Handball-WM-Kolumne
«Der WM-Titel der Dänen ist verdient und auch die Schweiz hat Spuren hinterlassen»

Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern, hat fast alle Partien der Handball-WM geschaut. Ihm ist aufgefallen, das neben der normalen Abwehrarbeit mittlerweile auch Schnelligkeit und Dynamik gefragt ist. «Das macht das Spiel noch schneller und attraktiver», sagt er.

Goran Perkovac
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Die Dänen feiern ihren WM-Titel.

Die Dänen feiern ihren WM-Titel.

Khaled Elfiqi / EPA

Mit dem verdienten Sieg von Dänemark ist die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten bereits wieder Geschichte. Die Bedenken vor dem Auftakt, während der Pandemie über 100 Spiele auszutragen, haben sich glücklicherweise nicht erhärtet – ganz im Gegenteil. Aus meiner Sicht durften wir ein ansprechendes Turnier mit vielen Farbtupfern erleben. Die K.-o.-Phase bot Spektakel und eine ordentliche Prise Spannung. Auch die Schweizer Mannschaft hinterliess am Nil ihre Spuren und ebnete mit ihren Leistungen den Weg in die Zukunft. Somit war der Entscheid, das Turnier in einer speziellen Zeit mit besonderen (Schutz-) Massnahmen durchzuführen, der richtige.

Auch wenn ich die Spanier zuoberst auf meinem Zettel hatte, beruht die Titelver­teidigung der Dänen keinesfalls auf Zufall: Ganz allgemein profitieren die skandinavischen Mannschaften von ihren fundierten Ausbildungs­programmen im Nachwuchs­bereich. Dazu verfügt das flächenmässig überschaubare Dänemark mit Torhüter Niklas Landin und Mikkel Hansen, seines Zeichens mehrmaliger Welthandballer, über zwei Ausnahmeathleten, die stets ihre Leistungen abrufen. Ebenfalls zugute kam den Dänen, dass das Kollektiv an seinen Aufgaben wuchs. So kehren sie folgerichtig mit Gold behangen nach Hause – ungeschlagen wohlgemerkt.

Die Mehrheit der 107 Spiele habe ich mir angeschaut. Ich liebe diesen Sport, das wird sich auch im Alter nicht ändern. Die markanteste Änderung im Gegensatz zu anderen End­runden ist mir bei der Körpergrösse der Kreisläufer aufge­fallen. Setzte man vor nicht allzu langer Zeit fast ausnahmslos auf 2-Meter-Hünen, sind heute in der Abwehrschalt­zentrale nebst der eigentlichen Abwehrarbeit auch Schnelligkeit und Dynamik gefragt. Diese physische Veränderung sorgt dafür, dass Handball auf internationalem Parkett noch schneller und attraktiver wird.

Für mich bildete die WM eine unterhaltsame Überbrückung bis zu unserem Meisterschaftsstart am Donnerstag zu Hause gegen Thun. Auch unser Spiel lebt von der Explosivität und der Dynamik. Schliesslich wollen auch wir uns beim HC Kriens-Luzern in ein paar Wochen wie die Dänen fühlen.