. Mit dem ersten Finaleinzug seiner Karriere in einem klassischen Sprint holt sich der Romand Jovian Hediger auf Anhieb das WM-Ticket. Nadine Fähndrich rundet den gelungenen Tag mit Platz 10 ab. Der Anfang eines erfolgreichen Schweizer Langlauf-Winters? Fünf Aspekte zur neuen Saison.

Dario Cologna: Beflügelt von Heirat und neuem Trainer?

Sprintweltmeister wird Dario Cologna mit Garantie nicht mehr. Bereits einen 38. Rang in der Qualifikation vom Freitag in Ruka, zwölf Sekunden hinter Überflieger Johannes Klaebo, darf der 34-Jährige als gelungen bezeichnen. Dennoch bleiben die Ambitionen des erfolgreichsten Schweizer Wintersportlers in den beiden letzten Saisons seiner Karriere hoch. An der WM Ende Februar in Oberstdorf strebt er eine Medaille an und ein Jahr später möchte sich Cologna mit dem Gewinn einer fünften olympischen Goldmedaille unsterblich machen. Die Hochzeit mit seiner Langzeitfreundin Laura Bucher und die Zusammenarbeit mit seinem neuen estnischen Trainer Kein Einaste sorgen für eine Extraportion Motivation.

Schweizer Frauen: Ist WM-Medaille mehr als ein Traum?

Jovian Hediger setzt zum Auftakt mit Rang 6 und neuen Bärenkräften im Anstieg ein Ausrufezeichen. Das Vorstossen in die Top 10 budgetiert man bei Swiss-Ski in erster Linie bei den Frauen. Teamleaderin Nadine Fähndrich hat im vergangenen Winter den nächsten Schritt hin zur Weltspitze getan und gehört im Sprint inzwischen zu den Finalanwärterinnen. Gemeinsam mit Evergreen Laurien van der Graaff träumt sie sogar vom grossen Coup an der WM – einer Medaille im Teamsprint. Wobei die ersten zwei Plätze der Logik gehorchend für Schweden und Norwegen reserviert sind.

Dominatoren: Die nächste Runde im Duell der Giganten?

Wer Langlauf schaut, sieht rot. Bei den Frauen dominiert eine Frau im roten Renndress, bei den Männern duellieren sich zwei Nationen, die optisch in dieser Farbe unterwegs sind. Die Norwegerin Therese Johaug stellte zuletzt mit 22 Weltcupsiegen in einem Winter einen neuen Rekord auf. Bei den Männern hat man sich an das Bild mit je einem halben Dutzend Norweger und Russen zuvorderst im Feld gewöhnt – angeführt von den beiden Superstars Johannes Klaebo und Alexander Bolschunow. Von 37 Rennen gewannen die Norweger deren 20 (11 Sieg für Klaebo) und die Russen deren 12 (9 Siege für Bolschunow). Der dreifache norwegische Erfolg im ersten Männerrennen des Winters deutet auf Kontinuität hin, selbst wenn der 24-jährige Klaebo nach 16 Siegen in Serie seine erste Sprintniederlage seit November 2018 hinnehmen musste. Der gleichaltrige Erik Valnes gewann erstmals im Weltcup.

Frischer Wind: Sind Schwedinnen die neuen Norweger?

Schwedens junge Generation schoss vor der Saison erste verbale Giftpfeile in Richtung Dominatorin Therese Johaug. Mit dem Dreifach-Sieg im Sprint liessen die Schwedinnen den Worten Taten folgen. Angeführt von Ruka-Siegerin Linn Svahn, von Frida Karlsson und Ebba Andersson wächst eine selbstbewusste neue Garde heran, die den skandinavischen Nachbar durchaus ablösen und den Frauenrennen bald den Stempel aufdrücken kann. Dem Langlauf würde es zweifellos gut tun.

Corona: Liegt die FIS falsch und reicht das Geld für Tests?

Die FIS-Verantwortlichen mussten vor der Saison viel Kritik einstecken, weil sie das Weltcupprogramm nicht zugunsten von konzentrierter Rennen an weniger Destinationen anpassen wollten. Bereits haben viele Nationen angekündigt, aus Gründen der Risikoabschätzung bewusst auf Wettkämpfe zu verzichten. Der rigorose Testzwang setzt kleineren Verbänden zudem finanziell zu. So hat das US-Langlaufteam angekündigt, dass das Budget deshalb nur für die Teilnahme an der Hälfte aller Rennen reichen werde.

Aktuelle Nachrichten