Curling
Harder zur Curling-Nation Schweiz: «Das Winner-Feeling wirkt ansteckend»

Chef Leistungssport Armin Harder ist stolz auf die jüngsten Erfolge der Schweizer Frauen und hofft auf einen Jo-Jo-Effekt bei den Männern für die kommenden Weltmeisterschaften in Basel.

Michael Forster
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Das Team Flims mit (v.l.): Binia Feltscher, Irene Schori, Franziska Kaufmann und Christine Urech.Key

Das Team Flims mit (v.l.): Binia Feltscher, Irene Schori, Franziska Kaufmann und Christine Urech.Key

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Die Frauen sind soeben als Weltmeisterinnen aus Kanada zurückgekehrt. Damit haben sie vier der letzten fünf WM-Titel gewonnen. Wie ist das möglich?
Armin Harder: Wir haben uns gut vorbereitet, mit einem guten System. Dazu haben die Teams alle hart gearbeitet, wodurch die Leistung während der letzten Jahre deutlich gestiegen ist. Deshalb haben wir jetzt all die Topteams geschlagen.
Dass man sich von der National-Team-Ideologie verabschiedet hat, sprich, nicht mehr nur auf ein Team zu setzen: War das ein entscheidender Punkt?

Ganz sicher, ja, viel hängt damit zusammen. Das gibt uns die notwendige Breite. Wir sind nebst Kanada das einzige Land, welches auf mehrere Teams setzen kann. Wir haben mit drei verschiedenen Teams WM-Titel gewonnen. Sie alle pushen sich gegenseitig und wissen genau: Wenn man den Schweizer-Meister-Titel gewinnt, ist man für den internationalen Wettkampf gerüstet.

Sie haben auch das System als Erfolgsfaktor erwähnt.

Es geht um den Quali-Modus, aber auch um die technische Unterstützung durch die Coaches. Ein wichtiger Faktor ist zudem, dass wir sehr viel international unterwegs sind und die grossen Turniere spielen. Wenn man das Winner-Feeling einmal hat, wirkt das ansteckend; haben wir früher gegen Kanada oft verloren, ist das jetzt ein Team wie jedes andere. Mehr noch: Jetzt muss man nicht mehr Kanada, sondern die Schweiz schlagen.

Es ist sogar gelungen, das grosse Kanada in der Weltrangliste von Platz 1 zu verdrängen. Darauf sind Sie, als gebürtiger Kanadier, wohl besonders stolz.

Oh ja. Das hat vor uns noch niemand geschafft. Als Kanadier, respektive als Schweiz-Kanadier, macht mich das tatsächlich sehr stolz.

Wie hat man die Erfolge der Schweizerinnen in Ihrer Heimat denn aufgenommen?

Die Kanadier staunen jedes Mal, wenn wir dort antreten, wie gut das «kleine» Curling-Land Schweiz spielt. Zudem sind die Zuschauer in Kanada begeistert von diesem Sport, auch im Final zwischen der Schweiz und Japan hat das Heimpublikum beide Teams grossartig unterstützt und bejubelt.

Das tönt fachkundig und fair.

Sehr sogar! Die Schweizer Teams kommen mit ihrer Art sowieso immer sehr gut an in Kanada. Es ist ein wenig wie mit unseren Aushängeschildern im Tennis: Da wird nicht in erster Linie das Land betrachtet, sondern es zählt der Charakter auf dem Feld. Und hier können wir punkten, die Schweizer sind immer sehr positiv eingestellt, haben eine gute Ausstrahlung und wirken nicht überheblich. Ähnlich übrigens wie die Japanerinnen: Auch sie sind beim Publikum sehr gut angekommen.

Am Samstag beginnt in Basel die WM der Männer. Lassen sie sich von den Erfolgen der Frauen anstecken?

Ich hoffe es. Das hoffe ich schon seit längerem. Die Männerteams sind noch ein wenig jünger, sie hinken in der Entwicklung ein bis zwei Jahre hinterher. Aber auch sie holten vor zwei Jahren bereits eine Medaille in Peking und feierten zudem den EM-Titel. Weitere Erfolge sind eine Frage der Zeit.

Ist es denn bei den Männern, angesichts der starken Konkurrenz, realistisch, es ganz an die Spitze zu schaffen?

Als ich vor sechs Jahren anfing, da hörte das Team Stöckli auf – was einen regelrechten Neuanfang bedeutete. Wir bildeten zwei Teams, welche praktisch den Junioren entsprangen, mittlerweile aber auch schon internationale Erfolge feiern konnten. Sie sind von der Spitze nicht mehr weit weg.

Was trauen Sie den Männern an der Heim-WM zu?

Ich wäre nicht überrascht, wenn sie die Playoffs erreichen würden – wenn sie das spielen, was sie können. Und dann ist alles möglich ...