Kunstturnen
Hambüchen vegoldet sich sein Karrierenende – und bekommt nun das Reck geschenkt

Krönender Abschluss einer grossen Karriere: Der deutsche Kunstturner Fabian Hambüchen holte gestern Nachmittag am Reck die Goldmedaille und komplettiert damit seinen olympischen Medaillensatz. Mit nach Hause nimmt Hambüchen aber nicht nur Gold, sondern auch das Sieger-Reck.

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Fabian Hambüchen beendet seine Karriere mit der olympischen Goldmedaille am Reck.

Fabian Hambüchen beendet seine Karriere mit der olympischen Goldmedaille am Reck.

Keystone

Als Fabian Hambüchen nach dem Interview-Marathon nach dem Gewinn der Goldmedaille am Reck noch einmal alleine die Halle betrat, um das Reck zu fotografieren, kam ihm eine Idee: «Hey Alter, das Ding musst du kaufen!», sagte sich der 28-jährige Kunstturner.

Heute gab der Hersteller des Siegergeräts bekannt: Der Olympiasieger kann sich die «etwas fünf Riesen» für sein Gold-Reck von Rio sparen. Er bekommt es geschenkt. Der Hersteller will dem Deutschen das Reck von Rio sogar direkt in die Trainingshalle stellen. «Wir werden ihm das goldene Reck in Anerkennung seiner wunderbaren Karriere und seiner großartigen Leistung schenken», sagte Jeanette Grau, Vertriebsleiterin des deutschen Turngeräte-Herstellers Spieth Gymnastics.

Gestern Nachmittag hatte Hambüchen mit einer spektakulären Flugshow Zuschauer, Konkurrenten und Kampfrichter begeistert und die letzte ihm noch fehlende Olympia-Medaille erturnt – die goldene. «Ich wollte das Ding unbedingt», sagte er. Als sie ihm dann endlich gehörte, blickte er sie immer wieder versonnen an. «Dass ich es jetzt geschafft habe, kann ich aber noch nicht realisieren. Das ist einfach nur unbeschreiblich», sagte er.

Vom Turn-Floh zum Reck-Riesen

Dabei hatte sich der Deutsche, der seit seiner ersten Olympia-Teilnahme 2004 vom Turn-Floh zum Reck-Riesen reifte, lange genug auf den großen Moment vorbereiten können. Als erster Turner musste Hambüchen an sein Paradegerät gehen - und warten, warten, warten. Für sieben Rivalen waren seine 15,766 Punkte danach unerreichbar, «aber das Warten war schon eine Qual», sagte Hambüchen.

Entspannter war da schon der «recht zuversichtliche» Vater Wolfgang. Er sprach seinem Sohn immer wieder aufmunternd zu. Nach dem glücklichen Ausgang behauptete er, dass die Erfolge des Sohnes so schnell kein Deutscher wiederholen wird. «Er hat alles gewonnen, was möglich ist. Auf die gesamte Karriere geblickt wird es dauern, bis ihm das einer nachmacht.»

In der Tat: 40 deutsche Meistertitel, den kompletten Medaillensatz bei Olympischen Spielen und dazu noch neunmal Edelmetall bei Weltmeisterschaften - Hambüchen hätte allen Grund gehabt, sich im Glanz des Erfolgs zu sonnen. Ein Selbstdarsteller war der Hesse aber noch nie, auch nach der Rückkehr aus Rio will er bescheiden bleiben.

«Mein privates Leben verändert sich nicht groß», versicherte er. Nur was den Sport angeht, werde er künftig kürzertreten. Noch ein paar Wettkämpfe werden in der Bundesliga wahrscheinlich noch folgen - nach einer Pause natürlich, «denn die Turnhalle werde ich jetzt erstmal nicht mehr sehen.»