Sport

Handball-Nationaltrainer Michael Suter spricht über die EM-Gegner Schweden, Polen und Slowenien

Der letzte Vergleich mit Slowenien war für die Schweizer Handballer nicht erfolgreich. Wie sieht es am Dienstag aus?

Der letzte Vergleich mit Slowenien war für die Schweizer Handballer nicht erfolgreich. Wie sieht es am Dienstag aus?

Am Freitag beginnt für die Schweizer Handballer die EM-Endrunde in Göteborg. Den Auftakt macht Co-Gastgeber Schweden, am Sonntag folgt Polen und am Dienstag Slowenien. Michael Suter weiss über die bevorstehenden Gegner bestens Bescheid.

Erstmals findet eine Handball-Europameisterschaft in drei Ländern (Schweden, Norwegen und Österreich) statt. Ebenso eine Premiere ist es, dass 24 Teams teilnehmen. Sie sind auf sechs Gruppen eingeteilt. Die beiden bestklassierten Teams je Gruppe schaffen den Einzug in die Hauptrunde. Für die Schweiz startet das Turnier am Freitag gegen Co-Gastgeber Schweden. Michael Suter, der Nationaltrainer, schätzt die kommenden Gegner ein.

Schweden (Freitag, 10. Januar, 20.30 Uhr, live TV24):

Unser Gegner zum Auftakt. Eine Top-Mannschaft. 2018 holten sie an der EM Silber. Und jetzt, zu Hause, als Gastgeber, sind sie speziell motiviert. Die Mannschaft besteht aus Spielern, die ausschliesslich in Top-Vereinen engagiert sind. Das ist eine unglaubliche Equipe, die sehr viele Varianten drauf hat. Der Druck liegt natürlich zu 100 Prozent bei den Schweden. Wir werden in diesem Spiel versuchen, so lange wie möglich dran zu bleiben und die Schweden zu ärgern. Ich erwarte, dass die Schweden versuchen, gleich ein Feuerwerk zu zünden und das Publikum zu begeistern. Es wird schwierig, diese Mannschaft zu stoppen. Aber wir haben Ideen und wollen in jeder Partie, auch in jener gegen Schweden, unseren Stempel aufdrücken und mit dem Ausgang des Spiels etwas zu tun haben. Das ist unser Anspruch. Mit dieser Haltung sind wir in den letzten Jahren gut gefahren. Es gelang uns doch, einige höher dotierte Teams zu schlagen. Wir sind stabil und solid geworden. Das gibt uns Zuversicht für das Startspiel.

Natürlich ist Schweden ein Stück weit auch ein Vorbild für uns. Das Land hat etwa gleich viele Einwohner, etwa die gleichen Sportarten sind populär, aber im Handball gehört Schweden seit Jahrzehnten zur Weltspitze, während dieser Sport in der Schweiz teilweise immer noch Amateurstatus hat – selbst in der höchsten Liga. Obwohl die schwedischen Nationalspieler fast ausnahmslos im Ausland engagiert sind, ist die Liga erstaunlich gut. Kurz: Der Schweizer Handball ist trotz Fortschritten ein grosses Stück von jenem der Schweden entfernt. Aber es stehen bei beiden Teams gleich viele Spieler auf dem Platz. Da ist vieles möglich.

Kim Ekdahl Du Rietz: Einst Teamkollege von Andy Schmid, heute Leistungsträger bei Paris Saint-Germain

Kim Ekdahl Du Rietz: Einst Teamkollege von Andy Schmid, heute Leistungsträger bei Paris Saint-Germain

Bei Schweden sticht eigentlich kein Spieler heraus. Denn sie sind alle Weltklasse. Natürlich, sie haben herausragende Individualisten wie Jim Gottfridsson, Rückraum Mitte bei Flensburg. Oder Kim Ekdahl Du Rietz, der mit Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen war und nun für Paris Saint-Germain spielt. Aber die grosse Stärke der Schweden ist ihr Kollektiv und die vielen Varianten, die sie auf jeder Position haben.

Polen (Sonntag, 12. Januar, 16.00 Uhr, live SRF 2):

Polen gehört seit der Jahrtausendwende zu den Top-Nationen, stand 2007 sogar im WM-Final. Vor zirka eineinhalb Jahren haben die Polen einen Umbruch lanciert. Vielleicht etwas spät, denn sie haben lange an grossen, aber in die Jahre gekommenen Spielern festgehalten. Die Polen sind traditionell körperlich sehr robust. Die polnischen Spieler sind in Europa verteilt. Und sie werden von Monat zu Monat besser. Wir müssen ihr physisches Spiel, das sie auf die Platte legen, annehmen. Wir dürfen uns nicht von ihrer Wucht einschüchtern lassen. Wenn uns das gelingt, haben wir eine sehr gute Chance.

Robuste Polen, das kennen die Schweizer. Hier wird Lucas Meister (unten) von Rafal Przybylski zu Fall gebracht.

Robuste Polen, das kennen die Schweizer. Hier wird Lucas Meister (unten) von Rafal Przybylski zu Fall gebracht.

Die Polen haben nicht die Vielzahl von Topstars wie Slowenien und Schweden. Aber sie haben mit Kreisläufer Kamil Syprzak, früher bei Barcelona und heute bei Paris Saint-Germain unter Vertrag, einen Wahnsinns-Turm. Der ist 2,11 m gross und er ist auch richtig, richtig gut. Da müssen wir physisch dagegen halten und an uns glauben.

Der Druck ist in jedem Spiel klar bei den Gegnern. Schliesslich sind wir erstmals seit 2006 an einer Endrunde dabei. Aber eben: Wir wollen in jeder Partie mit dem Ausgang etwas zu tun haben. Und wir werden versuchen, mit unserer Leidenschaft den Druck auf die Gegner zu erhöhen. Angst haben wir vor keiner Mannschaft. Das ist längst kein Thema mehr. Auch unsere jungen Spieler haben mit den U-Nationalteams gegen viele hochkarätige Teams schon gewonnen. Die haben die Winnermentalität längst verinnerlicht.

Slowenien (Dienstag, 14. Januar, 18.15 Uhr, live SRF 2):

Platz 3 an der letzten WM – das sagt schon sehr viel über die Stärke dieser Equipe aus. Obwohl ein kleines Land, produzieren die Slowenen eine Vielzahl von talentierten Spielern. Eine Balkanmannschaft mit europäischem Einfluss, wie es ihrer geographischen Lage auch entspricht. Slowenien spielt eine harte 6:0-Verteidigung. Und Slowenien hat mit Miha Zarabec von Kiel einen herausragenden Spielmacher. Viele slowenische Spieler sind bei den Top-Champions-League-Teams engagiert. Das ist eine ganze harte Nuss. Slowenien geht gegen uns als klarer Favorit ins dritte Gruppenspiel. Denn an einem guten Tag können die Slowenen jeden Gegner der Welt schlagen. Aber wir versuchen die Partie so zu steuern, dass die Slowenen gegen uns keinen guten Tag haben werden.

Können die Schweizer (hier mit Michal Svajlen, links) gegen die Slowenen etwas ausrichten?

Können die Schweizer (hier mit Michal Svajlen, links) gegen die Slowenen etwas ausrichten?

Mich fasziniert die Begeisterung für Handball in Slowenien. Das beginnt schon ganz früh. Im gesamten Norden des Landes gibt es etliche Ausbildungszentren. Dort wird erstklassig ausgebildet. Da ist auch ein grosses Wissen vorhanden, wie man mit jungen Sportlern umgehen soll. Und weil die Nationalmannschaft über Jahre erfolgreich spielt, haben die Jungen die Vorbilder, denen sie nacheifern. Das Resultat: Slowenien kann aus vielen Talenten auswählen.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Meistgesehen

Artboard 1