Olympia
Hat die Schweiz 2022 einen Olympiasieger im Eisklettern?

Eisklettern soll in das Olympische Programm aufgenommen werden. Das Olympische Komitee, IOC, will in zwei Jahren entscheiden. Mittendrin in der boomenden Sportart: Die Schweizer.

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Ein Eiskletterer am 15 Meter hohen Eisturm in Sotschi
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Eisklettern: Eine Sportart stellt sich vor Der künstliche 15 Meter hohe Eisturm in Sotschi
Ein Eiskletterer kämpft sich hoch
Petra Klingler am Weltcup in Saas-Fe
Konzentriert, damit der Pickel sich nicht löst
Kevin Huser an der Eiskletter-Weltmeisterschaft Saas-Grund.
Allein im Eis.
Petra Klingler beim Speedklettern
Eisklettern will Olympisch werden

Ein Eiskletterer am 15 Meter hohen Eisturm in Sotschi

ho

Eisklettern - so schnell wie möglich mit Pickel eine Eiswand hochklettern. Die Sportart boomt - und soll schon bald ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen werden.

In den beiden Wochen während den Olympischen Spielen steht mitten auf dem Olympia-Gelände von Sotschi ein künstlicher, 15 Meter hoher Eisturm, bei dem der internationale Eiskletter-Verband die Sportart vorstellen darf.

Der Verband führt mithilfe von 60 anwesenden Sport- und Eiskletterer Demonstrationswettkämpfe aus, um den zahlreichen Zuschauern die Faszination der jungen, dynamischen und kräfteraubenden Sportart näher zu bringen, wie das «Schweizer Fernsehen» berichtete.

Weltcup mit 29 Nationen

Eisklettern, das sich in den 90er-Jahren etabliert hat, wird in verschiedenen Wettkampfformen ausgetragen, selten in natürlichem, meist in künstlichem Eis. Hier gibt es einerseits das Speedklettern, bei dem der schnellste, der oben ankommt, gewinnt. Andererseits das Leadklettern, bei dem derjenige gewinnt, der am weitesten kommt, wobei der Sportler etliche Hürden überwinden muss.

Längst wird ein professionell geführter Weltcup ausgetragen, an dem Sportkletterer aus 29 Nationen daran teilnehmen. Um die Siege streiten sich stets auch Schweizer, wie etwa der Aargauer Kevin Huser oder die Limmattalerin Petra Klingler. Beide sind sie Junioren-Weltmeister, Huser ist sogar Schweizer- und Weltmeister im «normalen» Klettern am Felsen und in der Halle.

Chancen stehen bei 60 Prozent

Dass die Sportart olympisch wird, ist durchaus realistisch: «Die Chancen sind intakt, es besteht Hoffnung. Die Olympiade im Winter hätte noch Platz für neue Sportarten. Wenn wir das schaffen, wäre das ein Riesen-Erfolg», sagt Urs Stöcker. Der Schweizer ist Präsident des internationalen Kletterverbands UIAA und damit der Motor hinter der Promotion.

Er vergleicht die Sportart mit den neu ins olympische Programm aufgenommenen Freestyle-Sportarten, wie etwa das Slopestyle.

Dennoch gibt es auch gemischte Gefühle hinter der Kommerzialisierung: «Die Kletterszene ist heute sehr familiär, wie dies früher bei den Snowboardern war. Eine Aufnahme ins olympische Programm und das damit verbundene Geld könnte die Atmosphäre kaputtmachen», sagte etwa Petra Klingler unlängst in einem Interview der «Nordwestschweiz».

Und dennoch würde sich die Topathletin freuen, in acht Jahren um eine Goldmedaille zu klettern.

Dass die Eiskletterer mitten im olympischen Park in Sotschi ihre Sportart vorstellen dürfen, zeigt: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist interessiert.

Frühestens 2022 könnte die Sportart ins olympische Programm aufgenommen werden. Das IOC will in zwei Jahren über eine Aufnahme entscheiden.

Laut Experten stünden die Chancen bei rund 80 Prozent. Stöcker winkt ab und bleibt vorerst bodenständig: «Die Chancen stehen bei etwa 50 bis 60 Prozent».

Eine Niederlage musste die Szene zumindest schon im letzten Jahr einstecken: Die Sportkletterer schieden bei der Aufnahme ins Olympische Sommer-Programm aus.

Nun versuchen sie es bei den Wintersportlern - wohl mit deutlich mehr Erfolg. (sha)