Fussball Bundesliga
Happy, aber schlecht fürs Herz: Trainer Schmidt schafft mit Mainz den Klassenerhalt

Dem Trainer Martin Schmidt fällt ein Stein vom Herzen: Er schafft mit Mainz den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga. Das Vertrauen, dass der Schweizer von Mainz erzielt, zahlt sich damit aus.

Markus Brütsch
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Alles ist gut: Martin Schmidt nach dem 4:2 seiner Mainzer über Eintracht Frankfurt.

Alles ist gut: Martin Schmidt nach dem 4:2 seiner Mainzer über Eintracht Frankfurt.

imago/Jan Huebner

Martin Schmidt ist ein Tausendsassa. Kein anderer Bundesligatrainer versteht so viel von Autos wie er, keiner kann so gut Ski fahren und jodeln. Und vermutlich wäre er auch noch ein guter Schauspieler.

Doch mit einer Theatereinlage hatte es nichts zu tun, als sich der 50-Jährige am späten Samstagnachmittag auf die Knie fallen liess und die Hände zum Gebet faltete. Nein, in jenen glückseligen Momenten fielen dem Walliser einfach nur ganz viele grosse Brocken der Erleichterung vom Herzen: denn der 1. FSV Mainz 05 wird auch in der kommenden Saison der Bundesliga angehören.

Und gerettet sind damit so manche Jobs und Existenzen. Vielleicht ist Schmidt vor allem auch dies durch den Kopf gegangen nach dem Abpfiff, als alle Mainzer um ihn herum jubelten, während er mit verklärtem Blick auf dem Rasen kniete.

Mainz hält zu Schmidt

Als jener Mann, der vor einem Monat so gut wie entlassen war. «Schmidt nur noch Trainer auf Abruf», schrieb «Bild» nach der 2:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig. Der «Kicker» legte nach: «Die Schlinge zieht sich zu: Schmidt vor dem Aus.» Fünf Mal in Folge hatten die Mainzer nicht mehr gewonnen, vier Mal hintereinander verloren und standen akut abstiegsgefährdet auf Rang 15. Für die Medien war klar: Würde es drei Tage später in Freiburg die fünfte Pleite in Serie absetzen, wäre Schmidt definitiv nicht mehr zu halten.

Die Medien betrachteten Schmidt als fast schon gefeuert – doch Mainz hielt zu ihm.

Die Medien betrachteten Schmidt als fast schon gefeuert – doch Mainz hielt zu ihm.

Keystone/EPA DPA/ANDREAS ARNOLD

Mainz verlor 0:1. Der Freiburger Trainer Christian Streich, wohl ahnend, in welchdiffiziler Situation sich Kollege Schmidt nun befand, warf sich für diesen in die Bresche und sagte: «Es ist eine Unverschämtheit, diesen Trainer infrage zu stellen. Er macht einen hervorragenden Job.» Dies sah auch Rouven Schröder so. «Wir ziehen es durch mit Schmidt», sagte der Mainzer Sportdirektor.

Die schlimmsten Minuten

Es folgten ein 1:0 über Hertha, ein 2:2 bei den Bayern, ein 1:2 gegen Mönchengladbach, ein 0:0 in Hamburg und nun dieser Triumph über Eintracht Frankfurt. In einem Spiel, das an Dramatik nichts zu wünschen übrig liess. In dem die Mainzer zwar einen 0:2-Rückstand in einen 4:2-Sieg und die Opel-Arena in ein Tollhaus verwandelten, den Klassenerhalt aber noch nicht gleich feiern konnten.

Weil Wolfsburg gegen Mönchengladbach nach einem Spielunterbruch noch zehn Minuten Zeit hatte, den Treffer zur Rettung zu schiessen. Doch es blieb beim 1:1 und Schmidt sagte: «Am Ende haben wir das Ding in Wolfsburg nur noch runtergebetet. Für mein Herz war das gar nicht gut. Das waren die schlimmsten Minuten in meiner Zeit als Trainer.»

Ein Zeichen an die Liga

Vor gut zwei Jahren hatte der Schweizer den Dänen Kasper Hjulmand abgelöst und den Ligaerhalt geschafft, in der Folgesaison die Mainzer dann sensationell auf den sechsten Platz und in die Europa League geführt. Er erwarb sich einen derart guten Ruf, dass er als neuer Trainer in Leverkusen gehandelt wurde und nun offenbar auch bei Dortmund neben Lucien Favre als Kandidat gilt, sollte Thomas Tuchel die Borussia verlassen.

Martin Schmidt erwarb sich in Mainz einen guten Ruf.

Martin Schmidt erwarb sich in Mainz einen guten Ruf.

KEYSTONE/EPA DPA/TORSTEN SILZ

«Dass wir, mit dem Rücken zur Wand, nach einem Zwei-Tore-Rückstand zurückgekommen sind, ist eine Riesengeschichte», sagte Schmidt. «Vielleicht ist unsere Entwicklung auch ein Zeichen an die Liga, dass nicht immer gleich der Trainer ausgewechselt werden sollte.» Er habe im Klub jedoch immer Rückendeckung gespürt. «Vertrauen und Ruhe stehen über allem. Vertrauen und Strategie ist mehr wert als Hektik und schlechte Kritik», sagte Schmidt.

Die Sau rauslassen

Danach gewährte er seinen Spielern Auslauf. «Jetzt dürfen sie die Sau rauslassen», sagte er. Obwohl: Mathematisch gesehen sind die Mainzer noch gar nicht gerettet. Gewinnt nämlich der HSV am letzten Spieltag gegen Wolfsburg, dürfen sich die Nullfünfer in Köln zwar eine Niederlage leisten, aber keine mit zehn Toren Unterschied. «Ich denke nicht, dass wir in Köln 0:10 verlieren», sagte Sportdirektor Schröder.

Ergebnisse mit zehn und mehr Toren Unterschied hat es in der Geschichte der Bundesliga seit 1963 bisher sechs gegeben.

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